Düren/Arnoldsweiler: Containerterminal: Experten-Anhörung vor den Sommerferien

Düren/Arnoldsweiler: Containerterminal: Experten-Anhörung vor den Sommerferien

Auf Antworten auf ihre brennendsten Fragen warteten die knapp 200 Containerterminal-Kritiker aus Arnoldsweiler und Merzenich auch am Mittwochabend im Stadtentwicklungsausschuss vergeblich.

Immer wieder mussten Baudezernent Paul Zündorf, Ausschussvorsitzender Stephan Weschke und der von der städtischen Wirtschaftsförderung mit einer Potenzialanalyse zu den wirtschaftlichen Effekten eines Güterverkehrs- und Verteilzentrums für die Stadt Düren beauftragte Professor Dr. Michael Gramm darauf verweisen, dass Fragen zur Lärm-, Verkehrs- und Staubbelastung, zu Umweltbeeinträchtigungen, zur Größe des Plangebiets und zu benötigten Abstandsflächen erst nach weiteren Gutachten in der gerade erst angelaufenen Orientierungsphase beantwortet werden können.

Professor Dr. Michael Gramm sieht Chancen für Düren, aber auch große Belastungen.

Zündorf wies daher auch die Kritik an der bislang nur schematischen Projektdarstellung zurück. Weil es noch keine fertige Planung gebe, würde eine parzellenscharfe Darstellung nur unnötig neue Fragen aufwerfen, betonte er.

Aber weder die Zusage von Politik und Verwaltung, vor Eintritt in ein teures und auch mit Risiken behaftetes Planungsverfahren den Mehrwert für die Stadt und die Belastungen für die Bürger sorgfältig abzuwägen, noch das erneute Versprechen, die Bürger bei jedem der nun anstehenden Schritte und der Experten-Anhörung vor den Sommerferien zu beteiligen, konnte die Wogen glätten. Die Mitglieder der Bürgerinitiative Arnoldsweiler/Merzenich und viele Anwohner kritisieren den unzureichenden Informationsfluss und haben nicht zuletzt deshalb ihr Urteil längst gefällt: „Ein Güterverkehrszentrum hat zwischen den beiden Orten nichts zu suchen.“

Einen Seitenhieb in Richtung der Projektinitiatoren von der Rurtalbahn konnte sich daher auch Professor Gramm nicht verkneifen: „Ich habe selten einen Prozess erlebt, der im Vorfeld so schlecht kommuniziert worden ist.“

Bislang ist einzig und allein die Frage untersucht worden, ob die Ansiedlung eines Güterverkehrszentrums der Stadt Düren wirtschaftliche Chancen eröffnet. Gramms Aussage mit Blick auf die großen internationalen Güterverkehrsströme ist eindeutig: Ja, aber nur in Verbindung mit einem angrenzenden Logistikpark.

Der Wirtschaftsgeograf spricht von einem Flächenbedarf von rund 35 Hektar für das Terminal und zwischen 70 und 100 Hektar für die Ansiedlung von acht bis zehn Logistikunternehmen, die neben einfachen Arbeitskräften auch hoch qualifizierte benötigen. Mit Blick auf das Beispiel QVC in Hückelhoven erwartet Gramm ein breites Spektrum. Logistikunternehmen könnten den schleichenden Arbeitsplatzverlust in der Stadt Düren kompensieren. Gramm machte auch deutlich, dass das Areal an der Bahnstrecke Aachen/Köln, zwischen den beiden A4-Anschlussstellen Düren und Merzenich, natürlich sehr attraktiv für Gewerbeansiedlungen sei — mit oder ohne Containerterminal.

Aktuell verfügt die Stadt nicht mehr über ausreichend attraktive Gewerbeflächen, so dass es in der ganzen Diskussion auch um die Frage der Zukunftssicherheit der Stadt gehe, wie Baudezernent Zündorf betonte. Und daher werde man mit der Thematik sehr sensibel umgehen, insbesondere mit den vermeintlichen K.-o-Kriterien aus Sicht der BI: nahe Wohnbebauung, Naturschutzgebiet, vorhandene tektonische Störungen und Wasserläufe.

Zum weiteren Vorgehen kündigte Zündorf an, dass die Bürger ihre Fragen in den kommenden Wochen bei der Stadt zur Vorbereitung der Experten-Anhörung einreichen können, damit sie bei dieser Gelegenheit auch beantwortet werden können. Er versprach der BI, dass auch sie „Experten“ in die Runde entsenden dürfe. Erst danach werde die Politik über das weitere Vorgehen und die etwaige Einleitung eines offiziellen Planungsverfahrens für das Güterverkehrszentrum entscheiden.

CDU-Mittelstandschef Rolf Delhougne forderte, auch die bereits in Düren ansässigen Unternehmen zu hören, aus dem Zuschauerraum kam zudem die Forderung, angesichts der Nähe des Areals zur Gemeinde Merzenich auch die dortige Politik in den Entscheidungsprozess einzubeziehen.

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