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Düren: „Cool-Down”-Training: Wenn Blicke prügeln können

Düren : „Cool-Down”-Training: Wenn Blicke prügeln können

„Platz da, Platz da!” Mit grimmigem Blick und strammem Schritt kurvt gut ein Dutzend Pädagogen durch den großen Saal der Kreisbrandschutzzentrale.

Jeder Kollege ist ein „Gegner”, bekommt die Ellenbogen des Gegenüber förmlich zu spüren. Durchsetzungsvermögen ist gefragt. Zwei Minuten lang. „Jetzt schlendern. Und auf die Atmung achten”, gibt Mona Oellers-Vergöls vor.

Erstmals bietet die ausgebildete Anti-Aggressionstrainerin eine „Multiplikatoren”-Ausbildung für Lehrer verschiedenster Schulformen sowie Schulsozialarbeiter an. In ihrer Freizeit lassen sie sich in einer anderthalbjährigen Reihe in acht so genannten Modulen zum „Cool-Down”-Trainer ausbilden. „Hierbei geht es um eine Maßnahme speziell für Täter und Opfer an Schulen, mit denen intensiv über mehr als ein Schuljahr gearbeitet wird”, erläutert sie.

Mit von der Partie diesmal auch Sven Mohren: Vor sechs Jahren hat er an einem Anti-Aggressionstraining in der Anne-Frank-Gesamtschule in Mariaweiler teilgenommen. „Seither lebt er straffrei und arbeitet als Tutor in laufenden Kursen mit.”

Mona Oellers-Vergöls weiter: „Meine Erfahrung zeigt, dass die Teilnehmer, die ich vor vier, fünf oder sechs Jahren in Cool-Down-Programmen an Schulen nicht mehr gewinnen konnte, nun die Teilnehmer in den Kursen der Bewährungshilfe sind, die ich zum Beispiel in Düren leite. Dies zeigt, wie wichtig und wertvoll diese Arbeit an Schulen ist.”

Doch zurück zum praktischen Teil: „Sinn dieser Übung, die auch Spaß macht,ist es, Ellenbogen zu zeigen, offensiv zu sein. Die Frage ist: Wer weicht wem aus? Manchmal geht man da fast brutal vor. In jedem Fall braucht man für aggressives Verhalten mehr Energie”, resümiert die Trainerin.

Bei dieser Übung gehe es darum, Jugendlichen klar zu machen, dass es anstrengend ist, wenn man immer auf eine bestimmte Haltung wie ein Gockel achten muss, zumal dies mit viel Selbstdisziplin und -kontrolle zu tun habe. „Dieses energetische Aufplustern ist immer anstrengend und kann auch provozierend sein. In jedem Fall wollen die Betreffenden Aufmerksamkeit heischen.” Körpersprache sei einfach sehr wichtig, gibt sie den Lehrern mit auf den Weg - und bittet zur zweiten Übung:

„Gehen Sie durch den Raum und versuchen Sie, sich nicht anzusehen! Auch nicht auf den Boden oder an die Decke schauen, sondern immer geradeaus.” Fazit von Melanie: „Ich finde es nicht normal und schlimm, keinen anzusehen, keinen Kontakt aufzunehmen.”

Also reagiert Mona Oellers-Vergöls: „Gehen Sie durch den Raum und schauen Sie sich zwei Sekunden an, ohne zu sprechen!” Gesagt - getan. Nicht wenige Pädagogen empfinden es teils provokativ, dem Anderen so lange in die Augen zu sehen. „Wenn ich dabei lächele, wirkt es fast sogar spöttisch”, meint einer. „Das spannt an: Da habe ich sogar das Gefühl, aggressiv zu werden”, tönt es aus der gegenüberliegenden Ecke. Oellers-Vergöls: „Da sehen Sie, was man mit Blicken alles machen kann!”

Immer wieder erlebe sie, dass ein Jugendlicher ihr sagt, er habe dem Anderen „eine klatschen müssen, weil der mich so schwul angeguckt hat”. Mona Oellers-Vergöls: „Der ist nicht schwul oder aggressiv, sondern hat vielleicht in dem Moment einen komischen, langen Blick - ohne Gespräch. Wie eine Kampfansage von Hunden, die sich begegnen, ohne das sie anfangen zu kläffen oder beißen.” Manche jungen Leute würden dann antworten, sie hätten doch gar nichts gemacht. „Das stimmt sogar. Aber Blicke sind Schritte zur Prügelei”, weiß die Trainerin. „Irgendwann kommt die Situation, da hält es einer nicht mehr aus. Wenn keiner ausweicht, bringt Körperkontakt das Pulverfass zum Überlaufen!” Blickverhalten sei eben auch ein Macht-Konflikt.

Deshalb sei es für Lehrer wichtig, im Unterricht viel durch Blicke zu sprechen, Schüler anzusehen, wenn man mit ihnen spricht und Aufgaben erteilt. „Das ist aber auch ein Zeichen persönlicher Wertschätzung!” Wichtig sei aber auch, Schülern die Folgen ihrer Schlägerei vor Augen zu führen.

Ziele des „Multiplikatoren-Trainings” seien, gewaltbereiten Kindern und Jugendlichen die Konfrontation zu bieten, die sie suchen, ihnen aber gleichzeitig auch klare Regeln und Grenzen zu setzen, weil ihr aggressives Verhalten oft von einer Orientierungslosigkeit herrühre. Wichtig sei, die jungen Leute in ihrem positiven wie negativen Verhalten stets ernst zu nehmen.

Für November-Training bis 13. Oktober melden

Mona Oellers-Vergöls ist ausgebildete Anti-Aggressionstrainerin, Theaterpädagogin an der Jugendkunstschule Unna sowie staatlich anerkannte Heim- und Jugenderziehern.

Das nächste „Cool-Down”-Deeskalationstraining bietet sie am 22. November in der Kreis-Brandschutzzentrale in Kreuzau-Stockheim an. Anmeldeschluss ist der 13. Oktober.

Die Teilnehmerzahl ist auf 12 begrenzt. Die Gebühr beträgt ohne Verpflegung 985 Euro. Nähere Informationen unter 0179/5852785, E-Mail: mailto:info@CoolDown-Training.de