Wenn plötzlich ein Feuer ausbricht: Busfahrer trainieren für den Ernstfall

Wenn plötzlich ein Feuer ausbricht : Busfahrer trainieren für den Ernstfall

„Es brennt“, schreit ein Fahrgast aus den hinteren Reihen. Innerhalb weniger Sekunden ist der Reisebus voller Qualm. Die Sicht wird immer schlechter. Panik bricht aus.

Kommt es zu einem solchen Busbrand, muss der Fahrer Ruhe bewahren und genau wissen, wie er das Fahrzeug richtig evakuiert.

„Ein brennender Bus ist der Albtraum eines jeden Busfahrers. Er trägt die Verantwortung für seine Gäste und muss in Notsituationen richtig und schnell handeln“, sagte Stefan Wessel, Inhaber der gleichnamigen Fahrschule im Kreis Düren. „Kraftfahrer müssen alle fünf Jahre insgesamt 35 Stunden Fortbildung nachweisen können“, berichtete er. Gemeinsam mit Stefan Treuling hat er jetzt neun Kraftfahrer des regionalen Busunternehmens Schumacher geschult – und dabei auch einen Busbrand simuliert.

Eine Nebelmaschine sorgte dafür, dass die Sichtverhältnisse innerhalb des Busses immer schlechter wurden. Während einer der an der Fortbildung teilnehmenden Fahrer die anderen geordnet aus dem Fahrzeug leiten sollte, verbreiteten diese Panik und riefen immer wieder nach Hilfe. Schlussendlich konnten aber alle den Bus sicher verlassen.

Im Falle eines solchen Brandes muss ein Busfahrer immer den Überblick behalten. „Vor allem wenn Kinder oder ältere Menschen im Bus in Hektik geraten, stürzen oder zwischen den Sitzen vergessen werden, ist das das Schlimmste, was passieren kann“, sagte Treuling. Wichtig sei es auch, schnelle Entscheidungen zu treffen – welche Tür wird geöffnet, wer verlässt zuerst den Bus? Zu Beginn einer längeren Reise sollte ein Fahrer seine Fahrgäste auf die Sicherheitsmaßnahmen, wie Nothämmer und –öffnungen von Türen, hinweisen.

„Wichtig ist, dass die Fahrer alle technischen Details kennen“, sagte Wessel. In kritischen Situationen würden viele Fahrer oft nicht wissen, was zu tun sei. Vor allem wenn eine immense Panik im Bus ausbreche. Dann bedarf es eines guten Plans.

Eine solche Situation bekamen die neun Teilnehmer nun an diesem Tag zu spüren. Nachdem sie sich gegenseitig aus dem Bus evakuiert hatten, mussten sie zum Schluss noch ein Feuer löschen. „Wir legen viel Wert auf eine gute Fort- und Weiterbildung, und die ist auch sehr wichtig. Nicht nur für uns und unsere Fahrer, sondern vor allem auch für die Fahrgäste“, sagte Frank Schumacher, Leiter des Reisebüros und des Omnibusbetriebs Schumacher.

Alle Kraftfahrer im Güter- und Personenverkehr müssen sich regelmäßig weiterbilden, um ihre Genehmigung zu behalten. Eines von insgesamt fünf Modulen dieser Fortbildungen ist der Bereich „Sicherheit“. Hier lernen Fahrer in Theorie und Praxis, wie sie sich in Notfällen verhalten müssen - unter anderem auch in besagten Brandsituationen.

Geregelt ist diese Vorschrift im Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz. Dieses Gesetz gilt aber nicht nur für Deutschland, sondern für die gesamte Europäische Union. Ziel ist die Verbesserung der Sicherheit im Straßenverkehr und ein gemeinsamer Bildungs- und Ausbildungsstand innerhalb der EU.

Die obligatorischen 35 Weiterbildungsstunden werden auf dem Führerschein dokumentiert, der deswegen auch alle fünf Jahre erneuert wird – und es wird streng kontrolliert. Die dafür zuständige Behörde ist das Bundesamt für Güterverkehr.