Vettweiß: Bundesvorsitzende der Tierschutzpartei wohnt jetzt in Vettweiß

Vettweiß: Bundesvorsitzende der Tierschutzpartei wohnt jetzt in Vettweiß

„Langfristig arbeiten wir stark auf die Kommunalwahl 2020 hin. Wir wollen so viele Leute wie möglich in die Stadträte bekommen und uns flächendeckend aufstellen.“ So lautet das Ziel von Sandra Lück und der Tierschutzpartei, in der sie sowohl Bundes- als auch NRW-Landesverbandsvorsitzende ist.

Die 43-Jährige und ihr Partner Reiner Bent, der auch in der Partei aktiv ist, sind Anfang März nach Vettweiß gezogen und möchten sich nun auch hier in der Region für Tier- und Menschenrechte zusammen stark machen.

Im Moment habe die Partei „Mensch Umwelt Tierschutz“, wie sie offiziell heißt, 1600 Mitglieder und wachse stetig, sagt Lück. Sie und ihre Mitstreiter möchten über Regionalgruppen politische Wirkung aufbauen. Noch diesen Monat wollen sie den Kreis Köln-Bonn mit Regionalgruppen und Stammtischen ausbauen, anschließend rückt der Rhein-Erft-Kreis in den Fokus „und damit werden wir auch Richtung Düren ziehen“.

Lück: „Wir sitzen noch in keinem Parlament — einmischen ist deshalb schwierig, aber zumindest äußern können wir uns.“ Und wozu konkret? „Unser Hauptziel ist, die Tierrechte im Grundgesetz zu etablieren.“ Darüber hinaus geht es ihr um eine soziale Politik, um nachhaltigen Konsum, um eine Entwicklung hin zur Bio-veganen Landwirtschaft. „Unsere Partei sieht sich als Stimme der Stimmlosen — egal ob Mensch oder Tier.“

Bei der Bundestagswahl erhielt die Tierschutzpartei 0,8 Prozent der Wählerstimmen (374 179). „Damit sind wir zufrieden. Wir sind drittstärkste Kraft unter den sonstigen Parteien“, sagt Lück. Bei der vorangegangenen Wahl war das Ergebnis 0,3 Prozent. „Wir sehen da eine Entwicklung“, sagt Lück. „Der Wählerwille ist deutlich.“ Einen Stimmenzuwachs spüren die Tierschützer besonders bei den jungen Wählern. Sie sind stolz auf ihren Altersdurchschnitt von 43 Jahren — rund 17 Jahre weniger als der Durchschnitt der Mitglieder bei CDU und SPD.

Jede Wahl ist für die nicht etablierte Partei ein Kraftakt. Um überhaupt antreten zu dürfen, müssen Unterstützungsunterschriften gesammelt werden. In NRW sind es für Landtags- oder Bundestagswahl 2000. Wie groß diese Hürde ist, wird an Sandra Lücks Wortwahl deutlich: Sie spricht von einer „Mammutaufgabe“, von einer „Mörderkatastrophe“, von „Schweinearbeit“. Sie scheuen den Aufwand aber nicht und haben sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 in allen Bundesländern vertreten zu sein.

Dass Lück die politischen Geschicke der Tierschützer nun von Vettweiß aus leitet, war eher Zufall. Die Büroangestellte und der Dachdecker suchten in ganz NRW eine passende Bleibe im ländlichen Raum, die Platz für sie, die vier Hunde und zwölf Katzen bietet. Regelmäßig nehmen die Veganer Pflegetiere auf, schließlich haben sie neben der Partei auch ihren Tierschutzverein „Human Animal Rights“ mit nach Vettweiß gebracht. Dort und in der Region sehen sie in Sachen Tier- und Menschenrechte noch viel Luft nach oben. „Wir haben noch nichts gefunden, was auch nur annähernd an das anschließt, was wir uns wünschen.“

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