Düren: Balkon kracht von der Fassade

Düren: Balkon kracht von der Fassade

Für Miriam Geisler war es ein langer Abend. Erst gegen 2.30 Uhr kehrte sie Samstagnacht von der Abiturfeier ihres Sohnes heim in die Wohnung an der Dürener Straße in Merzenich. Die laue Sommernacht lockte sie noch einmal auf ihren Balkon. Noch ein wenig die frische Luft genießen zum Abschluss eines schönen Abends.

In welcher Gefahr sich Miriam Geisler in diesem Moment in rund sieben Meter Höhe befand, konnte sie nicht ahnen. Eine Dreiviertelstunde später wurde sie aus dem noch jungen Schlaf gerissen. Mit einem Riesenknall hatte sich der Balkon von der Fassade gelöst.

Was folgte, waren anstrengende Stunden für eine übernächtigte Miriam Geisler und die anderen Bewohner des Mehrfamilienhauses, in dem sich in der ersten Etage ein Sonnenstudio befindet. Sie mussten ihre Wohnungen verlassen und Platz machen für einen Einsatz von Feuerwehr und THW, der erst am Samstagnachmittag enden sollte.

Die Merzenicher Feuerwehr rückte mit 25 Leuten und sieben Fahrzeugen an, das THW Nörvenich und das THW Düren brachten ihr technisches Gerät in Stellung. Mit einem Rüstzug traf die Feuerwehr Köln ein.

Schnell wurde der Balkon an einen Kran gehängt, ein Radlader stützte ihn von unten mit seiner Schaufel ab. Pflanzen, Tisch und Stühle wurden genau so vorsichtig vom Balkon geschafft wie anschließend die Betonplatten und das Kiesbett, in dem sie lagen, abgetragen wurden. Und dann begann das Geduldsspiel.

Der Balkon, der im 45-Grad-Winkel nach unten abgeknickt war, hing noch an Stahlarmierungen fest. Aus dem Fenster von Miriam Geislers Wohnung gelehnt, machten sich die Hilfskräfte daran, eine Metallverbindung nach der anderen zu durchtrennen.

Immer mit der gebotenen Vorsicht, um ein plötzliches Absacken des Balkons zu verhindern. Erst um kurz nach 14 Uhr warÔs geschafft. Der Balkon war komplett von der Fassade gelöst. Und in einem fein abgestimmten Miteinander ließen ihn Radlader- und Kranfahrer vorsichtig zu Boden sinken.

Sehr zur Freude von Miriam Geisler und ihrer Nachbarn, die natürlich die Sorge hatten, dass noch mehr zu Bruch geht. Für einen von ihnen, Viktor Voth, war es eine der letzten Nächte im Haus an der Dürener Straße 4.

Der junge Familienvater zieht mit seiner Frau und kleinen Zwillingen in den nächsten Tagen um. Während der Rest der Familie vielleicht in einer Art Vorahnung die Nacht bei der Oma verbrachte, hatte sich Viktor Voth auf eine ruhige erholsame Nacht zu Hause gefreut. Dass er sie nun auf der Straße verbrachte, nahm er mit Humor.

Er und andere Bewohner hatten nach dem Knall, als sich der Balkon von der Fassade löste, einen regelrechten Wasserfall zu Boden gehen sehen. Die Vermutung: Das Wasser hat sich im Kies gesammelt, weil es nicht richtig ablaufen konnte. Die Feuchtigkeit in den Wänden könnte zu dem Absturz beigetragen haben.

Für die Experten von Feuerwehr und THW, die einen solchen Einsatz in der Region noch nicht hatten, steht indes nur fest, dass bei Planung oder Ausführung des Balkonbaus Fehler gemacht wurden. Der baugleiche Balkon auf der Rückseite des Hauses wurde deshalb vorsichtshalber mit Pfeilern abgestützt.