Langerwehe: Bürgermeisterwahl: Zwei Bewerber mit großen Schnittmengen

Langerwehe: Bürgermeisterwahl: Zwei Bewerber mit großen Schnittmengen

Eine Bürgermeisterwahl ist natürlich immer eine spannende Sache. In Langerwehe bekommt der Urnengang in diesem Jahr eine zusätzliche Bedeutung, denn die Bürgermeisterstimme ist beim Patt im Rat das Zünglein an der Waage. SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP haben gemeinsam genau so viele Stimmen wie die CDU.

Entsprechend groß war das Interesse der Langerweher Bürger am Forum von „Dürener Zeitung“ und „Dürener Nachrichten“. Amtsinhaber Heinrich Göbbels (CDU, 56) und Herausforderer Uwe Endrigkeit (SPD, 52) stellten sich im vollen Pierer Bürgerhaus den Fragen der Moderatoren Sandra Kinkel und Jörg Abels. „Mit bestem Wissen und Gewissen“ — diese Floskel fand bei der Diskussion um den Erhalt der Fußgängerbrücke an der Heinz-Emonds-Straße mehrfach Anwendung. Die wäre ohne den Einsatz einiger Bürger längst abgerissen. „Wir haben die Entscheidung zum Abriss auf Basis der Unterlagen gefällt“, erklärte Endrigkeit. Göbbels sprach von einem „transparenten Verfahren“, der Rat sei am Ende „nicht eingeknickt“. Immerhin, beide wollen ihre Lehren daraus gezogen haben, dass die Menschen bisweilen anders entscheiden, als die gewählten Vertreter. „Bürger in Entscheidungen einzubinden, hat oberste Priorität“, stellte Endrigkeit in Aussicht. Der SPD-Fraktionschef brachte gar ins Gespräch, durch bürgerschaftliches Engagement eine Entlastung des defizitären Haushalts zu erreichen. „Wenn wir die Bürger aktivieren, könnten Aufgaben umverteilt werden.“ Zwar will der Sozialdemokrat im Fall seiner Wahl an der effektiveren Auslastung der Kulturstätten arbeiten, stellte aber klar: „Das Töpfereimuseum steht nicht zur Diskussion.“

Einzig beim Punkt Finanzen traten in der sachlichen und respektvollen Diskussion fundamentale Unterschiede zwischen den Kandidaten zutage. Endrigkeit („Der Haushalt 2015 war für uns intransparent“) kündigte Steuererhöhungen an: „Die Grundsteuer wird eine moderate Erhöhung erfahren müssen.“ Diese sei mit einem Hebesatz von jeweils 413 Prozentpunkten für die Grundsteuer A und B in der Tat „sehr günstig“, räumte Göbbels ein. Aber eine Erhöhung sei dennoch „kontraproduktiv“.

Langerwehe sei die Gemeinde im Kreis mit dem größten Wachstum und liege auch im Grundstücksmarktbericht an erster Stelle. Entwicklungen, die laut Göbbels‘ Argumentation nicht unwesentlich auf die attraktive Gebührensituation zurückzuführen seien. Göbbels sieht das aktuelle Defizit von 4,192 Millionen Euro im „absolut ehrlichen Haushalt“ nur als Zwischenwert. Nach Prüfung der Jahresabschlüsse 2013 und 2014 werde die finanzielle Lage wieder besser aussehen. „Alle Steuerschätzungen sprechen dafür“, erklärte der Bürgermeister.

Apropos Finanzen: Dem geplanten interkommunalen Gewerbegebiet an der Autobahnauffahrt Luchem messen beide Politiker immense Bedeutung bei. „Das ist eine historische Chance, mehr Infrastruktur in den Ort zu bekommen und Steuereinnahmen zu generieren“, ordnete Endrigkeit das Projekt im obersten Regalfach ein. Das Vorhaben, so zeigte der Abend, ist allerdings mit vielen Fragezeichen versehen. Vor 2017 werde es nicht losgehen, bremste Göbbels, und selbst das hinge davon ab, wie der Grundstückserwerb voranschreitet. Und dann wäre da ja noch die Variable Stadt Düren.

„Bei den Vorgesprächen mit der Bezirksregierung war die klare Aussage: Die Gemeinde Langerwehe hat ihre Hausaufgaben gemacht, die Stadt Düren nicht“, berichtete Göbbels, der eine Botschaft in Richtung Kreisstadt sandte: „Wir sind alles andere als der Junior-Partner und haben ganz klar das Sagen.“ Zur Erinnerung: Rund 87 Prozent der geplanten Gewerbefläche liegen auf Langerweher Gebiet.

Ansprechpartner seien im Übrigen nicht die Dürener Ampel-Plus-Koalition, sondern Bürgermeister Paul Larue und Baudezernent Paul Zündorf, unterstrich Göbbels. Es bedarf keiner Glaskugel für die Vorhersage, dass dieses Projekt noch einige Hürden zu nehmen hat. Endrigkeit meldete Bedenken an, ob sich die Dürener mit der Rolle des kleinen Partners zufrieden geben werden. „Ich bezweifle, dass Larue und Zündorf das so sehen. Da muss eine klare Aussage kommen“, forderte er.

Bei vielen anderen Themenfeldern fanden sich große Schnittmengen zwischen den Bewerbern. Sei es bei den Parkplätzen auf der Langerweher Hauptstraße (Göbbels: „Keine Generallösung“/Endrigkeit: „Schwierig“), bei der Bekämpfung des Leerstandes oder der Versorgung und Nahverkehrsabbindung der kleineren Höhenorte — eine Überraschung zauberte kein Kandidat aus dem Hut. Dass Langerwehe keine existenziellen Sorgen hat, wurde dann in den Schlussworten deutlich. „Ich sehe gute Chancen, dass wir den Weg positiv fortsetzen und eine gute Perspektive haben, eine Mini-Me-tropole zwischen Köln und Aachen zu werden“, formulierte Endrigkeit. Göbbels wurde noch überschwänglicher: „Ich bin sicher, dass wir eine prosperierende Zukunft vor uns haben.“

Wer diese als Bürgermeister gestaltet, darüber entscheiden am 13. September die Langerweher Bürger.

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