Aachen: Bekenntnis zur Zeitung: Neue Rotation in unserem Verlag eingeweiht

Aachen: Bekenntnis zur Zeitung: Neue Rotation in unserem Verlag eingeweiht

In knapp vier Minuten ist das Mammutprojekt gestemmt - wenn auch nur im Zeitrafferfilm. Anderthalb Jahre lang wurde jede Minute ein Foto geschossen, um den Abriss der alten und den Aufbau der neuen Rotation im Medienhaus Zeitungsverlag Aachen zu dokumentieren.

Was im Film ganz fix erscheint, war in Wirklichkeit eine logistische Meisterleistung. Oder wie es Geschäftsführer Andreas Müller am Donnerstag anlässlich der offiziellen Inbetriebnahme der neuen Rotation und der neuen Versandstraße ausdrückt: „Es war eine Operation am offenen Herzen. Doch sie hat sich gelohnt.”

200 Gäste sind geladen, um den offiziellen Startschuss zu erleben. Es ist ein Tag, an dem nach langer Arbeit Freude herrscht, nach mutigen Entscheidungen ein wenig Stolz aufblitzt. Ein Tag, an dem Zeit ist, zurück, vor allem aber nach vorne zu blicken. 20 Millionen Euro sind investiert. Nicht in anonyme Fonds, nicht in die Rettung von Banken oder vermeintlich sichere Staatsanleihen, sondern in ein regionales Unternehmen, das Zukunft verspricht. 20 Millionen Euro sind investiert von Unternehmern, die nicht nur an Zeitung glauben, sondern wissen, dass der Markt für regionale Nachrichten nach wie vor vielversprechend ist.

„Wir glauben an unsere Mitarbeiter. Wir glauben an diese Region. Wir glauben an die dazugehörige Lokalzeitung. Und wir glauben daran, dass auch gut gemachte Printmedien eine Zukunft haben”, sagt Michael Ernst, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Aachener Verlagsgesellschaft mbH bei der Begrüßung der Gäste.

Das sieht auch der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger Helmut Heinen so. Dieser Festtag beweise, dass der Zeitungsverlag Aachen (ZVA) an die Zukunft seiner starken Tageszeitungen glaubt, sagt er bei seinem Besuch an der Dresdener Straße. „Die Zeitung ist und bleibt das stärkste Medium, auch wenn sich der ZVA den neuen Medien wie dem Internet natürlich nicht verschließt.”

Neben all den Versprechen und Glaubensbekenntnissen, den formulierten Gewissheiten und Chancen, bietet der gestrige Tag dann auch die Gelegenheit, sich einen ganz realen Eindruck zu verschaffen von dieser enormen Investition in den Standort Aachen. Der Besuch bei der neuen Rotation vom Typ Commander CT aus dem Hause Koenig und Bauer und an der neuen Versandstraße macht die Dimension deutlich, mit der in Zukunft an der Dresdener Straße gedruckt wird. Die Ehrengäste lassen sich bei Führungen an verschiedenen Stationen die Technik im Detail erklären und zeigen sich am Ende selbst beeindruckt.

Druckreif auch der launige Vortrag des Kabarettisten Wendelin Haverkamp, der wie gewohnt humorvoll den „Westzipfler” auf die Schippe nimmt. Dieser, so Haverkamp, brauche natürlich als Zeitung nicht irgendein Blatt, das aus der linken oder rechten Ecke schreibt. Oder das konservativ-vertikal-katholisch oder progressiv-horizontal-evangelisch ausgerichtet ist. „Nein, er braucht eine lokal ausgerichtete Zeitung, die anständig Umdrehungen hat! Er braucht ein Blatt, dessen Rotationsmaschinen in der Lage sind, der Schnelligkeit des um sich selbst kreisenden Westzipfels folgen zu können.”

„Deshalb brauchen wir Zeitung”

Ein starkes Bekenntnis zur gedruckten Zeitung kommt an diesem Tag von Geschäftsführer Peter Selzer. „Ich bin kein Print-Nostalgiker. Im Gegenteil. Bei uns im Verlag stehe ich stark in dem Ruf derjenige zu sein, der es schon ziemlich mit dem Digitalen hat, und dem viele Entwicklungen gar nicht schnell genug gehen können. Aber ich bin auch nüchtern denkender Kaufmann, der sieht, dass die Leistungswerte unserer gedruckten Produkte, und das schließt explizit die Anzeigenblätter mit ein, nach wie vor in Ordnung, zum Teil sogar hervorragend sind. Und darüber muss man wieder ein bisschen mehr sprechen.”

Selzer betont die Vorteile von Print gegenüber Digitalem: „Einordnung und Verständnis auch und gerade im überregionalen Bereich. Andere Blickwinkel und Hintergründe zu den mit Sicherheit bereits am Vorabend oder den Vortagen gehörten Nachrichten. Vor allem aber die kritische Begleitung des regionalen Geschehens.” Das Papierprodukt schaffe die Ruhe und entspannte Atmosphäre, die zur Reflektion nötig sei - „ohne animierte, blinkende Elemente”. Die Zeitungen seien die Flaggschiffe, mit denen man in die Zukunft gehe. „Und sie sind dort, wo das Herz schlägt.”

Geschäftsführer Andreas Müller nutzt die Gelegenheit, um den anwesenden Gästen von „anderthalb sehr spannenden Jahren” zu berichten. „Die Entscheidung, als Verlag in neue Drucktechnik zu investieren und die Druckerei dann auch noch selber über eine Tochtergesellschaft zu betreiben, diese Entscheidung hat in den vergangenen Monaten branchenweit für Diskussion gesorgt. Von vielen Seiten unserer Zunft haben wir dabei Anerkennung und Zuspruch erfahren.”

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft schickt von Düsseldorf aus einem Glückwunsch an den Verlag: „Das Internet ist nicht Bedrohung, sondern Herausforderung für die Printmedien. Die neue Rotation des Zeitungsverlags Aachen ist nicht nur Bekenntnis zum wertvollen Print-Medium, sie ist zugleich ein wichtiges Zeichen für die Zeitungswirtschaft in NRW. Mit großen Investitionen in neue Druckmaschinen und in Modernisierungen der Computersysteme stellt sich der Zeitungsverlag Aachen den Herausforderungen in der neuen Medienwelt. Zu diesem unternehmerischen Mut gratuliere ich von ganzem Herzen.” Was wäre diesen Worten noch hinzuzufügen...