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Düren: Auch für kleines Geld groß einkaufen

Düren : Auch für kleines Geld groß einkaufen

Schlafzimmer- und Küchengarnituren laufen wie geschnitten Brot. Gerade erst aufgebaut, finden sie oft noch am selben Tag einen Käufer. „Das braucht man als erstes”, sagt Tino Walter. „Was zum Kochen und was zum Schlafen.”

Die Menschen, die sich im Zweite-Hand-Möbelhaus „Nutz und Nippes” nach Einrichtungsgegenständen für ihre Wohnung umschauen, haben in aller Regel wenig Geld. Für das Wenige, das sie hergeben können, bekommen sie hier, was sie dringend brauchen. Grundausstattung nennt sich so was. Die braucht man zum Überleben.

Wenn man sich mit „Nutz und Nippes” beschäftigt, muss man die Einrichtung der Dürener Gesellschaft für Arbeitsförderung (DGA) immer von zwei Seiten betrachten. Auf der einen Seite gibt es die Kunden. Und auf der andere Seite gibt es die Mitarbeiter und Maßnahmenteilnehmer: Auch mit ihnen hat es das Leben nicht immer gut gemeint. Arbeitslosigkeit und Existenznöte sind für sie keine Fremdwörter. Durch ihre Tätigkeit für die DGA bietet sich ihnen wieder eine berufliche Perspektive. Und das gute Gefühl, für den eigenen Lebensunterhalt selbst aufkommen zu können.

So wie Tino Walter. Als Ein-Euro-Jobber hat er vor fünf Jahren im Möbelhaus an der Friedrichstraße angefangen, heute ist er ausgebildeter Einzelhandelskaufmann mit Ausbilderschein. Eine Erfolgsstory. So würde es Walter vielleicht nicht sagen, aber er weiß: „Das ist das Beste, was mir passieren konnte. Ich fühle mich wohl hier.”

Das Sortiment von „Nutz und Nippes” verteilt sich auf zwei Etagen und 700 Quadratmeter. Oben finden sich die Schlafzimmermöbel, untern der ganze große Rest - darunter auch Antiquitäten und einige Liebhaberstücke aus Großmutters Vitrine. Die einen würden bemalte Wandteller mit Postkartenmotiven als Nippes bezeichnen, für die anderen sind sie echte Blickfänger. Über deren Nützlichkeit kann man sich natürlich streiten. Aber es darf ja auch nicht immer nur darum gehen. Das feilgebotene Mobiliar stammt meist aus Haushaltsauflösungen oder Entrümpelungen. Dafür zuständig ist eine andere Abteilung der DGA: die Wohnwerker. Man arbeitet Hand in Hand.

„Wenn die Leute sich gemeldet haben, machen wir einen Besichtigungstermin aus und schauen uns die Sachen an”, sagt Walter. Die Möbel seien für die Menschen nicht einfach nur Dinge, sondern Teil ihrer Lebensgeschichte”, weiß er. Und das seien oft genug traurige Geschichten. In der Werkstatt nebenan werden die Gebrauchtmöbel dann aufgearbeitet, wenn nötig. Die Preise sind moderat. Denn: „Es muss fair bleiben für die Leute.”

Zuletzt ist das Möbelhaus in die unendlichen Weiten des Internets vorgestoßen. Über das Auktionshaus Ebay werden ausgesuchte Objekte aller Art in aller Welt versandt. Jörg Altendorf hat bereits Pakete zusammen gestellt, die auf die lange Reise nach Australien, Japan oder Argentinien geschickt wurden. „Das sind natürlich keine Selbstabholer”, sagt Altendorf und lächelt.

Seit Anfang des Jahres ist der gelernte Informatikkaufmann bei der DGA angestellt über das Programm Jobperspektive. Zwei Jahre hat er auf dieses Ziel hingearbeitet. Jetzt ist er zuständig für den Ebay-Shop des Möbelhauses. Über seinem Schreibtisch - selbstverständlich mit einem Computer ausgestattet - hängt an der Wand eine überlebensgroße Micky Maus. Und lächelt. Der Stuhl von Designer Egon Eiermann ist ein gutes Beispiel für so ein Liebhaberstück, das Kenner international in Entzücken versetzt.

Hans Viehs, der Chef von Jörg Altendorf und zuständig für die Online-Vermarktung, hat ein Auge für solche Schätzchen aus den 50er Jahren. Geradezu ein „Ikone” sei das schlichte Sitzmöbel, findet er. Ergattert hat „Nutz und Nippes” eine ganze Reihe davon. Präsentiert werden sollen einige Exponate während des 50er-Jahre-Festivals im August.

Kerngeschäft bleiben allerdings Alltagsmöbel zum kleinen Preis. „Wir haben alle dasselbe Ziel”, sagt Walther. „Der Laden soll laufen.” Siehe auch „Zwei Fragen an”