Kreis Düren: Bombe in Kreuzau: Entschärft, aber noch lange nicht geborgen

Kreis Düren: Bombe in Kreuzau: Entschärft, aber noch lange nicht geborgen

Die Entschärfung der englischen Zehn-Zentner-Bombe stellte den Kampfmittelräumer am Montagabend in Kreuzau vor keine größeren Probleme. Die Bergung ist jedoch eine Herausforderung, weil der Einsatz eines Kranwagens nicht möglich ist. Und so blieb der entschärfte Blindgänger am Dienstag unter Sand im Hang des Privatgrundstücks an der Straße „Niederdrove“ liegen.

Die Verwaltung sucht derzeit nach einer Möglichkeit, die Bombe aus dem unwegsamen Gelände zu bergen.

Durchsagen und Pendelbus

In der Kreuzauer Festhalle hatten die rund 100 Einwohner, die nicht zu Freunden oder Verwandten gegangen waren, rund vier Stunden auf die Heimkehr warten müssen. Beispielsweise der 94-jährige Walter Löwenkamp. Der Senior war über die Lautsprecherdurchsagen von Polizei und Feuerwehr auf den Bombenfund aufmerksam geworden und mit dem Pendelbus zur Festhalle gefahren. Alexander Dörsch hatte über „Whats App“ von der Situation erfahren. Freunde hatten den Kurznachrichtendienst genutzt, um die Information über Bombenfund und Evakuierung weiterzuleiten. Kurz vor 23 Uhr machten sich die Evakuierten auf den Heimweg.

Am Dienstagmorgen trafen sich im Rathaus die Mitglieder der Einsatzleitung zu einer Manöverkritik, schließlich hat es in Kreuzau seit mindestens 50 Jahren keinen Bombenfund mit diesen Auswirkungen gegeben. Bürgermeister Ingo Eßer nutzte den Tag auch, um mit den evakuierten Bürgern zu sprechen. Vereinzelt war Kritik geübt worden, dass es in der Festhalle nur kalte Getränke gegeben habe, keine warmen Getränke oder Essen.

Eßer: „Wir halten unsere Maßnahme angesichts des Ziels, den Menschen noch am Montagabend eine Rückkehr in ihre Häuser und Wohnungen zu ermöglichen, für sachlich richtig. Wir können auch nicht einen Caterer kommen lassen, der für 850 potenziell Betroffene Essen zur Verfügung stellt und es kommen dann nur 100 Personen in die Festhalle.“

Immer wieder werden in der Region Blindgänger entdeckt, 26 Bomben waren es im Kreis Düren im vergangenen Jahr. „Die Kampfmittelbeseitigung ist auch 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges eine Mammutaufgabe“, sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger jüngst. Das werde auch in den nächsten Jahrzehnten so bleiben.

Der Umgang mit Blindgängern und anderen explosiven Kriegsrelikten ist klar geregelt. Das Land unterhält einen Kampfmittelbeseitigungsdienst, der die Ordnungsämter bei der „Gefahrenabwehr“ unterstützt. Auf Anforderung der Städte und Gemeinden untersucht, bewertet und räumt er Verdachtsflächen. Zufallsfunde wie die Fliegerbombe in Kreuzau werden von den Ordnungsämtern oder der Polizei direkt der Bezirksregierung gemeldet.

Auf Karten werden potenzielle Gefahrenflächen und bisherige Funde vermerkt. „Die grundstücksscharfe Erstellung von Belastungskarten zur Differenzierung in belastete und unbelastete Grundstücke macht im Kreis Düren keinen Sinn, da der Kreis Düren im Zweiten Weltkrieg unter intensiven Kampfhandlungen litt“, erklärt die Bezirksregierung.

Die Auswertung von Luftbildern und Militärberichten aus dem Zweiten Weltkrieg kann jedoch Erkenntnisse darüber liefern, in welchen Gebieten mit Blindgängern zu rechnen ist. Auf den hochauflösenden Aufnahmen der Alliierten, die zur Kontrolle der Bombenabwürfe gefertigt wurden, sind die Bombenkrater erkennbar. Große Krater zeigen an, dass die Bombe detoniert ist, kleine, dass es sich vermutlich um einen Blindgänger handelt.

Wird auf Flächen, die in ehemaligen Kampfgebieten oder in Bombenabwurfgebieten liegen, ein Bauvorhaben mit Erdarbeiten geplant, wird der Kampfmittelbeseitigungsdienst in die Planungen einbezogen. Eine Überprüfung erfolgt nur, wenn das Ordnungsamt dies als erforderlich betrachtet. Die Kosten übernimmt der Staat. Im Kreuzauer Fall muss die Gemeinde die Kosten der Bergung tragen.

Der Umgang mit den Altlasten des Zweiten Weltkriegs ist in der Gemeinde Hürtgenwald, die während des Zweiten Weltkriegs monatelang Kampfgebiet und Bombenabwurfgebiet war, beinahe Alltag. „Bei jeder Baumaßnahme und jedem Neubaugebiet werden die Flächen untersucht“, sagt Bürgermeister Axel Buch. Nach dem Krieg sei das Gemeindegebiet zwar „oberflächlich“ auf Blindgänger und Munition kontrolliert worden, doch „in die Tiefe reicht nur eine gründliche Sondierung“, erklärt Buch.

Nicht einmal ein Viertel des Gemeindegebietes sei bis dato auf diese Weise untersucht worden. Spaziergängern wird deswegen empfohlen, im Wald und in nicht bebauten Gebieten die Wege nicht zu verlassen.

(sis, sj, smb)