Düren: Ausstellung: „Neue Horizonte. Dürener Migrantinnen erzählen“

Düren : Ausstellung: „Neue Horizonte. Dürener Migrantinnen erzählen“

Berrin Penek muss selbst lachen, als sie den Satz sagt: „Ihr seid hier in Deutschland, hier gilt Pünktlichkeit.“ Penek gibt Deutsch-Kurse für Flüchtlinge, vermittelt deutsche Bräuche, erklärt, welche Bedeutung Feiertage wie Ostern haben.

„Neue Horizonte. Dürener Migrantinnen erzählen“ ist der Titel einer neuen Ausstellung, die das Stadtmuseum Düren vorbereitet und ab dem 15. April präsentiert wird. Berrin Penek ist in der Türkei geboren und im Alter von zwei Jahren nach Deutschland gekommen und hier groß geworden. Welche Erfahrungen haben Migrantinnen wie Berrin Penek in Düren gesammelt? Wie verstehen sie den Begriff Heimat? Welche Traditionen führen sie fort?

All diesen Fragen gehen Lisa Haßler und Sarah Höner vom Dürener Stadtmuseum in dem ehrgeizigen Projekt nach. „Wir wollen einen Einblick in das Leben von Dürenerinnen geben und einen subjektiven Blick auf den Heimat-Begriff werfen“, erklärt Lisa Haßler. 22 Frauen mit Migrationshintergrund wurden befragt. „Da sind Frauen dabei, die schon als Kinder von Gastarbeitern nach Deutschland gekommen sind, aber auch Frauen, die zum Beispiel vor Gewalt aus Bosnien geflohen sind“, zeigt Sarah Höner die Bandbreite der befragten Dürenerinnen auf. Eine Erkenntnis der Befragungen: „Alle Frauen haben gesagt, dass sie Düren toll finden und sich hier wohl fühlen.“

Dafür ist neben Berrin Penek auch Etienne Hermanns ein gutes Beispiel. Die Brasilianerin ist vor 13 Jahren nach Düren gekommen — der Liebe wegen. „Ich hatte gar keine Vorstellung davon, was mich hier in Deutschland erwarten würde“, erzählt sie, sie sprach kein Wort Deutsch, ihr war es viel zu kalt in der neuen Heimat. Aber die rheinische Mentalität kam ihr entgegen, eher aber vermutlich noch der ihr eigene Humor. „Wenn wir irgendwohin zu spät kommen, glauben alle immer, dass das an mir liegt. Dabei liegt es eher an meinem Mann“, erzählt sie grinsend und fügt noch hinzu: „Mein Mann ist jetzt cooler geworden“, soll heißen: er profitiert von ihrer brasilianischen Mentalität.

Berrin Penek ist die Tochter eines Gastarbeiters, kam 1975 nach Düren — und tat sich anfangs schwer. „Ich hatte schlechtere Noten, nur weil ich aus der Türkei kam. Das ging auch anderen Kindern mit ausländischen Wurzeln so“, erinnert sie sich. Sie hatte das Gefühl „Hier will mich keiner“, wechselte für ein halbes Jahr in eine Schule in die Türkei und machte dort eine neue Erfahrung: „In Deutschland war ich das türkische Mädchen, in der Türkei plötzlich die Deutsche.“ Berrin Penek hat sich in Düren durchgesetzt, wurde später Klassensprecherin, besuchte die Höhere Handelsschule und hat ihre kreative Ader entdeckt. Heute malt sie, schreibt Romane.

„Andere Frauen haben die gleiche Erfahrung in der Schule gemacht — nur 20 Jahre später“, erzählt Sarah Höner aus den Gesprächen mit anderen Migrantinnen. So ganz hat auch Berrin Penek das Thema nicht losgelassen. Wenn ihr achtjähriger Sohn heute aus der Schule kommt, fragt sie immer nach. „Ja Mama, es ist alles in Ordnung in der Schule“, bekäme sie dann als beruhigende Antwort zu hören. Für Berrin Penek ist es gar keine Frage, dass Düren ihre Heimat ist. Manchmal wundert sie sich selbst, wie sehr sie typisch deutsche Tugenden übernommen hat, erscheint selbst zum Gespräch im Stadtmuseum vorsichtshalber 15 Minuten früher.

„Das Thema Migration wird oft aus Männersicht erzählt“, sagt Lisa Haßler. Die Sicht der Frauen zu erforschen sei nicht nur deshalb spannend, weil sie zu kurz komme, sondern weil vor allem das Bild vorherrsche, die Frauen würden die Sprache kaum beherrschen, sich eher im häuslichen Umfeld bewegen. In der heutigen Zeit ein falsches Bild, wie Lisa Haßler und Sarah Höner festgestellt haben.

Sie haben nach 22 Gesprächen mit Dürener Frauen aber noch eine andere Erfahrung gemacht: „Man gewinnt einen ganz anderen Blick auf die eigene Heimat. Man hinterfragt sich selbst“, erzählt Sarah Höner. Etwa bei ganz simplen Aussagen: Wer türkisch-stämmigen Bürgern vorhält, sie würden immer nur unter sich bleiben, könnte sich fragen, wie er es denn eigentlich selbst hält. Denn: „Auch wir könnten vielmehr davon profitieren, dass Düren bunt ist.“

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