Alexander Graf Lambsdorf: Brexit „ein schwerer Verlust für Europa“

Alexander Graf Lambsdorf : Brexit „ein schwerer Verlust für Europa“

Wichtigster Tagesordnungspunkt beim Europaparteitag der Kreis-FDP war die Nominierung eines Kandidaten für die Europawahl im nächsten Frühjahr.

Dazu hätten die Freien Demokraten keinen besseren Gastredner einladen können als den stellvertretenden Vorsitzenden der FDP-Bundestagsfraktion, Alexander Graf Lambsdorff, der dem Europaparlament über viele Jahre angehörte und zuletzt als Vizepräsident fungierte.

Dieser ging zunächst auf den bevorstehenden Brexit ein, in dessen Folge England zwei Monate vor der Europawahl voraussichtlich die Europäische Union verlassen wird. Er erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass in England genau wie in Holland und Belgien der 11. November nach wie vor als Tag des Waffenstillstandes nach dem Ersten Weltkrieg vor exakt 100 Jahren begangen wird und in diesem Jahr Bundespräsident Walter Steinmeier als einziger Gast der Queen eingeladen ist.

Das Ausscheiden Großbritanniens sieht Lambsdorff als „schweren Verlust für Europa, aber gerade auch für uns Liberale. Großbritannien ist das Mutterland des Liberalismus und war stets ein enger Partner für einen marktwirtschaftlichen Kurs und Handelsliberalisierung in Europa.“ Der Brexit sei die Folge nationaler, unglaubwürdiger Politik in Großbritannien, weshalb er dafür plädierte, Europa nicht den Populisten zu überlassen.

Graf Lambsdorff sieht drei Kernthemen für eine positive Zukunft Europas: Freiheit und Rechtsstaatlichkeit, Wirtschaftswachstum und Umweltschutz sowie Sicherheit und europäische Souveränität. Für ihn ist es auch wichtig, dass junge Leute aus allen Staaten ihre europäischen Nachbarn kennenlernen. Er begrüßt daher die Idee, Erstwählern bei der Europawahl ein Interrail-Ticket zu schenken, mit dem sie vier Wochen lang durch Europa reisen können.

Nach einer Diskussion, in der es neben europäischen auch um lokale Themen ging, verabschiedete sich der Berliner Gast, und die FDP-Mitglieder kamen zur Wahl ihres Europakandidaten. Dabei nominierten sie einstimmig ihren stellvertretenden Kreisvorsitzenden und europapolitischen Sprecher, Patrick L. Schunn.

Der 33 Jahre alte Politikwissenschaftler aus Linnich warb in seiner Rede eindringlich für Europa: „Europa ist für uns in der Region zum Alltag geworden. Mal eben nach Vaals oder Roermond zum Einkaufen oder nach Maastricht zum Studium soll die Selbstverständlichkeit bleiben“, als die seine Generation sie kennengelernt hat.

In der Migrations- und Asylpolitik setzt Schunn ebenfalls auf eine stärkere europäische Zusammenarbeit. „Wir brauchen qualifizierte Einwanderung und müssen den Menschen Schutz bieten, die vor Verfolgung oder Krieg flüchten. Nationale Alleingänge bieten keine Lösung.“ Mit Blick auf die anstehende Europawahl sieht Schunn eine neue Polarisierung. „Die Europawahl wird entschieden zwischen zeitgemäßen Progressiven und Liberalen auf der einen Seite und nationalistischen Isolationisten auf der anderen Seite.“

(kel)