Stockheim/São Paolo: Charlie-Chaplin-Preis für 26-jährigen Stockheimer Clown Tonito Alexis

Stockheim/São Paolo: Charlie-Chaplin-Preis für 26-jährigen Stockheimer Clown Tonito Alexis

Mit der goldenen Charlie-Chaplin-Trophäe will Tonito Alexis für ein Foto eigentlich ungern eine Grimasse schneiden, zu viel Respekt hat der 26-jährige Clown vor ihr. „Für mich ist es die höchste Auszeichnung. Was gibt es Größeres? Charlie Chaplin war der Meister höchstpersönlich“, sagt Alexis, als er erzählt, wie er vor kurzem auf einem internationalen Zirkusfestival in São Paolo geehrt wurde.

Eugene Chaplin, ein Sohn Charlies, verleiht den Preis für besondere Leistungen regelmäßig. Jetzt war der junge Mann aus Stockheim mit spanischen Wurzeln, der seit 22 Jahren seine Nummern in den Zirkuszelten dieser Welt zeigt, der Auserwählte.

Für den Preis musste Tonito Alexis keinen Wettbewerb gegen andere Clowns gewinnen, auch war Bekanntheit kein Kriterium, so erklärt er es. Auf dem neuntägigen Festival hat er Eugene Chaplin mit seiner Show überzeugt. „Ich habe ihn zum Lachen gebracht, und er hat mich — denke ich mal — in sein Herz geschlossen und belohnt“, erzählt Alexis.

Seine Pläne für die nahe Zukunft zeigen im Prinzip, dass der Preis für ihn als Clown Tonito der vorläufige Höhepunkt seiner Karriere ist. Alexis, den Elvis Presley wegen der Frisur und seines Charismas wohl problemlos als Doppelgänger hätte engagieren können, wird erst einmal nicht mehr auf Tournee gehen. Er war es schließlich sein ganzes Leben.

Die Schule „habe ich schon aufgegeben, bevor ich sie überhaupt angefangen habe“, sagt er lachend. 500 bis 600 Auftritte jährlich folgten im Laufe der Zeit. Ab dem 1. Juni will er das Clownsein zwar nicht aufgeben, aber auch andere Felder angehen: Mit seiner eigenen Agentur Künstler aller Art vermitteln („Ich habe in all den Jahren so viele Kontakte weltweit gesammelt“), Shows für Künstler konzipieren, viel mehr Regisseur sein und hinter der Bühne arbeiten. „Ich will mich künstlerisch weiterbilden.“ Und nicht nur ein Weißclown bleiben, der in der Clownsfamilie — neben dem August mit den großen Schuhen — nach klassischer Definition die Autoritätsfigur darstellt.

Für Weißclowns, und besonders für einen Alexis, gehört es zum Kodex, keine Witze auf Kosten anderer zu machen. Es geht beim sogenannten weißen Humor fast ausschließlich mit Mimik und Gestik darum, dass Kinder und Erwachsene gleichzeitig lachen. „Die ganze Welt versteht unseren Humor“, beschreibt Tonito Alexis den Kern seines Berufs.

Es gab nie eine Alternative

Für einen Weißclown mit dem Nachnamen Alexis ist es ungewöhnlich — vor einiger Zeit war es vielleicht undenkbar? —, einen neuen Weg einzuschlagen. Opa, Vater, Bruder, Onkel: Alle sind und waren sie Clowns mit Welt-Renommee. Für Tonito Alexis gab es nie eine Alternative, auch wenn sein Vater Toni nicht auf seine Nachfolge bestanden hatte.

Der Schatten der Familie hat Clown Tonito auch förmlich dazu gezwungen, anders zu sein. Vielseitig und flexibel in seinen Rollen. „Ich wollte nie der Enkel, Sohn oder Neffe sein, sondern Tonito“, betont der 26-Jährige, der in der Rolle des Reprisenclowns aufgeht, „dem schwierigsten Job“. Fünf, sechs Minuten hat der Künstler Zeit, um das Publikum während des Umbaus zwischen zwei Aufführungen einer Zirkus-Show bei Laune zu halten.

Was er macht, weiß er frühestens drei Tage vor der Generalprobe, weil er wissen muss, was überhaupt alles aufgeführt wird. „In der Rolle ist man quasi Regisseur, weil der Clown auf den Auftritt vorher und nachher eingehen muss“, erklärt Alexis, warum ihm zugutekomme, dass er so flexibel sei und seine körpersprachenbetonte Shows daher „nie gleich sind“. Man kann diese kurzen Auftritte mit einer Fahrt über die Autobahn vergleichen: Das Ziel ist bekannt (ein lachendes Publikum), aber alle paar Hundert Meter gibt es Ausfahrten, die dorthin führen. W

elche er nimmt, entscheidet Alexis nach den Reaktionen des Publikums, das von Land zu Land unterschiedlich ist. Dabei hilft ihm wieder der Schatten der Familie: „Was mein Opa falsch gemacht hat, macht mein Vater richtig. Was er falsch gemacht hat, mache ich richtig.“ Was das Publikum nicht sieht: Alexis‘ Improvisation bringt Ton- und Lichttechniker teilweise auf die Palme — weil der Clown in der Manege nicht das macht, was geprobt war.

Ein besonderes Buffet

Alexis ist im Wohnwagen auf der ganzen Welt zu Hause, bekam einen Preis von Prinzessin Stephanie in Monte Carlo, seine Verlobte ist Italienerin — aber Stockheim und Düren sind weiter die „emotionalen Zentren“ in seinem Leben, so abgedroschen es klingen mag. Das beweist nicht nur der 11. März, als er seiner Verlobten im Dürener Teuterhof den Antrag gemacht hat, sondern auch der Satz: „Ich will in Zukunft öfter in Düren auftreten.“ Das letzte Mal war er mit 18 Jahren hier aufgetreten, im Jahr 2010 mit dem Zirkus Krone.

Sicher ist, dass er Mitte Juli im Rahmen des Kulturführerscheins im Haus der Stadt auftritt. Und am 9. und 10. Februar 2019 lädt Alexis wieder ins Haus der Stadt zu seiner eigenen Show „All you can laugh and all you can eat“ — lachen und essen, so viel man kann. „Für einen kleinen Preis, damit jeder einen Abend Spaß haben und satt sein kann“, betont er. Wann es Karten gibt, steht noch nicht fest.

Wer kein Ticket bekommt oder an dem Wochenende nicht kann, der weiß zumindest: Clown Tonito wird wiederkommen. Der 26-Jährige sagt: „Wie alt wird man? Solange bin ich noch Clown. Den Menschen Tonito Alexis wird es niemals ohne den Clown geben.“

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