Carmen Thomas stellt in Düren ihr neues Buch "Zauber des Zufalls" voe

Moderatorin Carmen Thomas zu Gast in Düren : Vom kreativen Umgang mit dem Zufall

„Einladung zum Mitmachen” lautet die Aufforderung des Untertitels, den die bekannte Moderatorin und Autorin Carmen Thomas auf dem Cover ihres Buches über den „Zauber des Zufalls” hat anbringen lassen. In der Stadtbücherei las sie nicht etwa, sondern berichtete daraus unter Zuhilfenahme verschiedenster Moderationstechniken.

Wie jetzt also? Mitmachen beim Zufall? Der Zufall ist doch nicht planbar. Sonst wäre es ja wohl keiner. „Es geht darum, kreativer mit sich und seinem Leben umzugehen und sich Impulse zu holen, die man dann auch zulässt“, erklärte Carmen Thomas ihren Ansatz.

Sie hätte in Situationen, die entscheidend waren für ihr Leben und in denen sie nicht ganz sicher war, welchen Weg sie einschlagen solle, den Zufall in ihr Leben geladen. Bevor die durch „Hallo Ü-Wagen“ und andere WDR-Formate bekannt gewordene Moderatorin sich entschloss, eine Moderationsakademie zu gründen, hatte sie diese Idee aufgrund bürokratischer Hindernisse eigentlich bereits ad acta gelegt. 

Allerdings entschloss sie sich dann, noch einmal das „Radio-Orakel“ zu befragen, ob das so richtig sei. Das Radio-Orakel funktioniere folgendermaßen: Man lege sich eine Frage zurecht und stelle plötzlich das Radio ein. Der dann geäußerte Satz könnte den Weg weisen zu einer neuen Erkenntnis. Was Carmen Thomas an diesem Abend und mit der Frage im Hinterkopf, ob es richtig sei, den Gedanken an die Moderationsakademie aufzugeben, aus ihrem Radio hörte, sei der Satz gewesen: „Wer eine Idee hat, muss unbedingt eine Akademie gründen“ – ein Zitat des Aufklärers Gottfried Wilhelm Leibniz, das in einer Dokumentation über den Philosophen gefallen sei. Natürlich gründete sie ihre Akademie dann doch und bereute es nie.

Sympathisch und mitreißend berichtete Carmen Thomas über glückliche, unglückliche und gesuchte Zufälle aus ihrem Leben. Der gesuchte Zufall ließe sich einladen. Wenn man in einer Sackgasse stecke wäre das, so Thomas, ein guter Anlass, über verschiedene Techniken einen Wechsel der Perspektive zuzulassen. Zum Beispiel mit einer modernen Art des Bibelstechens. Im Mittelalter habe man wichtige Fragestellungen im eigenen Leben damit beantwortet, dass man unvermittelt eine Bibelstelle aufgeschlagen und mit einem Messer und verbundenen Augen eine Stelle angepiekst habe. Was dort zu lesen gewesen sei, hätte dann als Impuls zur Antwortfindung gedient.

Carmen Thomas mag es weniger martialisch. Sie nimmt sich Fremdwerke anderer Autoren, schlägt sie auf und klebt mit geschlossenen Augen einen Zettel an eine zufällige Stelle. Wie damals, als sie das Buch über den Zufall schrieb und sich fragte, ob sie denn nun wirklich zu der bereits mehr als ausreichenden Lese- und Zitatenliste auch noch die von Freunden empfohlene Freudlektüre hinzufügen solle. Unglaublich aber wahr: Sie zückte ein Buch von Leon de Winter und stieß mit der beschriebenen Technik auf folgenden Satz: „ Freud war sehr bescheiden. Lies seine Worte selbst.“ Wie konnte sie diesen Hinweis des Zufalls unbeachtet lassen? Dankbar nahm sie Freuds Gedanken, dass der Zufall wie ein ausgetrockneter Fluss sei, durch den man nie gehen könne, ohne Angst zu haben, dass das Wasser zurückkäme, in ihr Buch auf.

Sie schlussfolgerte aus der Metapher, dass die Menschen Angst hätten, dass Unplanbare Flüche und Böses in ihr Leben bringen würde. Und das ist auch ihre Theorie: Der Zufall sei ein Tabu. Sie habe den Eindruck, dass die westliche Welt von einer Mauer von Rationalität umgeben sei. Der Zufall reiße Löcher in diese Mauer und davor fürchteten sich die Menschen.

Unsere Kultur urteile immer sofort in richtig und falsch, während orientalische oder fernöstliche Kulturen eher weniger in Gegensätzen dächten. Das bekannte Symbol von Yin und Yang einander umarmender und nie ganz voneinander getrennter Gegensätze, wellenartig und daher immer in Bewegung, sei wichtig, ja lebensverändernd für sie gewesen. Es habe ihr Verhältnis zu anderen Menschen grundlegend verändert. Denn sie bewerte jetzt nicht mehr sofort, sondern suche nach dem Sympathischen, Verbindenden, wenn sie im ersten Moment jemanden wirklich unsympathisch fände.

Und das ist auch die Botschaft von Carmen Thomas: „Umnutzen statt runterputzen“. Summa Summarum: Thomas geht es vor allem darum, Kreativitätstechniken vorzustellen und diese für das eigene Leben nutzbar zu machen. Spielerisch sei ihr Ansatz, nicht magisch oder esoterisch.

Übrigens hat sie ein Zufall nach Düren geführt, wie Bürgermeister Paul Larue (CDU) zu Beginn erklärt hatte: Sein Flugzeug habe eine erhebliche Verspätung gehabt und der einzige freie Platz im Flughafen-Bistro sei der neben Carmen Thomas gewesen. Die beiden kamen ins Gespräch und so wurde die Einladung der Stadt an die beliebte Moderatorin ausgesprochen und mit dem Abend in der Stadtbücherei bereits zum zweiten Male bestätigt.

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