Embken: Chronisten stiften Gedenktafel in Embken

Embken: Chronisten stiften Gedenktafel in Embken

Eine Gedenktafel übergab Franz-Josef Brandenburg auch im Namen seiner Frau Doris kürzlich an die Bevölkerung von Embken und Umgebung. Das vom Chronistenehepaar gestiftete Zeichen gegen das Vergessen steht genau an der Stelle, an der sich einst die jüdische Synagoge in Embken befand.

Vor 77 Jahren, am 10. November 1938, wurde das Bethaus von Sympathisanten der Nationalsozialisten niedergebrannt. Stifter Brandenburg, der sich eingehend mit der Geschichte der Synagoge beschäftigt hat, berichtete von den Ereignissen dieser Nacht: „Nachdem die Unmenschen den Davidstern durch einen psychisch kranken Jungen vom Dach hatten holen lassen, zerschlugen sie im Innern der Synagoge das Mobiliar und die Einrichtungsgegenstände.“ Gebetsrollen und Gewänder verbrannten sie auf dem Hof. Aus einem benachbarten Stall ließen sie Stroh holen, um das Feuer in der Synagoge zu entfachen.

Die Gedenktafel erinnert an den 10. November 1938, als die Synagoge in Embken abgebrannt wurde.

Das vermutlich 1869 errichtete Fachwerkgebäude brannte bis auf die Grundmauern nieder. Löschen durfte keiner. Fotos und Zeichnungen vom Gebäude existieren nicht mehr.

Betrieben wurde diese Aktion von zahlreichen Männern in Uniform, die nach Augenzeugenberichten in einem LKW aus dem Dürener Raum gekommen sein sollen. Einer der beiden Rädelsführer sei aus Embken gewesen, so Franz-Josef Brandenburg weiter. Er fächerte in seiner Rede zur Tafel-Enthüllung auch die Geschichte der jüdischen Mitbürger auf: Seit mehr als sechs Jahrhunderten gab es im Stadtgebiet Nideggen Juden. Nobelpreisträger Heinrich Böll schrieb darüber in seinem Essay „Die Juden von Drove“.

Brandenburg: „Diese Menschen waren keine Störenfriede, ihr Leben hatten sie ganz der katholischen Mehrheit angepasst. Sie waren ein gern gesehener und fester Bestandteil der Bevölkerung.“ Waren vor dem Naziregime rund 7,5 Prozent der Embkener Bevölkerung jüdischen Glaubens, waren es 1939 nur noch 2,9 Prozent.

Da dieser Prozentsatz im Verhältnis zum Prozentsatz in den umliegenden Dörfern wie Berg oder Wollersheim aber immer noch hoch war, wurde Embken auch als „et Jüddedörp“ bezeichnet, wusste der ehemalige Lehrer weiter zu berichten. Am 10. November 1938 brannten Sympathisanten der Nazis jedoch nicht nur die Synagoge nieder, erklärte Brandenburg: „Das Haus Schwarz zündeten sie auch an und im Haus Kahn zerschlugen sie alles.“

Der Gedenkfeier wohnten auch der neue Nideggener Bürgermeister, Marco Schmunkamp, und der Ortsvorsteher von Embken, Heinrich Esser, bei. Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, darunter viele junge Menschen, sorgten für Fackellicht.

(gkli)
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