Düren/Gürzenich: Anne Hellwig gibt der Innenstadt den Feinschliff

Düren/Gürzenich: Anne Hellwig gibt der Innenstadt den Feinschliff

Ab und an sprechen Passanten Anne Hellwig bei der Arbeit an. Dann wird die junge Frau in der leuchtend orangefarbenen Kleidung oft gelobt — weil sie sich nicht „zu schade für diesen Job“ ist. „Aber warum sollte ich das auch sein?“, fragt die 28-Jährige. „Dreckige Hände bekommt man in vielen Berufen, die kann man waschen.“ Anne Hellwig ist die erste Frau bei der Straßenreinigung des Dürener Service Betriebs (DSB).

Politisch korrekt mag die Bezeichnung nicht sein, aber in Anlehnung an das stadtbekannte „Kehrmännchen“ Uwe Müller ist Anne Hellwig beim DSB gleich zum „Kehrmädchen“ geworden. Es stört sie nicht. Sie mag ihren Job an der frischen Luft, sie leistet gerne einen Beitrag für eine saubere Stadt, und sie mag es, den Menschen zu begegnen. Unter ihren männlichen Kollegen hat die erste Frau sich gleich wohlgefühlt. Sie ist sehr tough, freundlich, fröhlich und nicht auf den Mund gefallen.

Kippe und Parkscheine

Jeden Morgen um 7 Uhr startet Anne Hellwig ihre Runde in die Innenstadt. Während es für ihren Kollegen Uwe Müller in den Dürener Norden und für Adolf Pliske in Richtung Museum geht, gehören für sie unter anderem Bahnhof, Wirteltorstraße und Wirtelplatz zur täglichen Runde.

Zu tun gibt es immer genug. Wo die Kehrmaschine nicht hinkommt, ist Handarbeit gefragt. Kippen, Parkscheine und allerhand anderer unachtsam weggeworfener Müll müssen aufgesammelt werden. Das summiert sich. Für die Bürgersteigreinigung, betont Müllejans, sei der DSB nicht zuständig. In dessen Aufgabenbereich würden Fahrbahnen, Radwege und öffentliche Wege und Plätze fallen.

„Es ist wichtig, dass eine Stadt sauber ist, wenn sich die Menschen in ihr wohlfühlen sollen“, sagt Anne Hellwig. Vor allem für Fußgängerzonen, in die die Leute in ihrer Freizeit zum Bummeln kommen, sei das wichtig. „Und es ist schade, dass manche Menschen auch in Parkanlagen, die ja eigentlich der Erholung dienen sollen, für eine wenig erholsame Umgebung sorgen“, sagt sie.

„Es sind nicht so viele Menschen, die Müll achtlos wegwerfen, aber es sind immer wieder dieselben“, weiß ihr Chef Richard Müllejans. „Den Weg zum Mülleimer sollte man schon in Kauf nehmen“, appelliert die Kehrfrau. „So weit ist es ja nicht.“ Genug Mülleimer gebe es allemal: 575 im Stadtgebiet, um genau zu sein. Aber die Straßenreiniger vom DSB wissen auch, dass nicht alles mutwillig passiert. Manchmal reiche auch eine starke Böe und die Serviette oder das Taschentuch seien weg. Wenn Müllejans aber jemanden auf „frischer Tat“ ertappt, spricht er die Leute an: „Entschuldigung, Ihnen ist da etwas gefallen.“

Anne Hellwig ist nicht ausschließlich als Straßenreinigerin angestellt. „Dank ihrer Ausbildung ist sie optimal geeignet für das ‚Feintuning‘ der Stadt“, sagt Mülle-jans. „Wir brauchten jemanden, der alles kann“, sagt der DSB-Chef. Und jemanden mit dem „richtigen Auge“. Das hat Anne Hellwig. Bevor die junge Frau Anfang Dezember zum DSB kam, hat sie an der Gesamtschule Mariaweiler ihr Fachabitur gemacht und schloss dann eine Ausbildung als Gärtnerin mit dem Schwerpunkt Zierpflanzen an. Sie hat bei ihren Touren einen Blick für Schösslinge, die es zu schneiden gilt, und sie weiß, welches Kraut in den Beeten nichts verloren hat.

Gestern hat die junge Frau mit Richard Müllejans und Udo Lepper, Leiter Straßenreinigung/ Winterdienst, ihr neues Dienstfahrzeug in Empfang genommen, mit dem sie von nun an unterwegs sein wird. Es ist ein umgebautes Elek-troauto mit 80 Kilometern Reichweite und 85 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit. Damit findet sie überall schnell einen Parkplatz und kann loslegen.

Mehr von Aachener Zeitung