Heimbach: Arbeitskreis Spannungen: Bilanz des Kammermusikfestivals

Heimbach: Arbeitskreis Spannungen: Bilanz des Kammermusikfestivals

Wer eine Bilanz zieht, könnte über Zahlen sprechen. Über 6000 Karten beispielsweise, die der Arbeitskreis Spannungen als Organisator des gleichnamigen Kammermusikfestivals verkauft hat. Über die Nachfrage, die gereicht hätte, an manchen Abenden die Turbinenhalle des Heimbacher Jugendstilkraftwerks doppelt und dreifach zu füllen.

Doch Dr. Hans-Joachim Güttler, der Vorsitzende des Arbeitskreises, wählt einen anderen Ansatz, auf die Festivalwoche zurückzublicken. „Die Zuhörer haben außergewöhnliche Musik-Ereignisse erlebt”, schlägt Güttler eine emotionale Saite an.

Seine Augen leuchten, wenn er über die „Tiefe der Interpretation” redet, die „Frische” und ja, zum Teil auch den experimentellen Charakter des Ganzen. Der Schlussakkord vom Sonntagabend mag verhallt sein, doch die einzelnen Konzerte klingen in ihrer Intensität wohl bei vielen Besuchern nach.

„Bei uns spielen Künstler Werke, die vielleicht nur wenige Stunden gemeinsam geprobt haben”, sagt Güttler im Gespräch mit der unserer Zeitung. Es sind keine ausgetretenen Wege, die die vom Pianisten und künstlerischen Direktor Lars Vogt eingeladenen Spitzenmusiker bei Spannungen beschreiten.

Sie wagen etwas, riskieren etwas, sie stellen sich selbst auf die Probe - das macht für Hans-Joachim Güttler einen Teil des Reizes aus. Es mag nicht immer alles hundertprozentig perfekt sein. „Aber es ist stets berührend und emotional ergreifend”, findet Güttler.

Zugleich werde auch das Festival auf diese Weise immer wieder neu belebt. Kurzum: Es steckt viel Herzblut in diesem Fest der Kammermusik. Sei es bei den Musikern, sei es bei den Organisatoren. „Ich wundere mich selbst, wie meine Kollegen das neben der beruflichen Tätigkeit schaffen”, zollt Hans-Joachim Güttler den ehrenamtlich tätigen Mitgliedern des Arbeitskreises Respekt.

Herzblut ist keine falsche Vokabel, um rückblickend über Spannungen zu schreiben. So ist auch kaum verwunderlich, dass die Arbeit mit Jugendlichen und Schülern während der Festivalwoche und über das ganze Jahr hinaus einen hohen Stellenwert genießt. „Es gibt noch andere Dinge im Leben als Dschungelcamp und Deutschland sucht den Superstar”, umreißt Güttler griffig den Ansatz der Organisatoren, Jugendlichen Ohren und Herz für klassische Musik zu öffnen.

Der Arbeitskreis hat mit Hilfe von Sponsoren in diesem Jahr erstmals neben drei Stipendien für junge Musiker auch zwei Förderpreise vergeben (wir berichteten). „Wir wollten ein deutliches Zeichen setzen”, sagt Güttler.

Es gehe dem Arbeitskreis auch darum, Berührungsängste zu einer vermeintlich elitären Welt der Kammermusik abzubauen. „Viele junge Menschen lehnen klassische Musik nicht ab. Sie kennen sie erst gar nicht”, sagt Güttler. Dass ein Besuch bei Spannungen als Türöffner dienen kann, habe sich mehr als einmal gezeigt.

Möglich sei all dies aber nur Dank der Unterstützung der Sponsoren, spricht Hans-Joachim Güttler im Namen des Arbeitskreises allen Gönnern seinen Dank aus. Wer über Spannungen redet, kann die Finanzierung nicht außen vor lassen. „Die Basis des Ganzen ist das Kraftwerk”, sagt Güttler mit Blick in Richtung Hauptsponsor.

Rege Unterstützung gebe es aber auch aus der Dürener Industrie. Auch im Jahr 2013 wird das Kraftwerk zum Konzertsaal. Die Tinte unter dem Vertrag sei getrocknet. „Für die kommenden Verhandlungen bin ich sehr zuversichtlich”, wagt Hans-Joachim Güttler einen Blick ins Jahr 2014.

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