Düren: „Baggerballett“: Brückenabriss in Düren verläuft nach Plan

Düren: „Baggerballett“: Brückenabriss in Düren verläuft nach Plan

Monotones Hämmern liegt in der Luft. Seit Mitternacht tanzt ein „Baggerballett“ auf der Schoellerstraßenbrücke. Sechs Hydraulikbagger stehen auf dem 1959 errichteten Bauwerk und knabbern Stück für Stück am mehr als 50 Meter langen Überbau der Brücke. Immer wieder bohren sich Felsmeißel tief in die rund 2400 Kubikmeter Stahlbeton.

Große Hydraulikscheren durchtrennen die Armierung als wäre sie aus Wachs. Immer wieder fallen kleine und größere Bruchstücke auf das aufwendig geschützte Gleisbett der Bahnstrecke Köln-Aachen. Projektleiter Ernst Gombert vom Landesbetrieb Straßenbau blickt zufrieden auf die hin und her schwingenden Ausleger der Bagger. Der Beginn der Abbrucharbeiten verläuft problemlos.

Mit Spezialfolien, Holz und einer Kiesschicht wurden die Gleise gesichert. Projektleiter Ernst Gombert verfolgt den Abbruch mit Argusaugen. Kurz nach Mitternacht begann in der Nacht zum Dienstag der Tanz der Bagger. Foto: Cichowski

Bauleiter Christian Kouba und sein 25-köpfiges Abbruchteam liegen gut im Zeitplan. Spätestens Donnerstagabend muss der Überbau verschwunden sein. Dann geht es den seitlichen Widerlagern an den Kragen und damit weiteren 1200 Kubikmetern Stahl und Beton, die dem bis März 2015 geplanten und rund 10,5 Millionen Euro teuren Neubau der Brücke im Weg stehen. Die Experten haben berechnet, dass rund 4000 Tonnen Bauschutt entsorgt werden müssen.

Mit Spezialfolien, Holz und einer Kiesschicht wurden die Gleise gesichert. Projektleiter Ernst Gombert verfolgt den Abbruch mit Argusaugen. Kurz nach Mitternacht begann in der Nacht zum Dienstag der Tanz der Bagger. Foto: Abels

Rund um die Uhr sind die Bagger im Einsatz. „Wenn wir die Nächte nicht hätten, könnten wir den Zeitplan nicht halten“, erklärt Kouba. Schließlich wisse man bei einem so alten Bauwerk nie ganz genau, was einen erwartet. Bis auf unerwartet aufgetauchte Reste eines alten Fundaments aber bleiben Überraschungen beim Beginn der Bauarbeiten aus. „Wir haben die Anwohner im Vorfeld mit Flugblättern informiert“, betont Gombert.

Im nahen Stellwerk der Bahn hat der Landesbetrieb Straßenbau sogar extra Dämmmatten hinter den Scheiben anbringen lassen, bei der Firma Krafft Walzen kurzfristig noch Vibrationsmessungen veranlasst. Nicht zu unrecht, wie sich herausstellt: „Eine unserer Drehbänke steht bereits schief“, erklärt Seniorchef Eberhard Hess mit einem skeptischen Blick auf die sich nur wenige von der Firma entfernt unentwegt in den Beton bohrenden Bagger.

Den ganzen Montag über haben die Bauleute den Abbruch vorbereitet. Mitarbeiter der DB haben die Oberleitung unter der Brücke demontiert. Spezialfolien, längs und quer verlegte Hölzer und eine rund ein Meter dicke Kiesschicht sollen die Gleise schützen. „Über die besonders empfindlichen Weichen haben wir umgedrehte Stahlcontainer gestülpt“, erklärt Gombert. Denn Gleise und Weichen müssen den Abbruch unbeschadet überstehen. Ein etwaiger Austausch ist im engen Zeitplan nicht vorgesehen und wäre auch nicht mal eben so möglich.

Dass die Bagger anfangs auf der Brücke stehen, erklärt Bauleiter Christian Kouba: „Von oben können die Bagger ihre Kraft besser entfalten. Erst wenn der Platz nicht mehr ausreicht, geht‘s komplett unten weiter.“

Wenige hundert Meter von der Schoellerstraße entfernt nutzt noch ein weiterer Bautrupp unter Federführung von Ernst Gombert die achttägige Sperrpause auf der Bahnstrecke. „Wir bereiten parallel den Bau einer Brücke für die neue Ostumgehung vor“, erklärt der Straßenbauer. Spundbohlen für eine Baugrubensicherung müssen eingerüttelt werden. „Bei laufendem Bahnbetrieb wäre das nicht möglich“, erklärt Gombert. Auch ein Hilfsfundament für die künftige B 56n-Brücke wird in den kommenden Tagen errichtet.

Das Hauptaugenmerk von Gombert und seinen Kollegen liegt aber auf dem Brückenabriss. Dienstagmorgen um 3.50 Uhr muss der erste Zug wieder fahren. Alles andere wäre der Supergau, weiß der Projektleiter, schließlich rollt nicht nur der Regional-, sondern auch der Fern- und Güterverkehr über die Bahnstrecke. Jede Minute Verzögerung würde den Landesbetrieb 170 Euro Strafe kosten. Doch danach sieht am Dienstag nicht aus, nur die Staubentwicklung bereitete Ernst Gombert Probleme.

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