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Bald mehr Buslinien im Kreis Düren als in Köln

Der Rurtalbus rollt an : Bald mehr Buslinien im Kreis Düren als in Köln

An den neuen Namen und an das neue Logo werden sich die Menschen im Kreis Düren noch gewöhnen müssen. Wenn sie künftig in einen Bus steigen, dann wird das immer häufiger einer sein, auf dem Rurtalbus in Blau zu lesen ist. Zum 1. Januar des kommenden Jahres wird der komplette Busbetrieb im Kreis in einer Hand liegen. Mit mehr Strecken und mehr Fahrzeugen.

Die Zahlen, die beim Fahrplanwechsel zum kommenden Jahr Realität werden, wirken imposant: Die Zahl der Buskilometer werden von 6,8 Millionen in diesem Jahr auf 8 Millionen in 2020 steigen. Etwa 2000 Fahrten pro Tag werden dann stattfinden. Dafür sind 180 Busse im Einsatz, die von 250 Busfahrern im Kreis bewegt werden. Landrat Wolfgang Spelthahn weist darauf hin, dass man mit insgesamt 100 Linien mehr als Köln oder Aachen zu verzeichnen hat. Das werden auch die Kommunen finanziell spüren, die im Vorfeld eingebunden waren: „Wer die Musik bestellt, der muss sie auch bezahlen – wir haben alles im Detail besprochen und mehrfach diskutiert, letztlich sind wir auf die Wünsche der Kunden eingegangen“, betont Spelthahn.

Dass diese Zahlen nun präsentiert werden können, war Anfang des Jahres nicht selbstverständlich. Der gesamte Buslinienbetrieb im Kreis, der bisher in den Händen von zwei Unternehmen lag, wurde europaweit ausgeschrieben. Letztlich beschäftigten sich 14 Unternehmen intensiv mit dem Thema, drei gaben ein qualifiziertes Angebot ab. „Da waren alle großen Player dabei“, sagt Spelthahn. Dass am Ende der örtliche Anbieter den Zuschlag erhielt, freut den Landrat, auch wenn die Ausschreibung ohnehin vorsah, dass der Fuhrpark und das Personal zu übernehmen waren.

Das Unternehmen Rurtalbus wurde dafür von Kreis Düren und der R.A.T.H.-Gruppe gegründet, die gemeinsam die Rurtalbahn betreiben. Sie sind auch beide am Straßenverkehrsamt angesiedelt. Gemeinsam will man auch neue Antriebstechniken nach vorne bringen. Busse für den innerörtlichen Betrieb sollen an der Steckdose auftanken können, die überörtlichen Linien sollen langfristig von Wasserstoff angetrieben werden. Allerdings wird es noch dauern, bis der Fuhrpark komplett umgerüstet wird: „Es gibt keinen deutschen Hersteller, die Lieferzeiten sind enorm lang“, sagt Rurtalbus-Geschäftsführer Hans-Peter Nießen. Aktuell sind fünf E-Fahrzeuge bestellt, mit einer Lieferung wird in mehr als einem Jahr gerechnet.

In der Übergangszeit müssen Dieselfahrzeuge nach Euro-6-Norm angeschafft werden. Irgendwann einmal ist denkbar, dass Busse autonom wie auf Schienen durch die Stadt fahren und damit die Rolle einer Straßenbahn erfüllen, deutete Spelthahn an. Ähnliche Projekte werden auf dem Campus Aldenhoven entwickelt. Aber dies ist noch Zukunftsmusik.

Bevor der Fahrplan in Kraft tritt, will das neue Unternehmen mit einem Infobus im Kreis Düren die Werbetrommel rühren. Dafür wolle man sich mit den jeweiligen Bürgermeistern absprechen. Unter anderem zählen sieben neue Schnellbuslinien zum Angebot. Bisher bestand eine solche Verbindung, bei der der Bus nicht alle Haltestellen in einem Ort anfährt, zwischen Euskirchen und Düren sowie zwischen Jülich und Aachen. Zukünftig kann man auch von Düren nach Zülpich in 51 Minuten mit dem Bus gelangen.

Nachlesen kann man die neuen Verbindungen noch nicht. Die Fahrplantabellen und die einzelnen Haltezeiten kann man erst ab dem 1. November erfahren. Dann wird die neue Homepage www.rurtalbus.de freigeschaltet. Mit der Freischaltung soll auch der Infobus seine Tour durch den Kreis beginnen.

Derzeit kann man aber das Logo schon auf dem ersten Bus entdecken. Jede Woche soll ein weiterer hinzukommen, bis dann das alte DKB-Logo vollständig auf Bussen verschwunden ist, das Unternehmen selbst natürlich nicht.

Übrigens benötigt der Rurtalbus frisches Personal. „Die langjährige kommunale Besatzung ist im Schnitt etwa 60 Jahre alt“, berichtet Guido Emunds, ebenfalls Rurtalbus-Geschäftsführer. Um eigenen Nachwuchs zu rekrutieren, bilde man seit acht Jahren aus. Aufgrund der Situation auf dem Arbeitsmarkt seien auch die Löhne für Busfahrer gestiegen, meint Spelthahn, „das ist jetzt ein lukrativer Job“.

Alle Linien wird übrigens der Rurtalbus nicht bedienen, jedoch die Hauptstrecken. Etwa zwei Drittel der Strecken werden an Subunternehmer vergeben. Die EU-weiten Ausschreibungen laufen, in Kürze will man Ergebnisse präsentieren.