Düren: Bernd Essler möchte Amtsinhaber Paul Larue ein bisschen ärgern

Düren: Bernd Essler möchte Amtsinhaber Paul Larue ein bisschen ärgern

Bernd Essler ist Realist. Dass seine Chance, nächster Bürgermeister von Düren zu werden, eher theoretischer Natur ist, will der 59-jährige Volljurist nicht verhehlen.

„Es wäre aber schon ein Erfolg, wenn wir Paul Larue am 13. September in die Stichwahl zwingen könnten“, betont der Mitbegründer des AfD-Kreisververbands und Vorsitzende der Stadtratsfraktion, der auf Landes- und Bundesebene auch am finanz- und europa- politischen Profil der euroskeptischen Partei mitarbeitet.

„Wichtig ist mir, den Finger immer wieder in die Wunde zu legen und damit den politischen Gegner zu Aussagen zu zwingen, die er sonst nie treffen würde.“ Und natürlich erhofft sich Essler mit seiner Kandidatur auch einen weiteren Mitgliederzuwachs. Aktuell hat die AfD im Kreis gut 60, in Düren selbst 24 Mitglieder. Er verwahrt sich gegen den rechtspopulistischen Eindruck, der in den Medien immer wieder von der AfD gezeichnet werde. „Es gibt in unserem Parteiprogramm keine rechten Tendenzen.“

Mit den etablierten Parteien und ihren Kandidaten in Düren geht Essler hart ins Gericht: „Paul Larue ist nicht in der Lage, die wichtigen Aufgaben der Stadt zu erledigen und verschleiert Fehler, Liesel Koschorreck fehlt ganz einfach die fachliche Qualifikation“, betont der Jurist nüchtern. Überhaupt sei die Qualität der Lokalpolitiker aus seiner Sicht bescheiden, wie er in einem Jahr Stadtratsarbeit für sich bereits festgestellt hat.

„Den Fraktionen stehen viel zu wenig Leute zur Verfügung, die eine entsprechende Qualifikation haben“, betont Essler, beispielsweise um den Dürener Bauverein im Aufsichtsrat effektiv zu kontrollieren. Hier sei es in der Vergangenheit versäumt worden, die richtigen Weichen für die Wohnungswirtschaft in der Stadt zu stellen. Essler spricht von „Totalversagen“. Selbstverständlichkeiten wie Sanierungen seien bereits als Erfolg tituliert worden.

Auch der von den etablierten Parteien gefeierte Masterplan stößt bei Essler auf Kritik: „Er wird Düren keinen einzigen zusätzlichen Arbeitsplatz bringen“, ist er überzeugt. Weil Stadtplanung und Wirtschaftsförderung seit Jahren vernachlässigt worden seien, sei Düren auf dem besten Weg, sich zur Schlafstadt zu degradieren. Vor allem habe man versäumt, frühzeitig neue Gewerbegebiet auszuweisen. „Selbst wenn jetzt die Planung beginnt, können wir auf Jahre keinen neuen Betrieb mehr ansiedeln.“

Bestätigt sieht er sich in den Aussagen des gerade erst vorgelegten Wirtschaftsstrukturgutachtens. Das belegt, dass die CDU in Düren jahrelang geschlafen hat. Es sei bezeichnend, dass der CDU-Fraktionsvorsitzende in einer ersten Reaktion die Qualität des Gutachtens bezweifelt habe, statt die Fehler zu analysieren. Das wiederum sei in der Dürener Politik üblich. „Fehler werden nicht bei sich selbst, sondern immer nur bei anderen gesucht.“ Das aktuelle Verhalten der SPD in der Aufarbeitung des Stadthallen-Fiaskos sei dafür ein weiteres Beispiel.

Die größten Herausforderungen für Düren sieht Bernd Essler in der Schaffung neuer Arbeitsplätze. Auch in Kooperation mit Nachbarkommunen müssten so schnell wie möglich große Gewerbeflächen zur Verfügung gestellt werden. Auch die Integration der Flüchtlinge, die dauerhaft in Düren bleiben wollen, sei enorm wichtig. „Dafür benötigt es aber eine andere Willkommenskultur.“ Und auch die Verwaltung müsse effizienter werden, Personal insbesondere in der Stadtplanung und der Wirtschaftsförderung aufgestockt werden. „Hier hätten wir investieren sollen, nicht in den Rückkauf von Stadtwerke-Anteilen.“

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