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Industriekonzerte: Beim Schnitzler Quartett trifft Können auf Einfühlungsvermögen

Industriekonzerte : Beim Schnitzler Quartett trifft Können auf Einfühlungsvermögen

Das Schnitzler Quartett hat am Dienstag das zweite von drei Kammermusikabenden der Mini-Abo-Reihe zum Jahresbeginn im Haus der Stadt bestritten. Das Publikum war begeistert.

Darf in diesen Tagen bei einem Konzert als Zugabe das Andante Cantabile aus Pjotr Iljitsch Tschaikowskis erstem Streichquartett gespielt werden? Ja, es darf. Jedenfalls dann, wenn das Stück perfekt zum vorhergegangenen Konzertprogramm passt, die Musiker vorher unter großem Applaus des Publikums ihre Solidarität mit den Menschen in der Ukraine erklärt und den Erlös des CD-Verkaufs in der Pause den Kriegsopfern gespendet haben. Und genau das haben Werner von Schnitzler, Eduard Bayer (beide Violine), Mische Pfeiffer (Viola) und Aiki Mori-von-Schnitzler beim Industriekonzert am Dienstagabend im Haus der Stadt in Düren getan.

Das hochkarätige Konzert mit dem Schnitzler Quartett war das zweite von drei Kammermusikabenden einer Mini-Abo-Reihe zum Jahresbeginn, bevor im Herbst die reguläre Industriekonzerte-Spielzeit beginnt. Werner von Schnitzler und seine Musikerkollegen hatten für ihr Konzert in Düren, das auf Einladung der Vereinigten Industrieverbände von Düren, Jülich, Euskirchen & Umgebung stattfand, ein sehr abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Gespielt wurden das Streichquartett A-Dur opus 18 Nummer 5 von Ludwig van Beethoven, das Streichquartett B-Dur Nummer 5 opus 27 vom Mieczlslaw Weinberg und das Streichquartett a-Moll opus 51 Nummer 2 von Johannes Brahms.

Das Schnitzler Quartett hat sich im Jahr 2010 gegründet und machte sich gleich deutschlandweit einen Namen. Bei dem Konzert in Düren konnte Cellist Yan Vaigot krankheitsbedingt nicht dabei sein. Er wurde von Aiki Mori-von Schnitzler vertreten.

Beethovens Streichquartett opus 18 Nummer 5 knüpft mit der unüberhörbaren Solo-Rolle der ersten Violine und tonangebenden Passagen für die zweite Violine und der Viola unmittelbar an die Spätwerke von Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn an und kommt elegant, fröhlich, fast schon lebensbejahend daher. Die vier Streicher bewiesen schon bei diesem Werk ihr überragendes technisches Können, begeisterten vor allem aber mit einem großen musikalischen Einfühlungsvermögen und viel Musikalität. Kein Wunder, dass man von der ersten Konzertminute den Eindruck hatte, dass zwischen Musikern und Publikum eine besondere Verbindung bestand.

Das zeitgenössische Werk von Weinberg stand in großem Kontrast zu Beethovens Klängen. Es war Musik, auf die man sich einlassen musste. Klänge, die gleichsam folkloristisch und sehr spannend daherkamen, voller Gegensätze und äußerst abwechslungsreich. Und obwohl der Komponist in seinem Leben Krieg und Verfolgung erlebt hat, hat er mit dem in Düren aufgeführten Streichquartett ein Werk geschaffen, das viel Spielfreude und Optimismus verbreitete. Das Werk entstand im Jahr 1945, also unter dem Eindruck eines verheerenden Weltkrieges. Auch deswegen passte es hervorragend zu einem Konzert, das an Tag 20 des russischen Einmarsches in die Ukraine gespielt wurde. Wohltuend gerade an diesem Stück war aber vor allem die Tatsache, dass es auch von einem hoffnungsvollen Blick in eine friedliche Zukunft erzählte.

Abgerundet wurde das Konzert schließlich von Johannes Brahms und einer gefühlvollen Unterhaltung zwischen zwei Violinen, einer Bratsche und einem Cello. Kein Wunder, dass es nach rund zwei Stunden Kammermusik auf allerhöchstem Niveau viel Applaus und stehende Ovationen für die Musiker des Schnitzler Quartetts gab.

(red)