Anngret Kramp-Karrenbauer beim Luftwaffengeschader "Boelcke"

Kramp-Karrenbauer in Nörvenich : Zum Antrittsbesuch ins Jet-Cockpit

Annegret Kramp-Karrenbauer besucht Fliegerhorst in Nörvenich

Die Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer besuchte am Freitag den Fliegerhorst Nörvenich und suchte das Gespräch mit den Soldatinnen und Soldaten des Taktischen Geschwaders „Boelcke“.

Vor wenigen Tagen debattierte man in Deutschland darüber, ob es erforderlich ist, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer in zwei unterschiedlichen Flugzeugen nach New York unterwegs sind. Als die Bundesmaschine am Freitagmorgen auf der Bahn des Luftwaffenstützpunkts Nörvenich landete, spielte dies keine Rolle. Die Bundesministerin reiste zum Antrittsbesuch aus Berlin-Tegel an und hatte dafür das Taktische Luftwaffengeschwader 31 „Boelke“ auserkoren.

Von Nörvenich aus wird der deutsche Luftraum überwacht, wenn dies aufgrund von besonderen Wetterlagen im ostfriesischen Wittmund oder bayerischen Neuburg nicht möglich ist. 28 Eurofighter, jeweils elf Tonnen schwer, stehen aktuell dafür auf dem Fliegerhorst Nörvenich bereit. Die meisten Flüge dienen der Übung: Material und Piloten dürfen nicht einrosten, um schnell bereit sein zu können. Auch im Frieden bestehen Szenarien, die einen Einsatz erforderlich machen. Wenn ein Flugzeug ohne Erlaubnis über Deutschland unterwegs ist zum Beispiel. Genau einen solchen Fall simulierte man am Freitag vor den Augen der Bundesministerin, die anschließend lobte: „Ich bin beeindruckt von den Fähigkeiten der Soldatinnen und Soldaten hier.“

Das hört das Luftwaffen-Ohr gerne, machten doch in der Vergangenheit oft Nachrichten die Runde, dass man zwar durchaus viele Fahrzeuge vorhalte, die wenigsten allerdings einsatzfähig seien. Annegret Kramp-Karrenbauer macht keinen Hehl daraus, dass man in der Vergangenheit gespart hat und dies ein Fehler war. Aber nun habe man den Schalter umgelegt. Es steht mehr Geld zur Verfügung, das nicht nur in neue Waffentechniken wie die Nachfolge des Tornados, sondern auch in die bessere Ausstattung an den Standorten gesteckt werden soll.

Der aktuelle Kommodore des „Boelcke“-Geschwaders, Danilo Schlag, dürfte sicherlich auch den ein oder anderen Wunsch gehabt haben. Größtenteils war er damit beschäftigt, der Christdemokratin den Stützpunkt, die Waffentechnik und Einsatzformen zu erläutern. Begleitet wurde er dabei vom Luftwaffeninspekteur der Bundeswehr, Ingo Gerhartz. Für ihn war es ein Wiedersehen mit seiner alten Wirkungsstätte, war er doch von 2008 bis 2010 selbst Kommodore in Nörvenich, ehe er in die Leitung der Luftwaffe aufstieg.

Auch für die Ministerin war es sicherlich ein ungewöhnlicher Moment, als sie sich von Piloten die einzelnen Funktionen des Eurofighters, im Cockpit sitzend, erklären ließ. Mehr als 100 Millionen Euro kostet ein solcher Jet. Maximal 7,5 Tonnen können zusätzlich an Waffentechnik zugeladen werden. Trotz des Gewichts schafft es das 16 Meter lange zweistrahlige Kampfflugzeug, ohne Nachbrenner auf Schallgeschwindigkeit zu beschleunigen. Eine Trainingsstunde – so rechneten Fachleute einmal aus – kostet im Schnitt etwa 76.000 Euro. Da sind allerdings die kostspieligen Ersatzteile, Wartungsintervalle und mehr eingerechnet.

Für Staffelkapitän Markus sind diese Zahlen nur Beiwerk. Fast täglich sitzt er in einem Eurofighter und trainiert für den Fall der Fälle. Seinen Nachnamen möchte er nicht nennen: „Es gibt nicht nur normale Menschen“, sagte er. Der Ministerin erklärte er am Freitag detailliert, worauf man beim Flug achten muss. Selbst der Helm beherbergt eine aufwändige Technik. Was wie Tropfen an der Außenhaut der Kopfbedeckung wirkt, sind Sensoren, die jede Bewegung des Piloten verfolgen. „Ein Helm kostet ein Einfamilienhaus“, gestand er. Moderne Luftwaffentechnik ist eben sehr teuer. Und sehr wartungsintensiv, weshalb nicht alle Eurofighter auch sofort gestartet werden können.

Ungezwungene Gespräche

Vor den Toren des Hangars wartete am Freitag schon die Mannschaft des Luftwaffenstützpunkts. Die Ministerin hatte schließlich vorher angekündigt, dass sie mit den Soldatinnen und Soldaten ins Gespräch kommen wolle. „Ungezwungen“ und in „Vier-Augen-Gesprächen“, wie sie zu Beginn des Treffens verkündete. Für die Öffentlichkeit sollte diese Runde bewusst nicht bestimmt sein

Der Luftwaffenstützpunkt in Nörvenich nimmt eine besondere Rolle in der Bundeswehr ein. Die ersten Eurofighter im Jagdbomberverband gingen im Jahr 2009 in Nörvenich in die Luft. Vorreiter war der Standort auch bei der Entwicklung von neuen Systemen für das Zusammenspiel von Jets und Bodeneinheiten. Dazu wird Lasertechnik eingesetzt. Das älteste Geschwader der Bundesrepublik – am 20. Juni 1958 trat es in den Dienst – beteiligt sich darüber hinaus an Missionen der Nato und der Vereinten Nationen. Aktuell sind Soldatinnen und Soldaten in Mali, Afghanistan und Jordanien im Einsatz. Für die Nato befinden sich einige Flieger seit 2018 durchgängig im Bereitschaftsstatus.