Lendersdorf: Cappella Villa Duria gelingt der große Kraftakt

Lendersdorf: Cappella Villa Duria gelingt der große Kraftakt

Der große Kraftakt ist gelungen: Strahlend schön und leidenschaftlich bewegt brachten Chor und Orchester der Cappella Villa Duria unter der Leitung von Johannes Esser in der Lendersdorfer Kirche St. Michael Bachs h-Moll-Messe zu Gehör. Berührend wirkte die Aufführung durch das sorgsame Herausarbeiten und gegeneinander Absetzen der einzelnen Sätze.

Nikolaus Harnoncourt, der große Dirigent und Bach-Spezialist, muss wohl daran gedacht haben, als er in einem Essay „Musik als Klangrede“ herausarbeitete.

Da war zum einen der festliche, ansonsten nur zum Beispiel beim Gedenken an den Kreuzestod Jesu im „Et crucifixus“ zurückgenommene Grundton der Aufführung. Spannungsreich wurde die Interpretation von Esser und seinen Mitstreitern dadurch, dass diese Momente reduzierten Ausdrucks mit strahlenden Momenten kontrastierten, so zum Beispiel mit der Freude über die Auferstehung im „Et resurrexit“.

Auf dem sorgsam modellierten Unterbau des Orchesterklangs — einer Basis, aus der heraus für einige Takte etwa die Flötistin und andere Instrumentalisten solistisch hervortraten —, schichtete Johannes Esser den sorgsam artikulierenden Chor und die Stimmen der nicht minder mit dramatischem Gespür agierenden Künstler Carla Hussong und Stefanie Patzke (beide: Sopran), Angela Farrensteiner (Alt), Jens Lauterbach (Tenor) und Christian Palm (Bass).

Sehr plastisch und fein abgestuft füllte die Musik auf diese Weise die rund anderthalb Stunden in St. Michael. Die Lebendigkeit im Ausdruck — eine Eigenart, die durch die gute Akustik des Lendersdorfer Gotteshauses noch mehr nach vorne getragen wurde — gab der Interpretation etwas ungekünstelt Heutiges, wenngleich dieser Ansatz ganz im Dienst einer dem barocken Original verpflichteten Bach-Auffassung stand.

(ch)
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