Düren: Auf den Spuren des ermordeten Großvaters

Düren: Auf den Spuren des ermordeten Großvaters

Den Besuch einer Partnerschaftsdelegation aus der israelischen Stadt Ramla in Moers nutzten Claudio und Iris Rusansky zu einem Besuch in Düren, der Stadt ihrer Vorfahren.

Die Familie Julie und Alfons Ullmann betrieb in Düren an der Kreuzstraße eine große Getreide- und Futtermittelhandlung. Im Dezember 1935 flohen sie mit den zehnjährigen Zwillingstöchtern Edith und Inge nach Arnheim in den Niederlanden. Nur geringe finanzielle Mittel konnten sie dabei mitnehmen, wurden aber trotzdem vom Deutschen Reich kriminalisiert. Zur Begleichung ihrer „Schuld“ aus der „Reichsfluchtsteuer“ wurde ihr verbliebenes Vermögen, darunter auch das Wohnhaus an der Kölnstraße 111, eingezogen.

Im Zuge der Verhaftungswelle in Holland wurde die Familie am 18. November 1942 in das Lager Westerbork eingeliefert und von dort am 30. März 1943 nach Sobibor deportiert, wo die Eltern kurz danach und die Zwillinge im Januar 1945 ums Leben kamen.

Der 1915 geborene Sohn Werner Friedrich war im Dezember 1935 nicht mit seiner Familie nach Holland emigriert, sondern hatte sich für Argentinien entschieden. Dadurch überlebte er als Einziger und verstarb 1984 in Buenos Aires.

Sein Enkel Claudio Rusansky wollte sich jetzt auf die Spuren seines Großvaters begeben. Im Stadtmuseum zeigten ihm Ludger Dowe und Bernd Hahne von der Dürener Geschichtswerkstatt Unterlagen zu seiner Familie, die, im 19. Jahrhundert aus Rödingen kommend, in Düren geschäftlich sehr erfolgreich war. Anschließend führte der Weg zum ehemaligen Wohnhaus an der Kölnstraße 111, vor dem Stolpersteine an das Schicksal der Familie erinnern.

Auf dem jüdischen Friedhof schließlich legten Claudio und Iris Rusansky nach jüdischer Sitte auf zahlreiche Grabsteine des Ullmann-Familienverbandes, darunter auch den des Ururgroßvaters Susmann Ullmann, geboren 1826, zum Gedenken kleine Steine. Begleitet wurden die Rusanskys in Düren außerdem vom Ehepaar Ohl, das sie in Moers betreute, und Monika Grübel von der LVR-Landsynagoge Rödingen.

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