Vettweiß: Ausgezeichnete Geschäftsidee: oberflächenverändernde Lacke

Vettweiß: Ausgezeichnete Geschäftsidee: oberflächenverändernde Lacke

Jede Hausfrau und jeder Hausmann würden etwas dafür geben, wenn sie nicht mehr putzen müssten. Diesen Traum kann Kerstin Brake-Schöneis nicht unbedingt erfüllen, aber was für die Hausfrau gilt, gilt so ähnlich auch für die freie Wirtschaft.

Unternehmensgründerin Kerstin Brake-Schöneis kann mit sehr speziellen Lacken Oberflächen an Produkten so verändern, dass sie neue Eigenschaften aufweisen. Das ist zwar keine grundsätzlich neue Idee, aber es gibt bisher kaum jemanden, der dies für Kunden auch gebündelt in einer Hand anbietet. Und weil die Geschäftsidee überzeugend ist, wurde das in Gründung befindliche Unternehmen Wibotec Surfaces beim Gründerwettbewerb AC2 in diesem Jahr mit dem dritten Preis bedacht.

Foto: Burkhard Giesen

„Dieser Preis ist unser erstes Aushängeschild“, freut sich Kerstin Brake-Schöneis. „Schließlich sitzen in der Jury auch erfahrene Unternehmer, die unsere Idee für gut befunden haben.“ Insofern ist der Preis deutlich mehr wert, als die 5000 Euro Preisgeld: „So eine Urkunde kann zum Beispiel dabei helfen, wenn wir einen Kredit benötigen. Und: Natürlich wird auch durch die Teilnahme an dem Gründerwettbewerb unser Netzwerk weiter ausgebaut.“

Foto: Burkhard Giesen

Zurück zur Grundidee. Kerstin Brake-Schöneis hat ein simples Beispiel für den Einsatz der entwickelten Lacke parat: „Wir können Akustikplatten in Hörsälen beschichten, die dann schmutzabweisend sind, oder aber Metallgewebe von Förderbändern, so dass nichts mehr anhaftet.“ Zum Beispiel bei der Teppichproduktion. „Wenn der Teppichboden am Band nicht anhaftet, muss nicht nur das Band nicht mehr gesäubert werden, sondern es gibt auch keinen Stillstand in der Produktion“, erläutert Kerstin Brake-Schöneis.

Das Demonstrationsobjekt: Zieht der Wassertropfen in die unbehandelte Pappe ein, perlt er von der lackierten Pappe ab. Foto: Burkhard Giesen

Das Überzeugende an der Geschäftsidee ist aber etwas ganz anderes: „Wenn man für ein spezielles Produkt einen Lack mit bestimmten Eigenschaften sucht, gibt es eigentlich kaum jemanden, der eine Problemlösung aus einer Hand anbieten kann. Große Produzenten interessiert es nicht, wenn sie nur eine geringe Menge Lack für einen ganz speziellen Zweck suchen, weil sie daran kaum etwas verdienen können“, erklärt Kerstin Brake-Schöneis. Hinzu kommt, dass das Vettweißer Unternehmen Kleinmengen wirtschaftlicher und vor allem schneller produzieren kann.

Die Palette der Anwendungsmöglichkeiten ist weit gesteut. Sie reicht von der Medizintechnik über den Maschinenbau bis hin zur Textilindustrie.

Anfang nächsten Jahres will das kleine Unternehmen in der Gemeinde Vettweiß an den Start gehen. Derzeit entstehen in Kettenheim die Produktionsräume mit eigener Entwicklung. Gut eine halbe Million Euro investiert die Geschäftsgründerin. Bis zu zehn Mitarbeiter, so die Planung, dürften dann einen neuen Job finden. „Wir sehen uns als Ideenschmiede für Oberflächen. Wir setzen uns aber nicht ins Kämmerlein und fragen, ‚was braucht die Welt?‘“

Es ist genau umgekehrt: Weil Kerstin Brake-Schöneis durch ihr Studium und die frühere Arbeit im Institut für neue Materialien in Saarbrücken gut vernetzt ist, wird sie in sehr vielen Fällen direkt von potenziellen Kunden angesprochen und bereits in der Entwicklungsphase als Problemlöser hinzugezogen. Ein Problem hat sie aber noch nicht gelöst. „Unser Kerngeschäft ist der industrielle Einsatz“, sagt Kerstin Brake-Schöneis. Das ist leider noch ein deutlicher Dämpfer für alle Hausfrauen und Hausmänner.

(bugi)
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