Borkenkäfer: Nationalpark fällt Fichten zum Schutz des Wirtschaftswaldes

Borkenkäfer im Nationalpark : Bäume fällen zum Schutz der Nutzwälder

Stämme von abgesägten Fichten türmen sich am Rande des Nationalparks Eifel meterhoch und etliche Meter an einem Wirtschaftsweg entlang. Für Autofahrer auf der Landstraße zwischen den Nideggener Ortsteilen Schmidt und Brück sind sie zum Blickfang geworden. Sie warten darauf, abtransportiert zu werden. Ursache für die große Fällaktion ist ein kleines Tier: Der Borkenkäfer.

„Wir haben es mit einem massiven Borkenkäferbefall zu tun“, erklärt Florian Krumpen von der Nationalparkverwaltung. Im Januar 2018 hatte es erhebliche Sturmschäden gegeben und damit für den Borkenkäfer gute Brutmöglichkeiten. „In einem normalen Sommer hätte sich diese Entwicklung wieder verlaufen“, erklärt Krumpen. Aber die anhaltende Hitze und Trockenheit boten ideale Bedingungen für den Borkenkäfer, und die Bäume hatten keine Kraft, um sich mit der Produktion von Harz gegen die Angreifer zu wehren. In der Folge hat sich der Käfer stark ausgebreitet, und entsprechend groß ist nun die Menge an Larven, Puppen und Käfern, die unter der Baumrinde überwintern. Und in diesem Jahr können sie weitere Schäden anrichten.

Nun ist es so, dass der Nationalpark Eifel langfristig gesehen ein Laubwald, vor allem ein Buchenwald sein soll. Und insofern kann der Borkenkäfer dem Nationalpark bei der Waldgestaltung durchaus nützlich sein. Die Natur sorgt von selbst dafür, dass Fichten absterben und Platz für Laubbäume entsteht. So sorgen Borkenkäfer dafür, dass kränkliche Bäume Platz machen für gesunde. Sie ermöglichen es, dass lichtbedürftige Pionier-Arten wie Birken freie Flächen finden und sie sorgen auch dafür, dass Fichten nur dort vorkommen, wo sie dauerhaft große Fitness entwickeln können. Ökologisch gesehen haben Borkenkäfer also eine Daseins-Berechtigung.

Schutzzonen

„Der Nationalpark grenzt aber an wirtschaftlich genutzt Wälder, und deswegen gibt es entsprechende Schutzzonen von 500 Metern“, erklärt Forstexperte Florian Krumpen. Um zu verhindern, dass der Käfer aus den Nationalparkfichten ein paar Meter weiter in den Nutzwald umsiedelt, und dort Schäden anrichtet, müssen also Fichten gefällt werden. Über die genauen Mengen des gefällten Holzes liegen dem Nationalpark noch keine Zahlen vor. Auch an Straßen- und Wegesrändern mussten nach Angaben der Nationalparkverwaltung Fichten gefällt werden, um der Verkehrssicherungspflicht nachzukommen. Tiefer im Nationalpark darf der Käfer dann bei der natürlichen Waldgestaltung hilfreich sein.

Für wirtschaftlich genutzte Wälder ist der Borkenkäferschaden immens, auch im Kreis Düren. Dem Staatsforst und privaten Waldbesitzern entsteht der Schaden aus drei Gründen, wie der Landesbetrieb Wald und Holz erklärt: geminderte Holzqualität, fallende Holzpreise und kompliziertere Wiederbepflanzung. „Es gibt für befallenes Holz generell einen Abschlag von 30 Prozent, bei einem Überangebot fällt das Preisniveau schnell um 50 Prozent, und die Pflanzungen werden teurer und pflegeintensiver“, heißt es erklärend dazu. Befallene Bäume sollten so schnell wie möglich gefällt werden, um die verbliebenen gesunden Bäume zu schützen.

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