Düren: Brillanter Stoff: Kabarettistin Anka Zink liest aus ihrem neuen Buch

Düren : Brillanter Stoff: Kabarettistin Anka Zink liest aus ihrem neuen Buch

Soziale Netzwerke und mediale Reizüberflutung, Smartphones und vermeintlicher technologischer Fortschritt: Für viele Kabarettisten und Comedians und Buchautoren ist das ein geradezu brillanter Stoff. Den Krähen gleich stürzen sie sich auf jüngste Gewohnheiten, den modernen Zeitgeist. So auch Anka Zink, gefeierte Kabarettistin, die im Berufsförderungswerk Düren gastierte.

Mit dabei hatte sie ihr neuestes Buch „Sexy ist was anderes: Fummeln war früher, heute ist twittern“ — mit unter 200 Seiten ein eher beschauliches Sammelsurium, in dem die studierte Soziologin sich sehr präzise und mit feiner Spürnase durch das technologisches Dickicht unserer heutigen Zeit bewegt.

Vor gut gefüllten Zuschauerreihen spricht sie Klartext: „Das Buch richtet sich an all diejenigen, die nicht hier ganzes Leben bei Facebook publizieren.“

Unerwartete Akzente

Sie beschwert sich über verkomplizierte Gebrauchsanweisungen, bei denen man „aufschlagen und dann wieder zurückschlagen“ müsse, sie stellt fest: „Man knipst um sein Leben. Herum.“ Es sind diese unerwarteten Akzente, die Zink immer wieder hervorzaubert. Der Zuhörer trottet ihr in amüsierter Leichtigkeit hinterher. Der in Bonn geborenen Kabarettistin gelingt es dann oftmals, aus dem Nichts noch eine Pointe draufzusetzen und das Publikum in losgelöstes Gelächter zu versetzen. Einen nicht unerheblichen Beitrag leistet dabei ihre Sprache. Trocken, platt, herkömmlich, volkstümlich, rheinländisch. Das versteht jeder. Anka Zink begegnet ihrem Publikum damit auf Augenhöhe. Inhaltlich geht sie nicht anders vor.

Es sind die Themen und Probleme, die ihrer Zuhörerschaft tagtäglich widerfahren. Teilweise entsteht der Eindruck, sie sänge ein Loblied auf die gute alte Zeit, in der alles besser war. Doch „ich möchte nicht sagen, dass früher alles besser war — heute ist nur einfach vieles anders“, beklagt sie.

Wenig Neues

Gut eine Stunde dauert die Lesung, in der es keine Neu-Offenbarungen gibt. Vieles, was Zink sagt, haben Künstler ihr schon früher vorweg genommen, in langen Programmen durchgekaut — nur am Ende anders ausgedrückt. Dadurch verliert die Veranstaltung zum Schluss hin an Würze, an Spritzigkeit und auch an Gehalt.

(jul)
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