Nörvenich: Bombergeschwader „Boelcke”: Wehmütiges Ende einer 27-jährigen Ära

Nörvenich: Bombergeschwader „Boelcke”: Wehmütiges Ende einer 27-jährigen Ära

Um 11.57 Uhr zieht Hauptmann Patrick Belting seinen Tornado in den azurblauen Himmel, verlässt im Überflug die Formation mit den beiden Eurofightern, der Zukunft der Luftwaffe, die wenig später wieder auf dem Fliegerhorst landen. Ein letzter Gruß und die Ära des Tornados in Nörvenich ist zu Ende.

Fast genau 27 Jahre nach seiner ersten Landung auf dem Fliegerhorst im Juli 1983.

Dem 51-jährigen Oberstabsfeldwebel Uwe Persicke wird ein wenig warm ums Herz - und nicht nur ihm. Mit einem Gefühl der Wehmut verfolgen hunderte Geschwaderangehörige und Gäste die symbolische Außerdienststellung des Fliegers, der das Leben tausender Soldaten in den vergangenen Jahrzehnten geprägt hat. Rund 112.000 Tornadoflüge mit knapp 176.000 Flugstunden des Geschwaders sind Geschichte.

In diesem Moment geht es aber nicht nur um das Flugzeug. So schön die Sonderlackierung mit der Aufschrift „End of an Era” auch sei, „es ist nur ein Stück Metall”, erinnerte Kommodore Oberst Ingo Gerhartz auch an die Menschen, die „aus diesem Stück Metall 27 Jahre lang ein komplexes und erfolgreiches Waffensystem gemacht” haben.

Menschen wie Uwe Persicke, die vom ersten Tag an mit dem Tornado in Nörvenich gearbeitet und die zahlreichen Auslandskommandos mitgemacht haben, auf Sardinien, in Goose Bay/Kanada, in Nevada in den USA oder auch in Afghanistan, wo seit 2009 bis zu sechs Boelcke-Tornados Aufklärungsflüge absolvieren.

Uwe Persicke hat als Art „TÜV-Prüfer” all diese Höhepunkte miterlebt, aber auch die wenigen Tiefpunkte in der Nörvenicher Tornadogeschichte. Sechs Soldaten des Geschwaders verloren bei drei Abstürzen 1984, 1986 und im Jahr 2000 ihr Leben.

Seitdem ist der Verband nahezu unfallfrei, klopft Oberst Gerhartz auf Holz. „Den Abschied mitzuerleben tut schon ein wenig weh”, macht Persicke aus seinem Herzen keine Mördergrube.

„So richtig realisieren aber kann ich das wohl alles erst, wenn ich in wenigen Wochen in Pension gehe und zurückblicke”, erzählt der 51-Jährige noch, verbunden mit der Hoffnung, dass die Arbeit mit dem Eurofigher für seine Nachfolger ähnlich integrationsstiftend wird, wie es die mit dem Tornado war. Der „Oberstaber” erzählt von großer Kameradschaft und Kollegialität.

Während Pilot Patrick Belting (l.) mit seinem Waffensystemoffizier Andreas Haake symbolisch mit dem letzten Boelcke-Tornado den Fliegerhorst verließen, nannte Generalleutnant Peter Schelzig noch einige Eckdaten.

Von den insgesamt weltweit 977 verkauften Tornados wurden seit April 1980 insgesamt 359 Maschinen an die Bundeswehr ausgeliefert.

Zurzeit sind noch 149 Tornados bei der Luftwaffe im Einsatz, nach derzeitigen Planungen soll die Zahl in den kommenden Monaten noch auf 85 reduziert werden.

Die aktuellen Planungen sehen darüber hinaus den Kauf von 177 Eurofightern vor. 35 sind - vorbehaltlich anderer politischer Weichenstellungen - für das Boelcke-Geschwader in Nörvenich vorgesehen. Ende 2013/Anfang 2014 sollen die letzten Maschinen an das Jagdbombergeschwader übergeben werden.

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