Düren: Aus den Gastgebern werden jetzt Gäste

Düren: Aus den Gastgebern werden jetzt Gäste

14 Jugendliche aus Düren machen sich mit ihren Begleitern Berthold Becker vom städtischen Jugendamt und Schulsozialarbeiterin Katrin Malig auf zu einer Reise nach Israel.

Sie ist Teil eines seit 1987 bestehenden Austauschprogramms zwischen jungen Leuten aus Nesher in Israel und aus der Rurstadt Düren, das vom Jugendamt der Stadt Düren in Zusammenarbeit mit dem Stadtjugendring organisiert wird. Berthold Becker hat den Austausch, der ihm spürbar am Herzen liegt, von Anfang an begleitet.

Gemeinsam nach Berlin

Im Frühjahr waren Gäste aus Israel in Düren, damals lernte sich die deutsch-israelische Gruppe auf einer fünftägigen Fahrt nach Berlin bereits intensiv kennen. Nun steht der Gegenbesuch an, aus den deutschen Gastgebern werden Gäste. Aber sie fahren nicht nur „mal eben so“ nach Israel. In fünf intensiven Vorbereitungstreffen informieren sich die Jugendlichen über die Geografie, die Wirtschaft, die Geschichte und den Glauben des Landes, das sie im Oktober besuchen wollen.

Zuletzt standen die Themen Geschichte und jüdischer Glaube auf dem Programm des Treffens. Mehrere Schülerinnen haben sich auf das Thema Geschichte Israels seit der Staatsgründung 1948 vorbereitet und greifen dabei auch Aspekte auf, welche mehr als 2000 Jahre zurückliegen, die aber wichtig sind, um heutige Entwicklungen einordnen zu können. Die Palästinenser und deren Sicht der Dinge gehören dazu, wenn man aus der Geschichte heraus die aktuellen Problemlagen einordnen will.

Die Jugendlichen tun das sehr interessiert und durchaus kritisch, auch im Austausch mit Axel Holst, dem Vorsitzenden der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Aachen, dem Aachener Rabbiner Mordechai Bohrer sowie dem Experten für Reisen nach Israel, Gabriel Folian. „Warum jeder Jude mit dem Staat Israel verbunden ist“, wollten die Jugendlichen wissen und was das für Riemen sind, mit denen sich ein Gastschüler aus Israel beim Beten die Arme umwickelt hat.

Kritische Fragen

Rabbiner Mordechai Bohrer beantwortete die Glaubensfragen, erklärte, warum er eine Kopfbedeckung trägt, was koscher bedeutet und vieles mehr. Auch kritische Fragen wurden gestellt: Was ist mit den Menschen passiert, die vorher in dem Gebiet lebten, das heute Israel ist? Wurden sie vertrieben, umgesiedelt, sind sie geflohen?

Darüber hinaus erfuhren die Schüler an diesem Nachmittag eine Menge Fakten über Israel. Gabriel Folian erzählt, dass jeder Jude, egal woher er kommt, sofort ein Anrecht auf die israelische Staatsbürgerschaft hat, wenn er nach Israel emigriert. Zurzeit, so weiß er zu berichten, sind es vorwiegend Juden aus Frankreich, die täglich in Israel eintreffen, um, hier zu bleiben.

Für Berthold Becker vom Dürener Jugendamt ist die intensive Vorbereitung auf die Reise wichtig, damit die Jugendlichen sich ihr eigenes Bild machen, ihre eigene Meinung bilden können. Der Nah-Ost-Konflikt ist beim nächsten Vorbereitungstreffen der Jugendlichen das Thema.