Urteil am Aachener Schwurgericht: Chillen an den Rur-Auen endet mit Messerstichen

Urteil am Aachener Schwurgericht : Chillen an den Rur-Auen endet mit Messerstichen

Angeklagt vor dem Aachener Schwurgericht war ein Fall von versuchtem Mord, das Verfahren endete am Mittwochmittag mit dem Freispruch des 25-jährigen Angeklagten Cengiz T. Doch der Freispruch ist im Wesentlichen auf die psychische Verfassung des jungen Mannes zurückzuführen, der sich für eine beinahe tödlich geendete Messerattacke auf einen weitläufig Bekannten vor dem Aachener Schwurgericht verantworten musste.

Die Kammer unter Vorsitz von Richter Roland Klösgen kam am Mittwochmittag zu dem Urteil, dass der unter langjährigen Drogenpsychosen leidende Angeklagte zum Tatzeitpunkt tief in seinen Wahnvorstellungen verhaftet war und als nicht schuldfähig für seine Messerattacke geltend muss.

Die Tat: Der 25-Jährige trug in Düren mit dem späteren Opfer, einem 27-jährigen Mann, auf den Eingangsstufen des Gebäudes von Radio-Rur einen verbalen Disput aus. Michael S. hatte dem dort sitzenden Bekannten vorgeworfen, ihn vor etwa einem Jahr um ein paar Euro beklaut zu haben, sie stritten sich deswegen. Ein Freund des späteren Opfers brachte Michael jedoch davon ab, sich weiterhin mit dem Drogenabhängigen zu fetzen, denn man wollte eigentlich an den Rur-Auen „chillen“ gehen, wozu man dann auch aufbrach.

Auf dem Weg dorthin sahen beide immer mal wieder, dass der 25-Jährige ihnen auf Parallelwegen folgten, sie machten sich aber keine Gedanken. Erst auf einem Weg nahe der Rur kam es dann zur Tat. Opfer Michael S. hatte im Prozess angegeben, er sei stehengeblieben, weil er eine Prügelei erwartete, als der Verfolger auf ihn zukam.

Doch der zückte sofort ein etwa zehn Zentimeter langes Messer, hielt den großgewachsenen S. mit links Höhe des Halses fest und stach mit dem Messer in der anderen Hand abrupt und ansatzlos sechs Mal zu. Der erste Stich ging seitlich in den Hals, die weiteren führte er von hinten in den Rücken des Opfers. Einer dieser Stiche drang unter dem Rippenbogen in den Brustkorb ein, die Verletzung wäre ohne Versorgung durch den Notarzt tödlich verlaufen.

Dann allerdings ließ der Angreifer ab und verschwand in Richtung Rur, warf das Messer weg, wurde jedoch wenig später von der Polizei aufgegriffen.

Die Kammer folgte weitgehend der Begutachtung durch die psychiatrische Sachverständige Dr. Dina Mörth, die festgestellt hatte, dass der seit langem drogenabhängige Angeklagte in einem Wahnsystem lebe und an diesem Tag sich für ihn subjektiv massiv von dem späteren Opfer bedroht sah – und deshalb angriff. Die Staatsanwaltshaft hatte ebenso eine dauerhafte Einweisung in die Psychiatrie beantragt, auch der Verteidiger schloss sich dem an.

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