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Düren: Beim Kropf ist Jodmangel oft Wurzel des Übels

Düren : Beim Kropf ist Jodmangel oft Wurzel des Übels

In Deutschland herrscht Mangel. Weil die Menschen über die Nahrung nicht genügend Jod aufnehmen, fehlt der Schilddrüse das Spurenelement zur Produktion jenes Hormons, das viele wichtige Stoffwechselvorgänge im Körper steuert.

Die Folge ist bekannt: Etwa jeder dritte Deutsche hat entweder eine vergrößerte Schilddrüse oder einen Knoten. Beides ist so überflüssig wie ein Kropf.

Weil viele Menschen über die Nahrung weniger als die Hälfte der benötigten täglichen Jodmenge von 200 millionstel Gramm aufnehmen, können sie krank werden.

Die Schilddrüse reagiert mit Wachstum auf den Mangel an Jod, um den verfügbaren Stoff optimal bei der Hormonproduktion zu verwerten - oder sie bildet Knoten. Beides kann krank machen. Gestörte Atmung, Schluckbeschwerden sind nur zwei Beispiele.

Denn die Drüse, die kaum größer als das vordere Glied eines Daumens ist und ein Volumen von zirka 20 Milliliter besitzt, hat elementare Aufgaben zu erfüllen.

Produziert sie nicht genügend Hormone, dann lässt die Konzentration nach, die Leistungsfähigkeit lässt nach, der Mensch fröstelt, die Haut trocknet aus, die Fingernägel werden spröde.

Äußeres Zeichen der kranken Schilddrüse ist der Kropf, medizinisch Struma. So lautete das Thema der Vortragsreihe „Medizin hautnah” im Dürener Krankenhaus denn auch „Dicker Hals - was tun?”

In der Veranstaltung, die unsere Zeitung gemeinsam mit Ärzten der Klinik organisiert, gingen der Internist Dr. Jürgen Pauletzki und die Chirurgin Dr. Cornelia Fiedler auf die vielfältigen Erscheinungsformen von Erkrankungen der Schilddrüse ein.

Schließlich lag ein Schwerpunkt der Referate auf den Behandlungsmöglichkeiten; sie reichen von medikamentöser Therapie bis zum operativen Eingriff.

Schilddrüsenkrankheiten sind Leiden im Verborgenen, aber sie betreffen eine breite Bevölkerungsschicht. Bei etwa 50 Prozent der deutschen Bevölkerung, so schätzt das „Forum Schilddrüse”, lässt sich eine zu große Schilddrüse feststellen. Etwa jeder Fünfte hat eine klinisch bedeutsame Schilddrüsenerkrankung, die behandlungsbedürftig ist.

Ein Kropf kann, bleibt er unbehandelt, schwere gesundheitliche Schäden nach sich ziehen. Im Jodmangelkropf bilden sich häufig unerkannt autonome Knoten, die zu einer Überfunktion führen können: eine Zeitbombe im Körper. Und knotige Veränderungen machen oft eine Operation erforderlich.

Die Vorbeugung ist vergleichsweise simpel. So lässt sich bei Jodmangel das Defizit durch den Verzehr von Seefisch und jodiertem Salz teilweise ausgleichen.

Andere Nahrungsmittel sind kaum geeignet, die Lücken zu füllen, denn zweieinhalb Liter Milch, mehr als drei Kilogramm Fleisch oder Berge von Äpfeln kann ein Mensch kaum täglich verzehren, ohne andere Schäden zu riskieren.

Die Referate im Dürener Krankenhaus, die auf Detailfragen eingingen, stießen auf reges Interesse. Rund 150 Gäste folgten den Vorträgen der Ärzte, an die sich viele Fragen betroffener Patienten anschlossen.