Niederzier: Brainergy-Park: Projekt mit überregionaler Strahlkraft und Exitstrategie

Niederzier : Brainergy-Park: Projekt mit überregionaler Strahlkraft und Exitstrategie

Frank Drewes, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Merscher Höhe, spricht von einem Projekt von überregionaler Strahlkraft und Bedeutung: Die Rede ist vom „Brainergy-Park“, den die Stadt Jülich mit den Gemeinden Niederzier und Titz auf der Merscher Höhe realisieren will.

Ein interkommunales Gewerbegebiet im Jülicher Norden, unweit des FH-Standorts mit einer Gesamtgröße von 52 Hektar, für das Titz und Niederzier auf eigene Flächenentwicklungen verzichten.

Aber die interkommunale Zusammenarbeit allein, die nun auch die Gemeinde Niederzier mit dem endgültigen Beitritt zur Entwicklungsgesellschaft zementiert, ist nicht das Besondere des Projekts. Der innovative Ansatz soll sich in einem fünf bis sieben Hektar großen Kerngebiet des „Brainergy-Parks“ widerspiegeln. Unter Einbindung der FH, des Forschungszentrums Jülich und weiterer Partner aus dem Bereich Energie soll auf der Sonderfläche mit einer vernetzten Struktur der Austausch von Wärme, Kälte und Strom zwischen den einzelnen Gebäuden möglich werden. Auf diesem Weg sollen im Kleinen die notwendigen Technologien für ein Energiemanagement der Zukunft nicht nur simuliert, sondern zur Marktreife geführt werden, gab Drewes bei einer Präsentation im Niederzierer Rathaus Einblick in die Ziele des „Brainergy-Parks“.

Eine Vision, die die drei Kommunen finanziell nicht allein realisieren können. Professor Michael Gramm, Berater der Entwicklungsgesellschaft, kalkuliert allein die Kosten für das Pilotprojekt auf rund 60 Millionen Euro, ein Finanzbedarf, der die Möglichkeiten von Jülich, Titz und Niederzier übersteigt. „Wir brauchen Strukturfondsmittel des Bundes“, betonte Gramm, der bei der Vorstellung in Niederzier diesbezüglich Zuversicht verbreitete. Wenn in die vier Braunkohleregionen in Deutschland ab 2019 von der Bundesregierung mit Blick auf den erforderlichen Strukturwandel eine Milliarde Euro fließen werden, gebe es im Rheinischen Revier kein vergleichbares Projekt in dieser Größenordnung und Vorbereitungsqualität, betonte Gramm. Gleichwohl warte noch viel Detailarbeit auf die Entwicklungsgesellschaft, bis Anfang 2019 der Förderantrag gestellt werden kann.

Allerdings, und das machte Bürgermeister Hermann Heuser (SPD) deutlich, setzte die Entwicklungsgesellschaft nicht alles auf diese eine Karte. Wenn es nicht gelingt, das Kerngebiet als innovative Blaupause der Energiewende zu entwickeln, haben wir eine Exitstrategie“. Will heißen: Dann würden auch diese fünf bis sieben Hektar klassisch vermarktet.

Die Nachfrage nach Gewerbeflächen sei angesichts der optimalen Lage unweit der A44 schon jetzt groß, betonte Drewes. Wöchentlich kämen neue Anfragen aus Jülich, der Region, aber auch aus Aachen und den Ballungsräumen Köln und Düsseldorf. „Daher haben wir im Aufsichtsrat beschlossen, 2019 die ersten Flächen zu entwickeln und zu vermarkten“, erklärte Drewes.

Die Kosten und Erträge teilen sich die Partnerkommunen auf (Jülich 50, Niederzier 27 und Titz 23 Prozent). Die Finanzierung der Entwicklungsgesellschaft soll über Bürgerschaften der Kommunen erfolgen, erklärte Heuser.

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