Düren: Betrugsprozess: Zeugen belasten den Angeklagten

Düren: Betrugsprozess: Zeugen belasten den Angeklagten

21 Betrügereien zwischen Mai 2009 und September 2011 wirft die Staatsanwaltschaft einem 55 Jahre alten Mann aus Hattingen vor, der vor dem Dürener Schöffengericht steht.

Immer wieder wird deutlich, dass der Angeklagte, der damals in Jülich wohnte, sich selbst als Opfer sieht. In der Anklage ist von über 100.000 Euro Schaden die Rede.

Am zweiten Prozesstag machten weitere sechs Zeugen ihre Aussagen. Ein 43-jähriger Bekleidungs-Produzent und Textil-Kaufmann sagte aus, dass er 2009 geschäftliche Kontakte mit dem Angeklagten hatte. Der habe sich zwar als Arzt ausgegeben, wollte aber mit seiner Frau und einer vermögenden Freundin in den Verkauf von Textilien einsteigen.

Es habe zunächst mehrere Lieferungen gegeben, aber zusehends habe er als Lieferant den Angeklagten als eher „unseriös“ empfunden. Nach einem halben bis dreiviertel Jahr sei die Geschäftsbeziehung zu Ende gewesen. Seine Firma, die er mit seinem Bruder betreibe, habe noch offene Forderungen in Höhe von 13.800 Euro.

Eine Zeugin, die zwischen Weihnachten 2009 und März 2009 mit dem Angeklagten verlobt war, berichtete von einer Beziehung, in der es oft Streit gab, die auch psychisch belastend gewesen sei. So habe ihr Ex-Verlobter damals mehrere Selbstzmordversuche inszeniert. Das endgültige Aus der Beziehung sei gewesen, als sie als „Hartz IV“-Empfängerin ihren Partner mit mühsam ersparten knapp 2100 Euro aus einem Gefängnis „ausgelöst“ habe. Von dem Geld habe sie bis heute nichts mehr gesehen.

Ein junger Mann aus Jülich hatte dem 55-Jährigen damals über ein Internet-Portal den gebrauchten Pkw seines Vaters samt Papieren überlassen. Von dem vereinbarten Kaufpreis in Höhe von 1200 Euro habe er nichts erhalten. Stattdessen flatterte ein Knöllchen wegen Tempo-Überschreitung ins Haus sowie später die Mitteilung, dass mit dem Auto ein Unfall gebaut worden sei. Dies alles sei dumm gelaufen, räumte der Angeklagte ein und versprach außergerichtlich, den offenen Kaufpreis in drei bis vier Raten zu überweisen.

Ein weiterer Zeuge berichtete, er habe für ein hochwertige Spezial-Messgerät 1500 Euro an den Angeklagten gezahlt, dieses jedoch nie erhalten. Der Prozess unter Vorsitz von Richterin Verena Neft wird fortgesetzt, dann werden weitere Zeugen geladen.

(hp)
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