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Arnoldsweiler: Beim Lesen haben viele einen Frosch im Hals

Arnoldsweiler : Beim Lesen haben viele einen Frosch im Hals

Manchmal sind die kleinsten Geschichtenerzähler die Größten.

Der schmächtige Junge, den Deutschlehrer und Schulleiter Manfred Klüttermann gerade aufgerufen hat, ist nicht einfach zu verstehen, so leise spricht er. Doch die Erlebnisse des Frosches Clemens, die der Viertklässler aus Arnoldsweiler seinen 33 Mitschülern erzählt, lassen sich durchaus als ausgewachsen bezeichnen.

Der Gummifrosch, der an der Nordsee ins Meer plumpst, schwimmt nach England und nimmt sich ein Hotelzimmer. Die Gastgeber merken sogleich: Ein Frosch, der Clemens heißt, kann keinem Engländer gehören. Flugs rufen sie in Deutschland an und finden den Besitzer des Froschs, der sich sogleich in Bewegung setzt, um den kleinen Vagabunden wieder in die Heimat zu holen.

Auf den ersten Blick eine einfache Geschichte, die einem jedes Kind erzählen könnte. Doch denkste. Längst nicht jeder Schüler, der die Grundschule abschließt, ist in der Lage, einen Gedanken konsequent zu Ende zu führen und sprachlich umzusetzen, wie nicht nur Manfred Klüttermann bestätigen kann.

Fähigkeiten, die mit dem Lese- und Erzählwettbewerb des Landes NRW trainiert werden sollen. Kinder aus dem dritten und vierten Schuljahr sind aufgerufen, die unvollendete Frosch-Geschichte des Kinderbuchautors Peter Härtling weiterzuerzählen.

Nachdem die beste Geschichte einer Schule ermittelt ist, entscheidet eine Jury über den Favoriten des Kreises. Dieser nimmt am Landeswettbewerb teil, dessen Ergebnis Schulministerin Ute Schäfer am 7. April zusammen mit Peter Härtling auszeichnen will.

Doch zur prämierten Geschichte ist es ein langer Weg. Das zeigt die Deutschstunde bei Manfred Klüttermann. Da verirrt sich der Frosch irgendwo in den Weiten des Ärmelkanals, findet sein Ventil nicht mehr - und dann ist Sendepause. Nur eine gewitzte Mitschülerin, die beherzt eingreift, kann Clemens noch einigermaßen galant auf das rettende Ufer bringen und der verunglückten Geschichte einen Sinn geben.

Roter Faden nennen das die, die korrektes Lesen und Schreiben vermitteln. Und die wissen, dass eine sinnvolle Struktur vielen Kindern Mühe bereitet. Manfred Klüttermann kennt genügend Beispiele, „wo zwar jede Menge Phantasie vorhanden ist, aber die Fähigkeit fehlt, die vielen Ideen richtig zu bündeln”.

Demnächst will er einen realen Faden spannen zwischen den grünen Pappfröschen an der Wand und den Wörtern, die die Kinder spontan auf Zettel an einer Tafel geschrieben haben, um die Bedeutung des roten Fadens greifbar zu machen. So viel Aktion sei unumgänglich, um Aufmerksamkeit zu erreichen, ist Klüttermann überzeugt.

Daher gehören Theaterstücke zum regelmäßigen Repertoire, das die Kinder motivieren soll, sich auch mit langen Texten auseinander zu setzen. Bei verschlossenen Schülern wird die Lust am Lernen manchmal auch durch den Computer geweckt, fügt Klüttermann hinzu.

Den häuslichen Hintergrund jedoch könne die Schule trotz aller Anreize nicht ersetzen: „Wenn der Papa nur vor dem Fernseher sitzt oder am Computer spielt, dann arbeite ich gegen eine Wand.”

Einen ersten Erfolg können die Grundschulen im Kreis Düren bereits verbuchen: 28 von 66 Schulen nehmen an der Bücherwurm-Rallye des Landes teil. Mit einer Quote von 42,42 Prozent liegt der Kreis Düren bei der Resonanz im oberen Drittel. Landesweit machen 130 000 Grundschüler mit. Mit dem Lese- und Erzählwettbewerb, der im Rahmen der Leseinitiative NRW durchgeführt wird, will Schulministerin Ute Schäfer die Freude am Lesen fördern. Der Wettbewerb ist auch eine Folge von PISA: Lesefreude und Schulerfolg hängen demnach eng zusammen.

In Deutschland nehmen 42 Prozent der 15-Jährigen nie freiwillig ein Buch zur Hand . . .