Aachen/Birkesdorf: Brutaler Mord an Dürenerin: Angeklagte lebenslänglich hinter Gitter?

Aachen/Birkesdorf: Brutaler Mord an Dürenerin: Angeklagte lebenslänglich hinter Gitter?

Lebenslange Haft wegen Mordes an einer 77-jährigen Dürenerin forderte am Mittwoch Oberstaatsanwalt Wilhelm Muckel in seinem Plädoyer vor dem Aachener Schwurgericht für die zwei Angeklagten. Sie beide hätten im Jahr 2006 die Ehefrau eines Geschäftsmannes in ihrem Haus in Birkesdorf nach einem Raubüberfall des Morgens gefesselt und geknebelt zurückgelassen.

Der Sohn fand sie mittags tot auf, sie war wegen des Klebebands auf Nase und Mund erstickt. Der Verdacht bestand zudem, dass ihr mit brutaler Gewalt Informationen herausgelockt wurden. Die beiden Angeklagten beteuerten in dem schwierigen Prozess unter Vorsitz von Richter Arno Bormann bis zum Ende, dass sie zwar an dem Raub beteiligt waren, jedoch nichts mit der Tat an der 77-Jährigen zu tun gehabt hätten. Im Gegenteil, weitere Mittäter seien dafür verantwortlich, sie hätten das nicht gebilligt.

Ob die Verteidigungslinie von Marian S. (37) und Tomasz M. (38) hält, wird das Urteil zeigen. Staatsanwalt Muckel jedenfalls hält das Abschieben der Verantwortung auf einen „Mittäterexzess“ für eine Schutzbehauptung, wurde deren beider DNA doch am Tatort aufgefunden. Die Einlassung des Angeklagten S., er sei nur als Fahrer dabei gewesen und habe im Auto gewartet, sei falsch, ebenso die Angaben des zweiten Angeklagten, er habe nur im Obergeschoss die Räume durchsucht.

„Sie beide sind professionelle Kriminelle. Sie haben das geplant und auch durchgeführt“, ist sich der Staatsanwalt sicher. Sie seien davon ausgegangen, in dem Haus einen Tresor vorzufinden. Sie hätten die Eigentümerin gebraucht, um ihn zu knacken. So hätten die Räuber einfach auf die Rückkehr der alten Dame gewartet und sie letztlich getötet. Der Staatsanwalt wertete des als „einen gemeinschaftlichen Mord“ zur Ermöglichung einer weiteren Straftat. Sie beide seien verantwortlich für diesen schweren Raub mit Todesfolge, ansonsten niemand, sagte Muckel.

Das sieht die Verteidigung der Angeklagten selbstverständlich völlig anders. Die DNA von Marian S. sei über die Innenseite seiner Handschuhe an den Tatort gelangt, er habe sie an einen Mittäter verliehen. Warum er dort war? Er habe als Fahrer seinem Freund M. einen Gefallen tun wollen. Sicher sei sein Mandant bereit, für die Beteiligung an dem Raub geradezustehen, doch sei er nicht für den Tod der alten Dame verantwortlich und solle nicht mehr als fünf Jahre Haft bekommen.

Auch für den Mitangeklagten forderte dessen Verteidiger eine milde Strafe. Beide Anwälte beantragten bei einer Verurteilung wegen Mordes, weiter nach einem angeblichen Mittäter mit dem Spitznamen „Slon“ oder „Sloni“ zu suchen. Das Urteil wird am Donnerstag ab 12 Uhr gesprochen.

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