Düren: CDU-Fraktionsvorsitzender: „Keine Busse, keine Menschen“

Düren: CDU-Fraktionsvorsitzender: „Keine Busse, keine Menschen“

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: „Als Beleg für die Konzeptionslosigkeit der ‚Ampel‘-Koalition“, bewertet der CDU-Fraktionsvorsitzende Stefan Weschke die Gedankenspiele seines SPD-Kollegen Henner Schmidt.

Dieser hatte in der Diskussion über die Neugestaltung von Markt- und Kaiserplatz auf der einen und die Zukunft des Weihnachtsmarktes auf der anderen Seite angeregt, auch einmal über den Wegfall der Busspur nachzudenken. „Erst will die Ampel den Weihnachtsmarkt an die Annakirche verlegen, jetzt will sie ihn auf dem Kaiserplatz vergrößern und sogar in die ganze Stadt hinein ausdehnen“, kritisiert Weschke.

„Dabei sind die Busse einer der wichtigsten Frequenzbringer für die Innenstadt.“ Würden sie wegfallen, hätte das nachhaltige Konsequenzen für die Geschäfte rund um den Kaiserplatz. „Damit der ÖPNV attraktiv ist, müssen die Haltestellen möglichst nah am Ziel sein“, erklärt der CDU-Fraktionschef. Das sei mit den angesprochenen Alternativen Wilhelmstraße und Schenkelstraße nicht mehr gegeben, ganz davon abgesehen, dass beide Straßen vor allem mittags kaum in der Lage wären, die Vielzahl der Fahrgäste aufzunehmen.

„Keine Busse, keine Menschen“, lautet für Weschke die einfache Formel. Eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität auf dem Kaiserplatz allein sorge nicht dafür, dass Menschen in die Stadt kommen.

Eisbahn auf der Hochterrasse?

In der Diskussion um die Zukunft des Weihnachtsmarktes komme angesichts der heiß diskutierten Standortfrage die inhaltliche Neugestaltung viel zu kurz, betont Weschke. Die CDU habe sich schon vor Jahren für eine Eisbahn ausgesprochen, die aufgrund der technischen Weiterentwicklung in Zukunft sicherlich realisierbar wäre, beispielsweise auf der Hochterrasse am Rathaus. Die diskutierte Verlagerung des Weihnachtsmarktes auf den Marktplatz sorgt aus Weschkes Sicht nur für Verunsicherung. „Der Wochenmarkt ist ein Pfund, an dem man nicht rütteln sollte.“

Und auch Bert Cremer meldet sich noch einmal zu Wort: „Bei allen sicherlich gut gemeinten Initiativen und Vorschlägen vergisst man scheinbar, dass es sich bei dem Thema Weihnachtsmarkt nicht um ein Wunschkonzert handelt“, betont der Vorsitzende des Verbands Reisender Schausteller Düren. Es gehe vor allem um die Existenz der Beschicker, die einen Großteil ihres Jahresumsatzes mit dem Weihnachtsmarkt erwirtschaften müssten.

Diese dürfe man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. „Der Dürener Schaustellerverband und die Beschicker fordern einen Verbleib des Weihnachtsmarktes auf dem Rathausvorplatz mit einer langjährigen Standortgarantie. Nur so kann weiter in den Weihnachtsmarkt investiert werden und ist die Chance gegeben, dass er sich in die richtige Richtung entwickelt“, betont Cremer. Die Beschicker hätten schon dieses Jahr investiert und seit 2014 ein Konzept unter Einbeziehung des Rathauses und der Hochterrasse in der Schublade.

Ideenspiele wie Annakirche oder Hoeschplatz seien völlig indiskutabel, weil weder die nötige Laufkundschaft vorhanden sei noch die benötigte Fläche oder Infrastruktur. Auch von einem Umzug auf den Markt halten die Beschicker nichts mehr: Der Markt biete keineswegs mehr Fläche und damit Ausdehnungsmöglichkeiten. Cremer und seine Kollegen befürchten zudem, dass der bebaubare Bereich im Zuge der Masterplan-Umgestaltung wie in der Kölnstraße kleiner werden wird. Auch müsse die Infrastruktur für eine ansprechende Beleuchtung erst noch geschaffen werden.

Fehlende Nachfrage

Cremer spricht sich im Namen seiner Kollegen auch für einen Erhalt der Busspur auf dem Kaiserplatz aus. „Der vorhandene Busverkehr ist enorm wichtig, nicht nur für den Weihnachtsmarkt, sondern für die gesamte Innenstadt.“

Bleibt die Frage nach dem Angebot: Dass der Markt nicht größer sei, liege nicht am fehlenden Platz. Vor dem Rathaus könnten locker noch mehrere Verkaufsstände aufgebaut werden, jedoch fehle es an Anfragen. Weder Dekoartikelverkäufer noch Kunsthandwerker hätten in der Vergangenheit genug verdient. Auch vom Dürener Einzelhandel gebe es kein Interesse, betont Cremer.

„Statt wiederholt über den ach so schlechten Dürener Weihnachtsmarkt zu schimpfen, sollte man diesen mit eigenen Verbesserungsvorschlägen unterstützen.“ Allerdings sorgt eine Eisbahn aus seiner Sicht auch nicht automatisch für einen belebteren, florierenden Markt.

(ja)
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