Kreuzau: Ausstellung: Über die „Faszination des Augenblicks“

Kreuzau: Ausstellung: Über die „Faszination des Augenblicks“

Ein Bienenfresser hält eine Hummel im Schnabel. Ein anderer, zwei Fotos weiter, hat gerade einen bunten Schmetterling gefangen. Da überkommt den Betrachter dummerweise etwas Mitleid, sieht man in Deutschland in den letzten Jahren doch wenige dieser bunten Insekten. Aber so ist die Natur.

Diese und mehr Fotos von außerordentlicher Qualität und Schönheit warten auf Besucher im Rathaus Kreuzau. Da sitzt und fliegt eine Sumpfohreule, zwei Fotos desselben Eisvogels verwirren. Auf dem rechten Bild ist der Vogel blau, auf dem linken grün. Mathilde Dahmen, die mit ihrem Mann Günther diese wunderbaren Fotos geschossen hat, erklärt: „Je nach Lichteinfall sieht man Eisvögel entweder blau oder grün.“ Ein Wiedehopf im Gras bei der Suche nach Futter, daneben ein Wiedehopf bei der Fütterung der Jungen, recht akrobatisch vor dem Nest.

Sanderling oder Steinwälzer?

Im unteren Büroflur des Kreuzauer Rathauses hängen Fotografien von Vögeln, deren Namen der Laie noch nie gehört hat, geschweige denn den Vogel selbst gesehen. Grauspecht und Graureiher sind vielen Menschen noch bekannt. Aber was ist mit Sanderling oder Steinwälzer?

Ein Purpurreiher bei der Balz, der Zwergsäger füttert gerade seinen Nachwuchs. Da ist der interessierte Beobachter froh, sich an den Basstölpel und den Haubentaucher zu erinnern.

Die wundervollen Fotos mit treffenden Attributen zu belegen, offenbart den Mangel der Sprache, solche Objekte zu würdigen. Da hängen keine Urlaubsfotos oder Schnappschüsse an den Wänden, sondern mit großem Zeitaufwand und meditativer Geduld erarbeitete Bilder aus der Natur, die einem im täglichen Leben selten oder gar nicht begegnen.

„Das geht so“, erzählt Mathilde Dahmen. „Ich baue in unserem Garten ein Beobachtungszelt auf. Drinnen muss ich ausreichend Getränke horten. Dann setze ich mich auf die Lauer, bis der Vogel erscheint und ich vorsichtig den Auslöser drücken kann.“ Zeit dürfe bei der Vogelbeobachtung keine Rolle spielen. Auch das Wetter sei dabei Nebensache. Man müsse vorher nur sorgfältig planen.

Motive für diese Ausstellung haben Günther und Mathilde Dahmen meist in heimischen Gefilden entdeckt: Drover Heide, Naturpark Hohes Venn-Eifel, Nationalpark Eifel, Sophienhöhe, Rurtal.

Bürgermeister Ingo Eßer brachte es bei der Begrüßung der vielen Besucher auf den Punkt. „Trotz der Bilderflut, die täglich auf uns einstürmt“, stellte er fest, „schaffen es immer wieder einzelne Fotografen, unsere Aufmerksamkeit auf sich und ihre Werke zu ziehen.“

Im Rathaus Kreuzau, beschrieb Eßer die Ausstellung, hingen zurzeit große und stille Bilder, die dazu animierten, genau hinzusehen und sich mit ihnen auseinander zu setzen. Eßer beleuchtete die heutige Bilderflut philosophisch. Kaum ein Handy könne nicht fotografieren, das „Selfie“ verschönere den Urlaub.

Die Menschen wüchsen damit auf, fotografiert zu werden und zu fotografieren, um ihre Existenz zu beweisen, urteilte der erste Bürger der Gemeinde.

Die Ausstellung

Zu sehen sind die Fotos von Mathilde und Günther Dahmen bis zum 28. Oktober zu den Öffnungszeiten des Rathauses: montags bis freitags von 8.30 — 12 Uhr, dienstags von 13.30 bis 16 Uhr sowie donnerstags von 13.30 bis 17 Uhr.