Kreuzau: Auftakt zum Kreuzauer Masterplan: Bürger nennen Probleme und Potenziale

Kreuzau: Auftakt zum Kreuzauer Masterplan: Bürger nennen Probleme und Potenziale

Der bleibende Eindruck vorweg: In der Festhalle Kreuzau hatte sich ein munteres Völkchen von Bewohnern des Zentralortes eingefunden, um sich zu informieren, ihre Nöte und Sorgen loszuwerden sowie negative und positive Anmerkungen zur Ist-Situation in ihrem Dorf zu artikulieren.

Der Rat der Gemeinde, teilte Bürgermeister Ingo Eßer bei der Begrüßung mit, hatte einstimmig beschlossen, die Planungsgruppe MWM aus Aachen zu beauftragen, einen so genannten „Masterplan“ zu erstellen, aus dem die Bürger erkennen können, wo Kreuzau Schwächen hat und wo seine Stärken liegen. Erst aufgrund dieser Erkenntnisse sei es möglich, Kreuzau als Handels- und Geschäftszentrum zu erhalten und für die Zukunft fit zu machen.

Aufmerksam hörten Bürgermeister Ingo Eßer (Mitte) und Kollegen der Verwaltung den Ausführungen zu.

Jan Siebenmorgen und sein Kollege Bernd Niedermeier, Mitarbeiter des Planungsbüros, stellten den interessierten Männern und Frauen vor, wie sie an das Endziel eines erneuerten Kreuzaus gelangen wollen. Dabei ließen beide Experten keinen Zweifel daran, dass sich alle daran beteiligen müssten, um ein möglichst tragfähiges und nachhaltiges Ergebnis zu erreichen.

Zu Beginn der Auftaktveranstaltung erläuterten Siebenmorgen und Niedermeier den Ist-Zustand des Ortes. Dazu nahmen sie Fotos zu Hilfe, die Mängel im Ortsbild deutlich erkennen lassen. Ein trockener Springbrunnen mit einem verwaisten Spielgerät mitten im Ort lädt Menschen nicht unbedingt zum Verweilen ein. Schüler ortsansässiger Schulen hatten mehrere Tage an verschiedenen Verkehrsknotenpunkten den Verkehr, getrennt nach Schwerlast- und Personenverkehr, gezählt. Auf den Parkplätzen wurden Autos und ihre jeweilige Verweildauer vermerkt.

Deutlich wurde in der späteren Befragung und in den Diskussionsbeiträgen die große Unzufriedenheit mit der Verkehrssituation und den „Nebenwirkungen“ einzelner Firmen, die in Kreuzau die Umwelt belasten.

Bernd Niedermeier stellte die Bevölkerungsstruktur in Zeichen eines kontinuierlichen Älterwerdens vor. Leerstände von Wohnhäusern und Ladenlokalen führen zurzeit zu einem negativen Ortsbild. Viele Bewohner vermissen einen Drogeriemarkt, es fehlen Ruhezonen mit Bänken, ein ausgewogener ÖPNV abends und nachts wurde stark bemängelt.

Viele Potenziale werden versteckt: Wo fließt der Drover Bach, was ist mit der Rur, wo sind die ehemaligen Teichwochen, als der Mühlenteich einmal im Jahr gesäubert und seine Ufer gepflegt wurden? Grundsätzlich fehlten, so einige Stimmen in der Diskussion, Konzepte, Mängel abzustellen. Eine kompromissbereite Kommunikation zwischen Bürgern und Industrie sollte auf die Agenda gesetzt werden.

Dabei dürfe man den kulturellen Standort Kreuzaus nicht aus dem Blick verlieren, der zurzeit noch auf einem guten Level sei. Den Bau einer Ortsumgehung bezweifelte Ingo Eßer, weil sie wegen der vielen Querungen und der hohen Kosten nicht durchführbar sei. Durchdachte Konzepte sind gefragt.

Bis Ende 2017 muss der Masterplan für den Zentralort fertig sein. Dann erst, so Siebenmorgen, könnten Fördergelder aus NRW fließen.