Düren: Chef-Klaviertechniker aus Nörvenich hat die Welt bereist

Düren: Chef-Klaviertechniker aus Nörvenich hat die Welt bereist

Franz Mohr ist mit berühmten Pianisten um die Welt gereist und er hat für sie wertvollste Flügel in den bekanntesten Konzerthäusern der Welt gestimmt. Der ehemalige Chef-Klaviertechniker der Firma „Steinway & Sons“ hat dem japanischen Kaiser Hirohito die Hand geschüttelt, er war im Weißen Haus zu Gast und hat mit Staatsoberhäuptern zu Mittag gegessen.

Aber wenn Franz Mohr in seiner alten Heimat ist, dann freut er sich vor allem auf eines: auf Bienenstich. „Den gibt es in Amerika normalerweise nicht. Nur ein Bäcker aus Brooklyn backt ihn gelegentlich für den Plattdeutsch-Club“, erzählt Franz Mohr, der in diesen Tagen bei seiner Schwägerin in Merzenich seinen 87. Geburtstag gefeiert hat. Mit der Familie. Und mit Bienenstich versteht sich.

Mit der Familie und mit Bienenstich hat Franz Mohr, ehemaliger Chef-Klaviertechniker von Steinway & Sons, seinen 87. Geburtstag gefeiert.

Versprechen an die Eltern

„Als wir 1962 in die USA auswanderten, habe ich meinen Eltern versprochen, jedes Jahr zu Besuch zu kommen. Und auch nach deren Tod haben wir diese Tradition beibehalten“, beschreibt Franz Mohr. Trotz der vielen Termine. Und noch heute spricht der Wahl-Amrikaner mit Dürener Dialekt.

Seine Karriere hat Franz Mohr einem eigentlich unglücklichen Zustand zu verdanken. Einer immer wiederkehrenden Sehnenscheidenentzündung. Die machte seinen eigentlichen Plänen, mit Geige und Bratsche zu musizieren, nämlich einen Strich durch die Rechnung. Dabei hatte er das Studium schon fast beendet. „Ich musste zu der furchtbaren Entscheidung kommen, dass ich kein ausübender Musiker sein kann. Für mich brach eine Welt zusammen. Ich kannte ja nur die Musik.“ Aber dann entdeckte er eine Job-Anzeige in einem Fachblatt. „Es wurden Lehrlinge für den Klavierbau gesucht. Das hatte immerhin noch etwas mit Musik zu tun“, erklärt er.

Also begann er mit 24 Jahren — „Die Leute haben mich wegen meines Alters schon ausgelacht“ — eine Lehre bei der Firma Ibach bei Wuppertal. Nach anderthalb Jahren legte er seine Konzerttechniker-Prüfung bei der IHK Aachen ab. Normalerweise dauert diese Lehre drei Jahre. Der Grundstein für die Karriere war gelegt.

Besonders intensiv hat Franz Mohr mit dem Pianisten Vladimir Horowitz zusammengearbeitet. 25 Jahre lang hat er ihn zu allen Konzerten und Aufnahmen begleitet und dessen Flügel gestimmt. Noch heute ist er mit dem Flügel des 1989 verstorbenen Pianisten in der Welt unterwegs.

Rubinstein und das Haarspray

Besondere Erinnerungen hat Franz Mohr aber auch an Arthur Rubinstein, einem der bedeutendsten Pianisten des vergangenen Jahrhunderts. „Rubinstein war Jude und nach dem Krieg wollte er mit Deutschland nichts mehr zu tun haben.“ Aber als sich Mohrs Vorgänger zur Ruhe setzte, legte er bei Rubinstein ein gutes Wort für den Klaviertechniker ein. „Ich war unheimlich nervös“, erinnert sich Franz Mohr. Er tat seine Arbeit und kam vor dem Konzert mit dem Pianisten ins Gespräch. „Als der erfuhr, dass ich die Plastiktasten abgewaschen habe, wollte er das Konzert absagen. Er glaubte, dass die Tasten nun zu rutschig seien.“ Also betrat Franz Mohr mit einer Dose Haarspray die Bühne. Vor Publikum besprühte er die Tasten. „Die Leute haben applaudiert und gelacht. Ich habe mich verbeugt. Und Arthur Rubinstein konnte auf griffigen Tasten spielen.“

Wenn Franz Mohr in Erinnerungen schwelgt, muss er häufig lachen. „Wenn die Pianisten glücklich waren, war ich auch glücklich“, sagt er rückblickend. Und am glücklichsten waren er und die Pianisten oftmals in der Carnegie-Hall in New York. „Die alten Konzerthäuser sind akustisch oftmals die besten. Am Ende einer Tournee dort zu spielen war immer etwas besonders“, erzählt Mohr.

Noch heute liebt der in Brooklyn, New York, lebende Mohr seinen Beruf. Er liebt es, Flügel zu stimmen, mit Musikern zu arbeiten. Noch heute gibt er Seminar, auch wenn zuletzt ein Hexenschuss dafür gesorgt hat, dass andere Klaviertechniker einen Flügel wieder zusammensetzen mussten. „Ich habe so ein reiches Leben. Dafür bin ich sehr dankbar.“

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