Beim "Tag des offenen Denkmals" wird Geschichte greifbar

„Tag des offenen Denkmals“ : Sichtbare und greifbare Zeitgeschichte

Am europaweiten „Tag des offenen Denkmals“ gab es an vielen Stellen entlang der Rur Einblicke hinter verschlossene Türen oder besondere Führungen, die den Blick weiteten und neue Sichtweisen auf Stadt-, Kunst- und Kulturgeschichte ermöglichten. Unter anderem war der Bunker ins Isweiler geöffnet.

Es ist ein relativ unbekanntes Kapitel Zeitgeschichte, und ein trauriges zugleich. Am 28. September 1944 wurden in der Gemeinde Nörvenich 40 Jugendliche bei einem Luftangriff getötet. Die Hitlerjungen wurden in der Endphase des Zweiten Weltkriegs herangezogen, um in Düren Schützengräben auszuheben. Die Baracke, in der sie stationiert waren, erlitt einen Volltreffer. Das älteste Opfer war 18 Jahre alt, die meisten erst 14 oder 15. Sie wurden verheizt in einem grausamen Krieg, der mit dem Überfall Nazi-Deutschlands auf Polen vor 80 Jahren begonnen hatte.

„Bis heute gibt es kein Mahnmal, keine Erinnerung“, berichtet Jörg Dietsche von der Arbeitsgemeinschaft Luftkriegsgeschichte Rhein/Mosel. Nur ein Raum in einem Bunker bei Irresheim ist dem Gedenken der jungen Männer gewidmet und soll den nachkommenden Generationen ein Mahnmal sein.

Der Bunker bei Irresheim ist nur ein Beispiel von vielen. 1938/39 wurde er als Teil der sogenannten Luftverteidigungszone West errichtet und diente im Zweiten Weltkrieg als Kommandostand. „Von hier aus wurden drei Geschützbatterien koordiniert“, erklärte Jörg Dietsche den Besuchern. Die Flugabwehrgeschütze standen in Girbelsrath, Kelz und Frauwüllesheim, tief unter der Erde liefen bei Irresheim alle Fernmeldedrähte zusammen.

Nach dem Krieg richtete der Kreis Düren dort eine Meldestelle für den Katastrophenfall ein, später übernahm die Gemeinde den Bunker als Lagerstätte. Seit 2006 kümmern sich die Ehrenamtler des Vereins um den Erhalt der Anlage. Im Mittelpunkt steht eine Aufklärung über den Luftkrieg im Zweiten Weltkrieg. Eine weitere Aufgabe des Vereins ist es, Schicksale abgeschossener Flieger aller damaliger Kriegsparteien aufzuklären und Absturzstellen zu verorten. Allein in unserer Region sind es Hunderte. Jörg Dietsche, Oberstleutnant a.D. der Luftwaffe, ist es ein Anliegen, Geschichte greifbar zu machen – damit sich derart grauenvolle Kapitel nie mehr wiederholen.

Das Stadtmuseum Düren hatte am Sonntag einen Schwerpunkt auf den Grüngürtel gelegt – eine Siedlung, die von der fast vollständigen Zerstörung der Stadt Düren im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont wurde. „Der Grüngürtel ist ein bedeutendes Stück Architektur- und Siedlungsgeschichte. Es ist schade, dass dieses tolle Viertel in Düren nach wie vor ein Imageproblem hat“, brach Sarah Höner vom Stadtmuseum eine Lanze für das ehemalige Arbeiterviertel.

Das Stadtmuseum setzte den Fokus auf den Früngürtel. Foto: Stephan Johnen

An keinem anderen Ort der Stadt sei die Entwicklung der Architekturstile so gut nachzuvollziehen, gebe es unzerstörte und gut gepflegte Ensembles: Startend im Kaiserreich vor dem Ersten Weltkrieg bis zu den 20er und 30er Jahren. Der Grüngürtel sei wie ein lebendiges Architekturlexikon, das aus der ganzen Welt Architekturstudenten anlockt. Bei einer Geo-Caching-Tour und einer Stadtführung ließen sich die einzelnen Kapitel gut studieren.

Drittes Beispiel für den Tag des Denkmals ist die Arbeit der Stadtmauer AG am Stiftischen Gymnasium.Betreut von Geschichtslehrer Dr. Achim Jaeger bereiten Schülerinnen und Schüler seit vielen Jahren schon die Geschichte der im 13. Jahrhundert errichteten Stadtbefestigung auf.

Die Stadtmauer AG am Stift ließ das 13. Jahrhundert lebendig werden. Foto: Stephan Johnen

Im Foyer der Schule wurden die Ergebnisse präsentiert, bei Stadtführungen ging es auf Spurensuche. Die Stadtmauer AG wird im kommenden Schuljahr damit beginnen, exemplarisch ein Stadttor und ein Mauerstück als Modell zu visualisieren. Geplant ist auch eine 3D-Animation der gesamten mittelalterlichen Verteidigungsanlage.