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Heimbach: Auf Expedition in der Schatzkammer Rureifel

Heimbach : Auf Expedition in der Schatzkammer Rureifel

„Schön, dass Heimbach als Zentrum der Rureifel angesehen wird”, freute sich Erich Schmidt, Leiter des Wasser-Info-Zentrums Eifel, als in seinen Räumen das neueste Buch des Reiseschriftstellers Christoph Wendt vorgestellt wurde.

„Das Interesse an regionaler Literatur nimmt zu, und so haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, die Region zu pflegen”, erklärte Hans Jürgen Meyer, Chef des Aachener Verlagshauses Meyer & Meyer, zu Beginn der Buchpräsentation. „Heimbach und die Rureifel” heißt der druckfrische Wanderführer des Monschauer Journalisten Christoph Wendt, der Lust auf Streifzüge durch die Rurgemeinden Heimbach, Nideggen, Kreuzau und Hürtgenwald weckt.

Nach dem Abitur wollte Wendt eigentlich Forstwirtschaft studieren. Doch sein „Traumberuf” scheiterte an seiner schlechten Abi-Note in Mathematik: Er wurde gar nicht erst zu diesem Studiengang zugelassen. Damals entschied er sich für Jura und führte von 1964 bis 1976 eine kleine Anwaltpraxis in Monschau. „Nie mit Begeisterung”, wie er Jahrzehnte später eingesteht. Kurz entschlossen hängte er seine Anwaltsrobe an den Nagel und studierte Kunstgeschichte. Gleichzeitig begann seine weltweite Tätigkeit als freier Reisejournalist für in- und ausländische, renommierte Zeitungen. Seine Liebe zu Flora und Fauna, sowie seine Passion für die Kunst ist auch aus dem neuesten Werk herauszulesen.

Akribisch recherchiert

Akribisch recherchiert, beschreibt der Autor auf 160 Seiten die kultur- und naturrelevanten Höhepunkte der vier Gemeinden. Die Rureifel sei eine „Schatzkammer”, rühmt er die Region. Egal ob Drover Heide oder die Buntsandsteinformationen entlang der Rur, Christoph Wendt kennt die Landschaft wie seine Westentasche. Immer wieder macht er auf die botanische Artenvielfalt aufmerksam und räumt - mit launig eingestreuten Anekdoten - mit manchem Aberglauben auf.

Zudem führt er zu verborgenen, kunsthistorischen Kostbarkeiten, die manchmal selbst die Einheimischen nicht (er)kennen. Er riskiert auch einen Blick auf den angrenzenden Dürener Stadtteil Lendersdorf, dessen Kirche ein kunsthistorisches Kleinod beherbergt, das im 19. Jahrhundert Mittelpunkt eines dreisten Kunstbetruges wurde. Auch den verheerenden Schlachten im Hürtgenwald, die 70.000 deutschen und US-amerikanischen Soldaten das Leben kostete, widmet Wendt angemessenen Raum. „Es war bedrückend, sich mit der Hölle im Hürtgenwald zu beschäftigen”, schildert der Journalist, der - 1935 geboren - als kleiner Junge den Zweiten Weltkrieg selbst erlebte.

Ausführlich beleuchtet er die Rolle des späteren Literaturnobelpreisträgers Ernest Hemingway, der 1944/1945 als Kriegsberichterstatter der Amerikaner über das Inferno berichtete. Christoph Wendts Buch, das er mit 170 eigenen Fotografien bebilderte, ist eine Fundgrube für Menschen, die sich mit der Region Rureifel intensiv auseinandersetzen wollen.

Trotz aller Begeisterung schlägt er auch kritische Töne an. Kritisiert, dass immer häufiger Naturerlebnisse - wie Wandern im Nationalpark, Klettern oder Kanufahren -„in typisch deutscher Manier reglementiert” werden. Macht darauf aufmerksam, dass vielerorts noch genaue Ausschilderungen der Wege und Hinweisschilder zu den Wanderparkplätzen fehlen. Und dass mittlerweile jeder Erlebnis-Pfad „Trail” heißen muss, ist ihm ein Dorn im Auge.

Wendt schreibt bereits am nächsten Buch, seinem zweiten Band über die „Schönsten Kirchen der Eifel”, der im Sommer erscheinen soll. „Die historische Kirche von Vlatten, St. Dionysius, wird auch darin vertreten sein”, verrät der Autor. Der Band „Heimbach und die Rureifel” ist für 14,95 Euro unter der ISBN-Nummer 978-3-89899-695-2 im Buchhandel erhältlich.