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Bombe in Düren: Krankenhaus Lendersdorf evakuiert

Großeinsatz nach Weltkriegsfund : Krankenhaus-Evakuierung geglückt, Bombe entschärft

Weil am Donnerstag in Düren eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkriegs entschärft wurde, sind im Stadtteil Lendersdorf das Krankenhaus und die Nachbarschaft zeitweise evakuiert worden. Ein Großeinsatz, der alle Beteiligten stark forderte.

Für Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei war es kein alltäglicher Einsatz: Weil im Zuge der Bauarbeiten an der Renkerstraße in Lendersdorf am Mittwochnachmittag eine Fünf-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden war, mussten am Donnerstag nicht nur 290 Menschen aus Dürens drittgrößtem Stadtteil mit knapp 3700 Einwohner ihre Häuser und Wohnungen verlassen.

Auch Teile des St.-Augustinus-Krankenhauses und des gegenüberliegenden Industriegebietes mit rund zehn Firmen, unter anderem Chemieunternehmen, wurden in den frühen Morgenstunden evakuiert. Darüber hinaus waren die Straßen rund um die Renkerstraße ab 8 Uhr gesperrt. Auch die Strecke der Rurtabahn zwischen Kreuzau und Düren war zeitweise gesperrt.

Gegen 16.55 Uhr konnte die Bombe von Experten des Kampfmittelräumdienstes entschärft werden. Insgesamt waren rund 180 Rettungskräfte im Einsatz.

Bereits am späten Dienstagnachmittag war Renardo Schiffer, Geschäftsführer des Lensderdorfer Krankenhauses, darüber informiert worden, dass es einen „Treffer bei der Umgebungssichtung“, wie Fachleute es nennen, gegeben hat. „Anfangs war nicht klar, dass es sich wirklich um eine Bombe handelt. Trotzdem haben wir sofort unseren Notfallplan zur Hand genommen und uns zum ersten Mal zusammengesetzt.“

Als feststand, dass es sich bei dem „Treffer“ wirklich um einen Weltkriegs-Sprengsatz handel, hat sich der Krankenhaus-Krisenstab, zu dem unter anderem alle Chef- und Oberärzte gehören, zum ersten Mal mit Vertretern von Feuerwehr und Rettungsdienst getroffen. Auch für das betroffene Industriegebiet wurde ein Krisenstab eingerichtet.

Renardo Schiffer: „Wir mussten alle Stationen evakuieren, außer der Intensivstation und der Stroke-Unit, auf der Patienten mit einem Schlaganfall behandelt werden.“ Diese beiden Spezial-Stationen liegen hinter dem großen Bettenhaus der Klinik und wären im Falle einer Detonation ausreichend geschützt gewesen.

Auch die Menschen, die derzeit im stationären Hospiz in Lendersdorf betreut werden, konnten innerhalb des Augustinus-Hospitals verlegt werden. „Etwa 100 Patienten, die ohnehin gestern entlassen werden sollten, haben bereits am Mittwoch das Krankenhaus verlassen. Mögliche Abschlussuntersuchungen werden ambulant durchgeführt.“

Gleichwohl mussten immerhin noch 41 Menschen ins Krankanhaus Düren und das St.-Marienhospital in Birkesdorf verlegt werden. Schiffer: „Die Zusammenarbeit mit den anderen Häusern hat hervorragend funktioniert. Jeder Patient wurde von einer Krankenschwester oder einem Pfleger begleitet. Auch ein Großteil unserer Ärzte hat in den anderen beiden Häusern mitgearbeitet.“ Nach der Entschärfung der Bombe wurden die Menschen zurück ins Augustinus-Krankenhaus gebracht.

Sprechstunde verlegt

Eine wichtige Sprechstunde, bei der Patienten mit einer implantierten Schmerzpumpe ihre notwendigen Medikamente bekommen sollte, wurde ebenfalls in eine andere Klinik verlegt. „Das war besonders wichtig“, erklärt Renardo Schiffer, „weil die Betroffenen sonst an den Feiertagen nicht ausreichend versorgt gewesen wären.“

Vereinzelten Protest gab es von Patienten, deren lange geplante Operation am Donnerstag aufgrund des Bombenfundes abgesagt werden musste. Renardo Schiffer: „Ich verstehe, dass das sehr unangenehm ist, muss aber trotzdem für Verständnis werben. Diese Situation konnte niemand vorhersagen.“

Auch für die betroffenen Industrieunternehmen war die Evakuierung eine große Herausforderung. „Es es ist nicht so einfach, die komplette Produktion herunterzufahren“, sagte Stadtsprecher Helmut Göddertz. „Darüber hinaus musste aber natürlich auch der gesamte Zuliefererbetrieb neu koordiniert werden. Dieser Einsatz war für alle Beteiligten, also Ordnungsamt, Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst kein Routinefall. So viel kann ich sagen.“ In den vergangenen 30 Jahren, ergänzte der Sprecher, habe es keinen vergleichbaren Fall in der Rurstadt gegeben. „Das war wirklich der Ernstfall“, betonte Göddertz.

Trotzdem hat aus Sicht der Feuerwehr alles reibungslos funktioniert. „Das war ein vorbildlicher Einsatz“; sagte auch Marc Heimlich von der Feuerwehr der Stadt Düren. „Die Evakuierung war vorbildlich vorbereitet, alle Kräfte haben Hand in Hand zusammengearbeitet.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Krankenhaus in Düren zeitweise evakuiert

(vpu/akk/dpa)