Düren: Bei der EM noch Teamkameraden, in Düren wieder Gegner

Düren: Bei der EM noch Teamkameraden, in Düren wieder Gegner

Der eine ist 32 Jahre alt, 2,10 Meter groß und 98 Kilogramm schwer, der andere 13 Jahre jünger, 2,11 Meter groß und 85 Kilogramm schwer. Der eine gilt als Entdeckung des Sommers, der andere ist erst ziemlich spät ein sehr erfolgreicher Profi-Sportler geworden. Beide sind Volleyballer, genauer gesagt Mittelblocker, tragen die Rückennummer elf und sind in diesem Sommer Vize-Europameister geworden.

Die Rede ist von Michael Andrei von den SWD Powervolleys und Tobias Krick von den United Volleys Rhein-Main. Am Sonntag trafen die beiden Sportler zum ersten Mal nach der EM in Polen in der Arena Kreis Düren aufeinander. Vor rund 1700 Zuschauer lieferten sich die Teams von Stefan Falter (Düren) und Michael Warm eine spannende Partie, die Düren am Ende mit 25:16, 18:25, 25:18, 25:22 für sich entscheiden konnten.

Die Stimmung vor heimischer Kulisse hätte besser nicht sein können — vielleicht auch deshalb, weil die „Moskitos“, der Fanclub der Powervolleys, Verstärkung von einer Gruppe Belgier hatten. Die jungen Leute, die eigens wegen Dürens belgischem Neuzugang Stijn D’Hulst angereist waren, sorgten für eine besondere Atmosphäre. Einer trug sogar ein riesiges Dinosaurier-Kostüm — klar, dass die Moskitos sich nicht lange zu Laola-Welle und Polonaise mit „Dino“ bitten ließen.

„Super verstanden“

Aber auch für die beiden Mittelblocker, die unisono sagen, sich bei der Europameisterschaft „super verstanden“ zu haben, war die Bundesligapartie gegeneinander etwas Besonderes. „Die Zeit in Polen“, erklärte Tobias Krick, „kann man ja nicht einfach so ausblenden. Für mich macht es schon einen Unterschied, wenn in der gegnerischen Mannschaft Spieler stehen, die ich gut kenne. Besonders dann, wenn es so ein herausragendes gemeinsames Erlebnis wie ein EM-Finale gibt.“ Ähnlich sieht das auch Michael Andrei. „Der Respekt ist irgendwie ein anderer. Gegen Tobias Krick zu spielen, war ein bisschen so wie das Training bei der Nationalmannschaft.“

Trotzdem haben Krick und Andrei sich am Sonntag — natürlich — nichts geschenkt. Der 19-Jährige hatte die ersten beiden Bundesligaspiele verletzungsbedingt aussetzen müssen, gegen Düren gehörte Krick zur Startmannschaft. Und auch Michael Andrei hatte viele Spielanteile. Beide gehören zu den längsten Spielern ihrer Teams, beide haben eine enorme Präsenz auf dem Spielfeld. „Michael Andrei kann seine Mannschaft mitreißen“, sagte Krick. „Er ist nicht nur wegen seiner Körpergröße eine imposante Persönlichkeit. Darüber hinaus ist er ein sehr emotionaler Spieler. Für mich sind das seine größten Stärken.“

Krick wirkt auf dem Spielfeld weniger emotional als Andrei, dafür aber sehr fokussiert und konzentriert. Beide — auch das ist eine Gemeinsamkeit — sitzen auf der Bank, wenn sie ausgewechselt wurden, und stehen nicht bei den anderen Spielern, die gerade nicht im Einsatz sind. Andrei und Krick beobachten das Spielgeschehen mit Argusaugen. Andrei: „Während des Spiels bin ich so in meinem Tunnel, dass ich alles andere ausblende. In dem Moment kenne ich auch so etwas wie Sympathie für den Gegner absolut nicht. Daran konnte auch Tobias heute nichts ändern.“

Drei Nationalspieler

Ob die Powervolleys, die am Sonntag zum ersten Mal überhaupt die United Volleys Rhein-Main geschlagen haben, davon profitierten, dass Michael Andrei den Gegner ziemlich gut kannte — neben Tobias Krick gehörten auch Moritz Karlitzek und Julian Zenger zum Vize-Europameisterteam —, ist schwer zu sagen. Michael Andrei allerdings ist davon überzeugt. „Natürlich war es für uns ein Vorteil, dass ich ziemlich viele Spieler aus dem Frankfurter Team gut kenne. Die Mannschaft ist brandgefährlich, und ich glaube schon, dass ich meinen Jungs während der Vorbereitung ein paar wichtige Tipps geben konnte.“

Mehr von Aachener Zeitung