1. Lokales
  2. Düren

Schlussandacht der Anna-Oktav: Aus der Gemeinsamkeit Mut und Stärke schöpfen

Schlussandacht der Anna-Oktav : Aus der Gemeinsamkeit Mut und Stärke schöpfen

Gläubige haben zum Abschluss der Anna-Oktav eine feierliche Andacht erleben können. Aachens Dompropst Rolf-Peter Cremer gab eindringliche Impulse zum Leitmotiv „Mutig und stark!“.

Acht Tage lang standen mutige Frauen der Heilsgeschichte, die für gesellschaftliche und politische Veränderungen eingetreten sind, im Mittelpunkt der Anna-Oktav. Aachens Dompropst Rolf-Peter Cremer gab am Sonntagabend im Rahmen der Schlussandacht den Gläubigen einen Impuls zum Leitmotiv „Mutig und stark!“ mit auf den Weg in die neue Woche. „Es war wichtig, auf den Mut und die Stärke dieser Frauen hinzuweisen. Die Rolle der Frauen wurde über die Jahrhunderte oft genug von Männern verengt und verkleinert“, predigte Cremer, bevor mit der Schließung des Annaschreins die Oktav endete.

Der Dompropst zählte ein weiteres Vorbild auf: Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf, besser bekannt als Pippi Langstrumpf. In den Romanen von Astrid Lindgren ein selbstbewusstes Mädchen mit Sommersprossen, das vieles hat, wonach sich Kinder sehnen: ein Pferd, eine Villa und Unabhängigkeit. Sie ist zudem ein Mädchen, das sich gegen die tradierten Rollenbilder der Frauen stemmt und Gleichberechtigung (vor-)lebt. Leitsatz ihres Handels ist stets, dass Stärke den Zweck hat, Nicht-Starke zu unterstützen.

„Stark sein – diese Sehnsucht erfüllt meist die Männer“, mutmaßte Cremer. Es gehe um den Beweis, wer die meiste Kraft hat, die meisten Waffen, das meiste Geld. Ein Bild der Stärke, dem auch die Kirche über Jahrhunderte nachgeeifert habe. „Dies führte oft zu einer unreflektierten Macht von Männern“, warnte der Dompropst, auch die Gefahren nicht ausklammern, die von dieser Eigenschaft ausgehen, wenn Stärke zum Selbstzweck wird, andere niedergemacht werden und allein Stärke alles rechtfertigt. Auch vor diesem Hintergrund sollte die Frage betrachtet werden, ob Frauen in der katholischen Kirche der Zugang zu allen Ämtern und Funktionen ermöglicht werden soll. „Nicht, um eine neue Stärke zu zeigen, sondern männliche Macht zu relativieren“, regte Cremer an.

Und wie steht es um den Mut? „Wir wissen, wie schwer es ist, keine Angst zu haben“, sagte Cremer. Mut sei zunächst ein positiv besetzter Begriff. Mutige sind Menschen, die etwas tun, zu dem wir selbst nicht in der Lage sind, weil wir uns nicht trauen. Cremer: „Mut kann aber auch mit Blindheit verknüpft sein.“ Eine Prise Vernunft helfe, Mut von Übermut zu unterscheiden. Zum Mut gehörten eben auch Überlegung, Planung und Vernunft. Cremer: „Wie gehen wir damit um, wenn wir nicht stark und mutig sind? Die uralte Erfahrung des Christ-Seins kann uns helfen, aus der Gemeinsamkeit Mut und Stärke zu schöpfen. Das Beispiel dieser acht Frauen machte während der Oktav deutlich, wie einen die Gemeinschaft tragen kann.“

Zum Abschluss stand die Frage im Raum, ob Gott selbst stark und mutig ist. „Er setzt den Kreislauf von gegenseitigem Aufrüsten außer Kraft. Zeichen Gottes ist nicht das des starken Schwertes, sondern des schwachen Kreuzes. Seine Stärke ist die vermeintliche Schwäche, sein Mut, sich auf andere einzulassen“, betonte Rolf-Peter Cremer.

Bereits am Nachmittag des Abschlusstages fand eine „Kirchenführung mit allen Sinnen“ statt, bei der auch ein Film zu sehen war, in dem Maria Schwarz, die Witwe des Architekten Rudolf Schwarz, zu Wort kommt. Die Frage, ob aus dem Trümmerhaufen des Zweiten Weltkriegs die Kirche originalgetreu wiederaufgebaut oder ein radikal moderner Neubau die bewegte Geschichte des Sakralbaus weiter fortschreiben sollte, war in den Nachkriegsjahren nicht unumstritten.

Diese Entstehungsgeschichte rief abends in der Schlussandacht Pastor Hans-Otto von Danwitz erneut in Erinnerung. Die moderne Annakirche sei wie ein großer Schutzmantel für die Menschen, wie eine mütterliche Umarmung. „Es ist gut, angesichts des Krieges in der Ukraine das Aachener Friedenskreuz heute hier zu haben – um Mut zu schenken und Kraft zu schöpfen.“

(sce)