Birkesdorf: Darts-Grenzland Cup: Viel Training, Herzblut und Ausdauer

Birkesdorf : Darts-Grenzland Cup: Viel Training, Herzblut und Ausdauer

Wer sich auf Anhieb richtig unbeliebt machen will, bezeichnet Darts einfach als Kneipensport. Dass wesentlich mehr dahinter steckt, wurde am Wochenende in der Festhalle Birkesdorf schon auf den ersten Blick deutlich.

Weit mehr als 500 Darts-Spieler aus dem Westen der Republik beteiligten sich von Freitagabend bis zum späten Sonntagnachmittag am 31. Grenzland Cup und ließen die Pfeile auf die Scheiben fliegen.

Pfeil ist nicht gleich Pfeil! Jeder Spieler baut sich sein Sportgerät selbst zusammen. Deswegen konnten am Wochenende auch Flügel mit dem Geißbock-Logo (links) zum Einsatz an einem der E-Dart-Automaten kommen. Foto: Stephan Johnen

Allein die Logistik war ein Kraftakt: 45 E-Darts-Automaten mussten Freitagmorgen von Bingen nach Birkesdorf transportiert, aufgestellt, angeschlossen und überprüft werden. Verantwortlich dafür, dass alles reibungslos funktionierte, war Achim Lintzen als Leiter des Ligabüros. Wenn Montagmittag der Lkw seine wertvolle Fracht wieder aufgeladen hat, geht für Lintzen und sechs tatkräftige Helfer ein langes Wochenende zu Ende.

Pfeil ist nicht gleich Pfeil! Jeder Spieler baut sich sein Sportgerät selbst zusammen. Deswegen konnten am Wochenende auch Flügel mit dem Geißbock-Logo (links) zum Einsatz an einem der E-Dart-Automaten kommen. Foto: Stephan Johnen

Knallharter Ligabetrieb

„Es ist richtig, dass Darts in Gaststätten gespielt wird“, sagte Lintzen. Doch längst hat sich der Spielbetrieb auch in Deutschland professionalisiert, die Spitzenteams des Landes reisen zu Europameisterschaften nach Italien und zur Weltmeisterschaft, die in Las Vegas ausgetragen wird. In Birkesdorf ging es neben offenen Wettbewerben für jedermann auch um die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft, also den knallharten Ligabetrieb. Wer sich dort wie das Team „Magic Düren“ bis zur Bundesliga hochkämpfen und mithalten will, muss viel Trainingszeit, Herzblut und Ausdauer investieren.

Ausrichterin des Turniers war die Vereinigung der Sportautomaten-Aufsteller im Grenzland Aachen (VSAA). Von der niederländischen Grenze bis zum Erftkreis, von Monschau bis Heinsberg reicht das Verbandsgebiet. 479 Vereine beteiligen sich aktuell in dieser Region am Spielbetrieb. Die Liga gibt es seit 1988, nach langen Jahren des Rückgangs und der Stagnation steigt die Zahl der Akteure wieder. „Der Darts-Sport boomt“, unterstrich VSAA-Mitglied Norbert Schiffer aus Birkesdorf. Nicht zuletzt die prominente Übertragung der Steel-Darts-Turniere im Sportfernsehen, bei denen mit Pfeilen aus Metall auf Scheiben geworfen wird, hat die Beliebtheit des elektronischen Darts in neue Sphären katapultiert. Viele junge Menschen sind aktiv.

„Früher wurde die elektronische Version, bei der die Spieler Pfeile mit Plastikspitzen auf die Zielscheiben der Automaten werfen, etwas belächelt“, räumte Achim Lintzen ein. Heute jedoch werden Steel-Darts und E-Darts als gleichwertig betrachtet. Was nicht zuletzt daran liegen mag, dass bei der Variante mit Stahlpfeilen sowohl die Spieler als auch die Schriftführer die Punkte im Kopf zusammenrechnen müssen, fügte Lintzen augenzwinkernd hinzu. Diese Rechenleistung übernimmt schließlich der Automat.

Doch wehe, wenn die Technik versagte, und eine der 45 schrankhohen Kisten plötzlich mitten im Turnier aufhörte, die Wurf-Ergebnisse zu erfassen. Für diese Fälle war Norbert Schiffer im Einsatz, der nicht nur leidenschaftlicher Spieler ist, sondern auch das Know-how, das Werkzeug und die Ersatzteile hatte, um bockige Automaten wieder flott zu machen. Schiffer: „Angesichts der Minusgrade beim langen Transport kann die Technik schon mal leiden.“ Ein Netzteil mit Wackelkontakt hier, eine defekte Steuereinheit dort: Beim Reparieren galten die gleichen Regeln wie im Spiel: Nerven behalten, ruhige Hand bewahren.

Für das ungeübte Auge glich das Turnier einem Ameisenhaufen. Das Bild ist gar nicht so verkehrt, denn trotz des Gewusels wusste jeder Spieler, wann er mit welchem Gegner an welchem Automaten sein musste. Dafür waren Achim Lintzen und seine Mitstreiter verantwortlich, die mit Computer-Unterstützung die Spielpaarungen auslosten, Automaten vergaben, Ergebnisse eintrugen und für einen flüssigen Spielbetrieb sorgten, während sie selbst aufgrund der permanenten Aufrufe und Durchsagen einen trockenen Mund bekamen. Samstagvormittag wurden beispielsweise 83 Doppel und 114 Einzel ausgespielt — parallel wohlgemerkt. Mit Kneipensport hat dies nichts zu tun.

(sj)