Vettweiß: Berufskleidung aus Vettweiß ist begehrt: Jetzt soll die Firma vergrößert werden

Vettweiß : Berufskleidung aus Vettweiß ist begehrt: Jetzt soll die Firma vergrößert werden

Wenn Unternehmer Johannes Viethen erzählt, was er beruflich macht, nimmt erfahrungsgemäß das Interesse seines Gegenübers beim Stichwort „Berufsbekleidung“ deutlich ab. Dass in der Alten Molkerei direkt neben dem Vettweißer Rathaus aber nicht Blaumänner vertrieben, sondern Dienstkleidung für die Mitarbeiter hochklassiger Hotels entworfen wird, sei selbst in Vettweiß kaum bekannt, meint der 54-Jährige.

Von der Rompe Design Jobfashion GmbH stammen unter anderem die Reitfracks für die Spanische Hofreitschule in Wien. Zu den Kunden gehören auch das Berliner Hotel Adlon, das Ende Dezember neu eröffnete Steigenberger in München und das neue Dorint-Hotel in Düren, das voraussichtlich im vierten Quartal dieses Jahres seine Türen öffnen wird. Mitarbeiter an der Rezeption, im Service, der Hauswirtschaft oder auch Pagen werden mit einer jeweils individuellen Kollektion ausgestattet.

Johannes Viethen, eingerahmt von den Outfits, die extra für die Mitarbeiter des neuen Dürener Dorint-Hotels entworfen wurden. Foto: wel

Da das Personal in der Hotelbranche häufig den Arbeitgeber wechselt, bietet Viethen seinen Kunden an, die Kleidung zu mieten. So kann bei Bedarf die alte Uniform zurückgegeben und gegen eine in der Größe des neuen Mitarbeiters getauscht werden. Entsprechend groß ist auch das Lager im Vettweißer Firmensitz: Auf zwei Etagen lagert die Kleidung — insgesamt 200.000 bis 300.000 Teile, darunter Blusen, Hemden und Chino-Hosen. Die zurückgegebene Kleidung wird aufgewertet, also repariert und gereinigt, und an Mitarbeiter der selben Kette erneut entliehen.

In der Nähstube entstehen Muster der Entwürfe, produziert wird in Polen, Albanien, Bulgarien und Indien. Foto: Rompe

Ausgelaufene Modelle werden wenn möglich recycelt und ansonsten weggeschmissen. Um das zukünftig zu vermeiden, experimentieren Rompe-Mitarbeiter derzeit mit einem Stoff, der zu 100 Prozent recycelbar ist, da er größtenteils aus Bambus besteht. Viethen: „Das ist der am schnellsten nachwachsende Rohstoff. Bambus wächst sechs bis zwölf Meter im Jahr und ist entsprechend gut verfügbar.“ Das Interesse der Kunden sei groß, da Ökologie eine große Rolle spiele.

„Wir leben davon, neue Ideen zu haben und neue Teile zu machen, die nicht nach Berufsbekleidung aussehen“, sagt der Unternehmer aus Soller — auch mit Blick auf ein Spezialprojekt: Die Powervolleys bekommen ein Ausgeh-Outfit. Die außergewöhnlichen Maße der Bundesligavolleyballer sind jedoch keine Herausforderung. Den weitesten Taillenumfang, für den bei Rompe bisher eine Hose gefertigt wurde, war 158 Zentimeter. Ein Rekord in der 29-jährigen Firmengeschichte.

22 Mitarbeiter

Gründerin war 1989 Viethens Gattin Susanne Rompe. Sie studierte Japanologie und Design, machte in Köln erste Schritte in Richtung Berufsbekleidung, später stieg Viethen als Kaufmann mit ein. Derzeit orientiert sich die 54-Jährige mit einem Studium der Veterinärmedizin beruflich neu, Viethen ist Geschäftsführer und 120 Nächte pro Jahr unterwegs.

22 Mitarbeiter hat das Unternehmen, darunter Designer, Textiltechniker, Produktmanager, Industriekaufleute, Betriebswirte, Näherinnen, Lagerarbeiter und das Management. Zukünftig sollen es mehr werden. Viethen plant, den Betrieb personell und räumlich größer aufzustellen — weiterhin in Vettweiß. Er möchte von der Gemeinde die alte Schule in Müddersheim kaufen. Eine politische Entscheidung darüber steht noch aus, in Stein gemeißelt ist der Standort aber nicht. „Es gab durchaus andere Überlegungen. Wir haben auch ein konkretes Angebot acht Kilometer von hier, aber wir würden lieber in Vettweiß bleiben, wir fühlen uns hier wohl. Es wäre gut, wenn mehr Unternehmen hier blieben“, ist seine Meinung.

Das alte Schulgebäude sei zwar weniger repräsentativ als die Alte Molkerei, biete aber deutlich mehr Wachstumschancen für das Unternehmen. Neben dem geplanten Umzug gibt es aber in diesem Jahr noch ein weiteres Ereignis, das Viethen zuversichtlich auf die nächsten Jahre seines Unternehmens blicken lässt: Im Oktober wird sein 23-jähriger Sohn, der Groß- und Einzelhandel mit betriebswirtschaftlichem Schwerpunkt in Hamburg studiert hat, in das Unternehmen einsteigen. Wessen Idee das war? „Die Motivation kommt von beiden Seiten. Er will, und ich freue mich“, sagt Viethen lächelnd.

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