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Versuchter Totschlag: Blutiges Ende einer Familienfehde in Düren

Versuchter Totschlag : Blutiges Ende einer Familienfehde in Düren

Vor dem Aachener Schwurgericht müssen sich seit Montag zwei Brüder aus Düren wegen versuchten Totschlags verantworten. Die Anklagevorwürfe sind das Ergebnis eines Familientreffens.

Dort kam es zu erheblichen Meinungsverschiedenheiten, weil eine Frau – die Schwester der Angeklagten – sich von ihrem Mann getrennt hatte, dessen Familie aber ihre Rückkehr in die Ehe forderte. Der Streit endete mit einem Messerstich in den Bauch des verlassenen Ehemannes. Deswegen müssen sich nun vor der Kammer unter Vorsitz von Richter Roland Klösgen der Autohändler Abdulkadir H. (36) und sein jüngerer Bruder Mehmet H. (24) verantworten. Sie sollen den Ehemann ihrer Schwester schwer im Bauchbereich verletzt haben.

Staatsanwältin Golriez Litterscheid beschrieb bei der Klageverlesung das Treffen am 15. Dezember 2018 in der Wohnung des Angeklagten Mehmet H. als einen gezielten Angriff auf den seit mehr als einem Jahr von der Schwester getrennt lebenden Ehemann Ali B., der beim Prozess als Nebenkläger auftritt. Dessen Ehefrau hatte sich von ihm getrennt und war untergetaucht. Die Familie des Ehemanns war erbost aus dem Ruhrgebiet angereist, um den Druck auf die andere Familie zu erhöhen, sie solle die Schwester zur „Einsicht bringen“ und dazu bewegen, zu ihrem Mann zurückzukehren.

Aus dieser Konstellation, beschrieb am Montag der ältere Bruder die Situation, sei ein handfester Streit entstanden. Über seinen Verteidiger Christian Franz (Eschweiler) ließ der ältere Bruder vortragen, dass die gegnerische Familie zunächst zu einem Gespräch unter vier Augen gebeten hatte. Dem habe man zugestimmt. Doch am 15. Dezember seien plötzlich mehrere Mitglieder der Gegenseite angekommen, trotzdem habe man sie in die Wohnung gebeten und bewirtet. Die Seite des Ehemannes habe sich massiven Vorwürfen und Drohungen ausgesetzt gesehen, erklärte Franz im Namen seines Mandanten. Der habe von seinem Schwager einen kleinen Beistelltisch auf den Kopf bekommen und sich mit einem Faustschlag ins Gesicht des anderen gewehrt. Der sei zurückgewichen, in diesen Tumult habe sich der jüngere Bruder Mehmet eingemischt, der anscheinend ein Messer dabei hatte.

Nach dem Stich in den Bauch verließen die Familienmitglieder der Seite des Ehemannes die Wohnung, der Verletzte wurde vor der Tür behandelt, die Polizei gerufen. Der Angeklagte Abdulkadir bestritt, das Messer geführt zu haben, sein Bruder Mehmet hat sich bislang noch nicht geäußert. Sein Verteidiger kündigte eine Einlassung zu einem späteren Zeitpunkt an. Der Prozess wird am 19. März fortgesetzt.

(Wolfgang Schumacher)