Düren: Betriebsratswahlen: Mitreden und mitbestimmen

Düren: Betriebsratswahlen: Mitreden und mitbestimmen

Von mangelndem Interesse könne kaum die Rede sein: Weit über 95 Prozent der wahlberechtigten Mitarbeiter von „Z&J Technologies“ haben vor vier Jahren bei den Betriebsratswahlen ihre Stimme abgegeben. „Die Kollegen wissen, welche Rolle unsere Arbeit spielt“, sagt Richard Kaptain, der dem Gremium seit sieben Jahren vorsteht und sich seit 16 Jahren für die Rechte der Arbeitnehmer einsetzt.

Von Anfang März bis Ende Mai werden bundesweit die neuen Betriebsräte gewählt. „Ich kann nur allen Arbeitnehmern empfehlen, von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen“, sagt er.

Richard Kaptain ist seit 16 Jahren Betriebsrat bei „Z & J“.

„Dort, wo die Arbeit der Betriebsräte funktioniert, ist die Wahlbeteiligung hoch“, bilanziert Paul Zimmermann, 1. Bevollmächtigter der Dürener IG Metall. Dies gelte quer durch alle Branchen. Sobald mindestens fünf Angestellte länger als sechs Monate im Unternehmen beschäftigt sind, könne ein Betriebsrat gegründet werden. „Es gibt viele Betriebe, in denen das noch nicht geschehen ist“, sagt Zimmermann. Unwissenheit über die Möglichkeiten spiele eine Rolle, aber beizeiten auch Angst, mutmaßt er. Dabei sei es „gutes Recht der Arbeitnehmer“.

Wer die Betriebsratswahl behindere, mache sich strafbar. Die Wahl und alle Vorbereitungen seien zwar ein sehr förmlicher Vorgang, bei dem es Fallstricke gebe, doch die Gewerkschaften stünden beratend zur Verfügung. „Auf eigene Faust einen Betriebsrat zu gründen ist schon knifflig“, sagt Zimmermann und rät davon ab. Die Arbeit lohne sich aber, findet er. „Ein Betriebsrat hat Rechte, die der einzelne Arbeitnehmer nicht hat. Bei Arbeitszeit, Pausenregelungen und Arbeitssicherheit redet der Betriebsrat mit, er setzt sich zudem für die Arbeitsplatzsicherung ein und kann auch bei individuellen Problemen mitreden.“

„Der Betriebsrat wird von der Belegschaft gewählt, um ihre Interessen gegenüber der Geschäftsführung zu vertreten“, erklärt Richard Kaptain. Mitreden, mitgestalten, mitbestimmen: Je mehr Stimmen es gibt, je höher die Wahlbeteiligung ist, desto stärker sei das Gremium. Das Interesse an „Wohlstand und Wachstum“ eines Unternehmens sei auch ein Interesse des Betriebsrates. Kaptain spricht von „perspektivischer Arbeit“, Paul Zimmermann sagt: „Kaum jemand kennt ein Unternehmen besser als die Angestellten.“ Es sei angesichts der Veränderungen in der Wirtschaftslandschaft immer wichtiger, einen starken Betriebsrat zu haben. Es könne ein gravierender Unterschied sein, ob ein Unternehmen von einer vor Ort lebenden Familie geführt wird oder Teil eines Weltkonzerns ist. Zimmermann: „Manchmal geht es auch darum, der Konzernführung vorzurechnen, warum es nicht billiger ist, die Produktion zu verlagern.“

„Der Ernst hat in den vergangenen Jahren immer mehr zugenommen“, urteilt Richard Kaptain. Betriebsratsarbeit bedeute eine ständige Fortbildung, auch nach Ende der Arbeitszeit. „Die gesetzlichen Regelungen nehmen zu, die Anforderungen an unsere Arbeit steigen“, sagt er. Dies führe aber auch zu einer Professionalisierung der Arbeit. Perspektivisch sei es daher wichtig, rechtzeitig junge Leute in die Betriebsratsarbeit einzubinden, ihnen Aufgaben zu geben und sie für Kandidaturen zu gewinnen. „Das Wissen, das sich die Betriebsratsmitglieder mit der Zeit erarbeitet haben, muss erhalten und an die nächste Generation weitergegeben werden“, betont Richard Kaptain.

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