Nörvenich/Kerpen: „Boelcke”-Geschwader erstmals auf zwei Flugplätzen

Nörvenich/Kerpen: „Boelcke”-Geschwader erstmals auf zwei Flugplätzen

Ein gutes halbes Jahr nach der Entscheidung des Bundesverteidigungsministers, im Zuge der Bundeswehrreform am Fliegerhorst Nörvenich festzuhalten, nimmt die Zukunft des „Boelcke”-Geschwaders Konturen an.

Statt der noch bei der Eurofighter-Einführung im Dezember 2009 anberaumten Zahl von 35 Flugzeugen sollen jetzt maximal 31 in Nörvenich stationiert werden. Das gab der stellvertretende Kommodore, Oberstleutnant Stefan Kleinheyer, beim traditionellen Maiempfang des Geschwaders in Kerpen bekannt. Oberst Andreas Hoppe ist noch bis zum 24. Oktober im Afghanistan-Einsatz und führt dort das Einsatzgeschwader in Mazar-e-Sharif.

51 Piloten sollen nach derzeitigem Planungsstand einmal in Nörvenich ihren Dienst versehen. „Dazu möchte ich erwähnen, dass wir 2012 mit voraussichtlich 18 Eurofightern und 19 Piloten abschließen werden”, betonte Kleinheyer. Nicht zuletzt dank verschiedener Auslandsübungen werden die Piloten bis zum Jahresende mehr als 2000 Flugstunden absolvieren. Das sind mehr als doppelt so viele wie noch im vergangenen Jahr.

Bereits in gut drei Wochen, am 18. Juni, wird der bisher in Kerpen untergebrachte Stab des Geschwaders in das neue Gebäude auf dem Fliegerhorst umziehen. Die Boelcke-Kaserne wird bis 2015 geschlossen. „Über 20 Jahre nach dem Mauerfall beenden wir die für die damalige Zeit unerlässliche infrastrukturelle Dislozierung des Kalten Krieges und rücken endlich wieder enger zusammen”, betonte der Oberstleutnant. „Ich verspreche mir dadurch mehr Effizienz und Effektivität.”

Und die wird angesichts der Herausforderungen, die auf das Geschwader warten, auch benötigt. War der Verband bislang ein Jagdbombergeschwader, so plant die Luftwaffe, alle Eurofightergeschwader in Zukunft mehrrollenfähig auszurichten, dass heißt nicht nur für den Luftkampf, sondern auch für Bodenangriffe.

Dadurch wird sich auch der Name ändern. Künftig wird es Taktisches Luftwaffengeschader 31 „Boelcke” heißen. Die Federführung der Umstellung liegt in Nörvenich, gab Oberstleutnant Kleinheyer bekannt. „Unser Geschwader trägt damit die Verantwortung, solide Grundlagen zu schaffen.”

Und noch eine weitere Aufgabe wartet auf die Soldaten in Nörvenich. Wenn Ende Juni 2013 das Kampfflugzeug Phantom bei der Luftwaffe endgültig in Rente geht, werden die 700 Soldaten des bisherigen Jagdgeschwaders 71 in Wittmund (Nordsee) vorübergehend dem Team „Boelcke” unterstellt.

„Damit wächst unser Geschwader voraussichtlich auf 1600 Soldaten und wird zwei Flugplätze betreiben”, blickte der stellvertretende Kommodore beim Maiempfang schon einmal in die Zukunft. „Das hat es in der Geschichte der Luftwaffe noch nicht gegeben.”

Gleichzeitig übernimmt das Team „Boelcke” zum 1. Juli 2013 den Auftrag, in Wittmund eine NATO-Alarmrotte zur Sicherung des Luftraumes mit Eurofightern rund um die Uhr zur Verfügung zu stellen. Eine Aufgabe, die das Geschwader bereits im März dieses Jahres von Nörvenich aus erfolgreich gemeistert hat.

Bis in Wittmund im Zuge der Eurofighter-Einführung ausreichend ausgebildetes Personal zur Verfügung steht, werden Techniker, aber auch Piloten aus Nörvenich viele Monate ihren Dienst an der Nordsee versehen müssen. „Wir werden größte Anstrengungen unternehmen, die Abwesenheit so planbar und kurz wie möglich zu gestalten”, versprach Oberstleutnant Kleinheyer.

Nach der zweiwöchigen Großübung „Frisian Flag” in den Niederlanden im vergangenen Monat, warten noch zwei große Auslandskommandos auf das „Boelcke”-Team.

Im August übt das Geschwader erstmals mit Eurofightern auf Sardinien, im November folgt die Teilnahme an einer Großübung in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

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