Düren: Benefizkonzert: Ausbildungsmusikkorps gastiert im Haus der Stadt

Düren: Benefizkonzert: Ausbildungsmusikkorps gastiert im Haus der Stadt

Kein Konzert ohne Märsche. Das war auch beim Benefizkonzert des Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr im Haus der Stadt so. Kaum verwunderlich, gehört doch die Pflege der Marschmusik zur Aufgabe des Korps unter Leitung von Oberstleutnant Michael Euler.

Doch was die 70 Musikstudenten in Uniform am Samstagabend auf die Bühne zauberten, war eine furiose und unerwartete Mischung, die von der ersten Minute begeisterte und das Publikum mitriss.

Die jungen Musiker spannten einen weiten musikalischen Bogen von der traditionellen Marschmusik über Bearbeitungen großer klassischer Kompositionen bis hin zu sinfonischen Dichtungen. Die starke Truppe geizte auch nicht mit Show-Elementen und Überraschungen. Nur wenige Zuschauer dürften beispielsweise vermutet haben, bei Thomas Dross‘ Komposition „Outback“ von vier Feldwebeln mit Didgeridoo, dem traditionellen Musikinstrument der nordaustralischen Aborigines, musikalisch in die Zange genommen zu werden, während über ihren Köpfen Schwirrhölzer kreisten.

Auch, wenn es an anderer Stelle schon einmal an Ersatzteilen für Panzer und Helikopter fehlt: Die angehenden Militärmusiker waren ohne Kompromisse voll einsatzfähig. Vier Jahre dauert die Ausbildung der angehenden Musikfeldwebel, die an der zivilen Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf studieren. Diese besondere Kooperation besteht schon seit über 40 Jahren. Konzerte wie das in Düren gehören zur Ausbildung und bereiten die Musiker auf ihre Prüfung vor. Nach der Prüfung werden die Soldaten, die sich für zwölf Jahre verpflichtet haben, für den weiteren Dienst auf die 13 bundesweit stationierten Musikkorps und die Big Band des Militärmusikdienstes verteilt.

Hommage an Robert Schumann

Mit einer Hommage an Robert Schumann, dessen Rheinische Sinfonie klar durchschimmerte, eröffneten die Musikstudenten in Uniform den Abend in Düren. Komponiert wurde die Fanfare von Robert Kuckertz, dem ehemaligen Leiter des Ausbildungskorps. Guiseppe Verdis Ouvertüre zu Nabucco war ein gekonnter Wechsel ins Opernfach. Ganz neue Klangwelten betrat das Ausbildungsmusikkorps mit einer Komposition von Grigorij Markovich Kalinkovich, der Paganinis teuflisches Geigenwerk für Saxofon neu inszeniert hat. Brillanter Solist war Kristian Palauneck. Den jungen Leutnant hat sein Dienst als Ausbilder dreieinhalb Monate nach Afghanistan geführt, wo er im Auftrag der NATO afghanische Militärmusiker unterrichtete.

Die musikalische Vielseitigkeit des Orchesters unterstrichen unter anderem Arturo Marquez „Danzón no. 2“, der südamerikanische Volksmusik auf die sinfonische Bühne brachte, und Guido Rennerts „The Sound of Ireland“. In Ermangelung an Stepptänzern, die es in den irischen Streitkräften durchaus gibt, sprangen die Schlagwerker des Ausbildungskorps ein — und bearbeiteten zur Freude des Publikums ausgelassen eine Bierbank mit Hämmern und Trommelstöcken. Danach waren die Dürener gefragt. Sie lockten den Musikern lautstark applaudierend zwei Zugaben heraus: das Volkslied „Guten Abend, gut Nacht“ und den Radetzky-Marsch.

Der Erlös des Konzertes ist zur Hälfte für die Ausstattung der Schule Nummer 6 in Dürens ukrainischer Partnerstadt Streyj bestimmt. Schulleiterin Lidia Stasenko und Anatolii Ilnytskyi vom ukrainischen Generalkonsulat hatten sich zuvor auf Einladung von Bürgermeister Paul Larue ins Goldene Buch der Stadt eingetragen. Die andere Hälfte geht an den Bund Deutscher Kriegsgräberfürsorge. „Dies verbindet uns heute mit den Soldaten, die für Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie im Einsatz sind“, sagte Paul Larue. Benefizkonzerte der Bundeswehr haben in der Stadt eine lange Tradition, es war bereits das 49.

Auch Dirigent Michael Euler war nicht zum ersten Mal an der Rur: Er legte 1985 in Düren sein Examenskonzert ab. Im Mai 2019 ist das Ausbildungsmusikkorps erneut zu Besuch in Düren. Leutnant Kristian Palauneck wird dann nicht als Solist auf der Bühne stehen, sondern sein Examenskonzert als Leiter eines Blasorchesters meistern müssen.

(sj)