Düren: Bilder im Spiel von Licht und Schatten

Düren: Bilder im Spiel von Licht und Schatten

Eingeweihte verfehlen die Adresse im Dürener Norden nie, da, wo vor Jahrzehnten noch eine Glaserei beheimatet war. Nach 31 Jahren nun muss Robert Ciuraj die Pforten seine Ateliers an der Alten Jülicher Straße im Haus Nummer 159 schließen.

Noch einmal zeigten Sarah Schiffer, Rolf Lock, Elmar Valter und Robert Ciuraj, welche Möglichkeiten die alten Industrieräume kreativen Menschen bieten.

Da muss man draufkommen! Rolf Lock, seiner Profession nach Kalligraf, entdeckte auf dem beschädigten Putz einer Halle, die auch als Unterstellplatz für karnevalistische Fahrzeuge dient, Umrisse, die Inseln im Meer ähneln, eine Haupt- und viele Nebeninseln. Lock sah mit seinen Künstleraugen Konturen eines großen Staates und vieler kleiner Staaten. Die Staaten erhielten fantasievolle Namen, Städte wurden mit Rot eingetragen, Flüsse durchfließen die Landschaft. Damit nicht genug. Der Kalligraf entwarf mit winzigem Pinsel Briefmarken für jedes Volk.

Unweit von Locks Fantasiestaaten stellte Elmar Valter Fotografien aus. Valter war vor einiger Zeit in Namibia und hatte mit der Kamera ein verlassenes Dorf entdeckt, dessen Bewohner zur deutschen Kolonialzeit und auch wenig später noch unter dem Protektorat der Briten Diamanten schürfte.

Diesen Traum machte dann um 1920 ein Fluss, der Erdreich und Diamanten mit sich riss, ein jähes Ende.

Seit Jahrzehnten erobert die Wüste diese Ansiedlung zurück. Innenansichten, Flure, Treppen, ein eisernes Waschbecken erzählen von dem Leben der Menschen vor 100 Jahren. Schilder mit „Stopp“ und mit „Vorsicht Sand“ lassen den Betrachter schmunzeln. Manchmal unwirklich, im Spiel von Licht und Schatten, sprechen die Fotos von einer jetzt friedvollen Welt.

Sarah Schiffer zeigte eine Serie ihrer Scherenschnitte mit alten Buchdeckeln. Meist bunte, kunstvoll gestaltete Buchdeckel aus dem vergangenen Jahrhundert dienen als Hintergründe. Vor diese Rücken klebt die Künstlerin farbige Scherenschnitte, die Figuren meist in tänzerischer Bewegung, als Paar auftretend. „Das ist eine unheimliche Tüftelei“, sagte die Künstlerin, „denn das muss akkurat ausgeschnitten werden, damit man es auch passgenau aufkleben kann.“ Schiffers Rat an den Betrachter: Zeit nehmen, die Bilder in verschiedenen Abständen betrachten, um unterschiedliche Eindrücke zu bekommen.

Knapp 300 Exponate hat Robert Ciuraj für diese letzte Ausstellung im Rahmen von „Wege zur Kunst“ zusammengetragen. Eisen, Amalgam, es gibt nahezu kein Metall, was Ciuraj nicht verwendet. „In Künstlerkreisen heißt das Nouveau Realisme“, erklärte der Aussteller. Übersetzt in Laiensprache: Man kann alles zu einem Kunstwerk machen, was weggeworfen wird. So werden unter den Händen Robert Ciurajs Eisenteile zu Skulpturen, klein geschnittene Gummischläuche zu Reliefs, Fundstücke aus der Natur zu Tierköpfen, teils schon mystisch daherkommend.

Auch für diese Skulpturen ist jetzt alles vorbei. Vielleicht sieht man sie bald an einem anderen Ort, in einem neuen Atelier.